Hier ist Malen Knochenarbeit

Beim MMK-Ferienkurs legten sich die Nachwuchskünstler für ihr Werk richtig ins Zeug

Unsere Baustelle soll schöner werden: Zehn Nachwuchskünstler haben eine Woche lang den Bauzaun am geplanten Apartmenthaus "Maison 43" verschönert. Herausgekommen ist ein Gesamtkunstwerk, auf dem natürlich auch der Eintracht-Adler nicht fehlen darf.

Innenstadt. Justin (in der Mitte) muss sich ordentlich strecken, um seinen "Frankfurt"-Schriftzug gut zur Geltung kommen zu lassen. Vier Tage lang hat er mit neun weiteren Kindern einen Baustellenzaun verschönert. Foto: Martin WeisJustins Verkündung lässt die Arbeit am Bauzaun für kurze Zeit Nebensache werden. "Ich bin Graffiti-Sprayer", sagt der Zwölfjährige und betrachtet die Farbdosen im Karton mit Kennerblick. Die Kinder und Jugendlichen lassen den Stift sinken, mit dem sie die glatte, weiße Zaunverkleidung bemalen und halten die Luft an. Haben sie sich hier einen illegalen Sprüher ins Boot geholt? Doch Justin gibt grinsend Entwarnung: Im Garten seines Opas darf er ab und zu zur Dose greifen; die Gartenlaube hat er bereits kunstvoll verziert.

Genau die richtige Verstärkung für den Ferienkurs "Malen am laufenden Band", mit dem das Museum für Moderne Kunst (MMK) junge Künstler an die frische Luft und zu den Farbtöpfen locken will. Statt auf Papier zu zeichnen, verschönern die zehn Mädchen und Jungen den 85 Meter langen Zaun, der um die Baustelle am Mainkai 43 aufgestellt ist: Hier soll das Apartmenthaus "Maison 43" entstehen; im Moment sieht man aber nur Bagger und eben eine Absperrung aus mannshohen weißen Platten.

"Der Bauherr hat uns den Vorschlag gemacht, den Zaun zu bemalen", erzählt Katherina Mantel, eine zierliche Frau mit kurzen, dunkelblonden Haaren, die sich im MMK um die Jugendarbeit kümmert und den Ferienkurs leitet. "Ich war sofort begeistert. Das ist eine gute Gelegenheit für Kinder und Jugendliche, sich für die Öffentlichkeit zu engagieren. Gleichzeitig kann so jeder das Ergebnis bewundern, ohne eine Ausstellung besuchen zu müssen."

Auf einer solch großen Fläche zu arbeiten, birgt aber auch Herausforderungen. An den ersten beiden Tagen des Workshops, der von Montag bis Freitag läuft, hat sich Mantel deswegen mit den Teilnehmern Gedanken um Thema und Herangehensweise gemacht. "Wir wollten kein einheitliches Motto, sondern alle Bilder miteinander verbinden, so dass ein großes Gesamtkunstwerk entsteht." Mantel lächelt, sie wirkt ein wenig erschöpft; die Kinder, sagt sie, sind sehr engagiert bei der Sache, aber die Arbeit ist trotzdem anstrengend. "Man malt mit dem ganzen Körper und muss richtig Spannung aufbauen. Das haben wir zuerst geübt, ehe wir uns überlegt haben, was wir zeichnen."

Justin hat diesen Schritt schon hinter sich: Ein Schriftzug soll seinen Teil des Zauns markieren und dann in eine Schlange übergehen, die einen Eintracht-Adler anblickt. Er tritt einen Schritt zurück und betrachtet mit kritisch zusammengekniffenen Augen sein Werk. "Frankfurt" steht da in kunstvoll verschlungen Buchstaben, aber noch langweilig schwarz-weiß. "Farbe kommt nachher", beruhigt er und schiebt sich die Brille auf die Nase. "Wir müssen erst einmal vorzeichnen." Warum er sich für diesen Ferienkurs entschieden hat? "Ich finde Malen auf normalen DIN-A-4-Blättern langweilig. Solche großen Flächen sind doch erst eine richtige Herausforderung."

Mit zehn kleinen Künstlern einen 85 Meter langen Zaun bemalen – hat sich Katharina Mantel da nicht ein bisschen zu viel vorgenommen? Sie zuckt mit den Schultern. "Von vier Tagen gingen zwei für die Vorbereitung drauf, zwei nutzen wir komplett fürs Zeichnen. Eigentlich sind pro Einheit vier Stunden angesetzt." Sie stockt kurz, wirft einen Blick auf die eifrig pinselnden Mädchen und Jungen und lächelt. "Aber sie haben schon angekündigt, dass sie nicht eher gehen, bis wir fertig sind." Klingt nach Überstunden – die Spaß machen. Wer sich das Ergebnis anschauen möchte, findet den Bauzaun bis zum 9. Oktober an der Baustelle am Mainkai 43. jro

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