Hongkong ist immer einen Lauf wert

Feuerwehrmann Christian Luxenburger hat den Marathon geschafft

Der Frankfurter Feuerwehrmann Christian Luxenburger ist glücklich. Er ist "seinen" großen Marathon gelaufen. In 3 Stunden 44 Minuten hat er die 42,2 Kilometer quer durch Hongkong geschafft. Wir waren dabei.

Hongkong/Frankfurt. Vor der Skyline von Hongkong erreichte Christian Luxenburger nach 3 Stunden und 41 Minuten das Ziel. Fotos: Schmidt "Es war nicht optimal", sagt er, völlig verschwitzt, kurz nachdem er das Ziel erreicht hat. "Ich wollte unter 3 Stunden 40 bleiben. Aber ich bin zufrieden, es war okay." Luxenburger ist ein schneller Läufer, und Zeiten von um die dreieinhalb Stunden erreicht er immer, wenn er gut trainiert ist. Diesmal jedoch kam er am Anfang, auf den ersten zehn Kilometern, nicht vom Feld los. "Man muss sich freilaufen, muss sein Tempo laufen können. Hier in Hongkong waren wir am Anfang zu dicht gepackt, hat es zu lange gedauert, bis ich Platz genug hatte." Die Minuten, die ihn das gekostet hat, hat Luxenburger am Ende zum Teil wieder reingeholt. Aber nicht ganz. Egal, jetzt gilt es erst mal, eine SMS an die in Deutschland noch schlafende Familie zu schicken. Und an seine Kollegen von der Feuerwehr Frankfurt. Sie hatten gestern, am Sonntag, schließlich Dienst.

"Die Strecke ist sehr schön", sagt Luxenburger, "aber es war fast nur Autobahn und entsprechend recht wenig Zuschauer." Anders als in Frankfurt, wo der 40-jährige Familienvater aus Oberursel schon neun Mal gestartet ist. "Das ist mein Hausmarathon, darauf bereite ich mich lange Zeit vor, laufe 34 Kilometer zur Arbeit und habe meine beste Zeit mit 3,18 Stunden gelaufen." Sechs Wochen vorher trinkt er dann keinen Alkohol, um nicht morgens mit einem dicken Kopf eine Ausrede zu haben, um nicht zu laufen. Training, Training, Training, das gilt vor jedem Marathon, auch vor dem in Hongkong.

Dass er bei dieser Zeitung die Teilnahme gewonnen hat und dank Cathay Pacific, dem Regal Hotel und dem Hongkong Tourism-Board auf der Läuferliste in Hongkong stand, hat Luxenburger hingegen erst knapp vier Wochen vorher erfahren. Das reicht für einen erfahrenen Hardcore-Läufer mit 17 Rennen, um in die Lage zu kommen, den Marathon zu überstehen und weniger als vier Stunden zu benötigen. Alles darüber hinaus aber ist auch Glücksache.

Die Strecke führte von der Halbinsel Kowloon nach Norden, dann über die Stonecutters Bridge auf die Insel Tsing Yi und weiter über die Tsing-Ma-Brücke zur kleinen Insel Ma Wan, wo der Wendepunkt war. Eine weitere Brücke und mehrere Tunnel, darunter der gut zwei Kilometer lange Western Harbour Tunnel standen auf dem Plan. "Schon ein seltsames Gefühl in diesem Tunnel. Auf den Brücken gibt es wenigstens etwas Luft." Bis zu 20 Grad warm war es, die Luftfeuchtigkeit lag bei 90 Prozent.

Klicken, um weiterzulesen: Zeit für FotosNoch frisch: Christian Luxenburger vor dem Start.

Zeit für Fotos

Ein Problem, das Zeit kostete, war zutiefst menschlich. In Frankfurt und bei anderen City-Marathons kann man bei Bedarf mal jemanden fragen, wo eine Toilette ist. Auf dem Autobahn-Marathon in Hongkong muss man einige Kilometer aushalten bis zum nächsten Toilettenwagen. Und hier, auf der Stonecutters Bridge, war die Wartezeit für Christian Luxenburger so groß, dass er sogar einige Fotos geschossen hat.

Insgesamt ist er sehr zufrieden. Die genaue Platzierung war am Sonntag noch nicht klar. Der Hongkong-Marathon ist mit in diesem Jahr um die 70 000 Teilnehmern die größte Marathon-Veranstaltung Asiens – auch wenn auf der Langstrecke nur rund 14 300 Starter sich nominiert haben, weniger als in Frankfurt. 6000 freiwillige Helfer haben das Rennen ermöglicht.

Luxenburgers großer Tag begann um 5 Uhr morgens. Es war noch dunkel, als er – einige Bananen hat er im Zimmer verspeist – in Sportkleidung in die Hotellobby trat. Große Überraschung: Mindestens fünf weitere Marathonläufer standen dort, ihre schwarzen Plastiktaschen fürs Gepäck unter dem Arm, um gemeinsam zum Start nach Kowloon zu fahren. Schnell kam man ins Gespräch. Die anderen waren Läufer aus Indonesien. Einer von ihnen, Timo Franziscus, wollte gleich wissen, wie sich der Frankfurt-Marathon läuft. "Er ist schnell, die Strecke ist eben", antwortete Luxenburger. Die Indonesier wollen später im Jahr in Berlin laufen.

Klicken, um weiterzulesen: Freundliche HelferIm Ziel: Erschöpft aber mit dem Victory-Zeichen.

Freundliche Helfer

Nach drei Stationen in der U-Bahn und 15 Minuten später war die Gruppe an der Station Tsim Sha Tsui. Dort war schon alles voll von Läufern. Draußen hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Deswegen machten viele Sportler ihre Dehn- und Aufwärmübungen in der Station. "Das riecht ein wenig zu sehr wie damals in der Umkleide der Schulturnhalle", bemerkte Luxenburger und beschloss, die Station zu verlassen. Kaum näherte er sich einer Absperrung, kamen zwei Ordner auf ihn zu und erklärten freundlich den Ablauf. Wenn er so weit sei, könne er hier stehen bleiben, die Ordner würden die Sportler dann entlang der Straße in die Wartezone lassen. 50 Meter weiter, an der Ampel, ist der Start.

Es dauerte nicht lange, und der Pulk rannte los. 6.45 Uhr, immer noch war es dunkel, und Luxenburger hatte im Pulk zu kämpfen. Doch wenig später holte er den Hotelgast Timo Franziscus ein, klopfte ihm auf die Schulter und meinte aufmunternd: "Go ahead!"

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