Immer mehr verletzte Radler

Stadt und Polizei starten Kampagne für mehr Verkehrssicherheit

Verkehrsminister Peter Ramsauers Forderung nach einer Helmpflicht für Radfahrer hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Die Stadt Frankfurt und die Polizei setzen in diesem Herbst bei ihren Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit andere Schwerpunkte.

Frankfurt. Fahrradfahrer dürfen nur an wartenden Autos rechts vorbeifahren. (Bild: dpa)Einen roten Pfeil hat Frankfurt in diesem Jahr beim "Städtecheck Fahrradverkehr" des ökologischen Verkehrsclubs VCD bekommen. Das heißt: "Achtung! Die durchschnittliche Zahl der Verunglückten hat zugenommen." 605 waren es 2005, fünf Jahre später kamen bereits 752 Radfahrer zu Schaden. Fast jeder vierte Verkehrsteilnehmer, der im vergangenen Jahr in Frankfurt verunglückte, war mit dem Fahrrad unterwegs. Damit ist das Unfallrisiko für Radler fast doppelt so hoch, wie es nach dem Radverkehrsanteil in der Stadt (2008 waren es rund 13 Prozent) zu erwarten wäre.

Frankfurt nimmt im bundesweiten Vergleich keine besonders gute Position ein. Der VCD hat 43 Städte untersucht, und im Durchschnitt hat die Zahl der verunglückten Radfahrer abgenommen. 22 Städte waren bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit in den letzten Jahren sogar überdurchschnittlich erfolgreich. Und das sind nicht unbedingt die Städte, in denen ohnehin kaum jemand aufs Rad steigt. Nach Erkenntnissen des VCD ist das Unfallrisiko umso geringe, je höher der Radverkehrsanteil in einer Stadt ist.

Helmpflicht umstritten

Eine Helmpflicht lehnt der VCD deshalb ebenso ab wie der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Denn Erfahrungen aus Australien hätten gezeigt, dass durch einen verpflichtenden Kopfschutz die Neigung, das Fahrrad zu benutzen, signifikant sinkt. "Wer die Sicherheit für alle Radfahrer nachhaltig erhöhen will, muss deshalb für mehr und nicht für weniger Radverkehr sorgen", meint ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner.

Laut der Frankfurter Verkehrsunfall-Statistik trug jeder vierte verletzte Radfahrer keinen Helm. Das heißt umgekehrt: Drei von vier Radfahrer wurden verletzt, obwohl sie einen Helm trugen.

Kampagne für mehr Licht

Nach der Analyse des VCD werden Radfahrer einerseits durch falsches Verhalten von Autofahrern (Abbiegefehler, Missachten der Vorfahrt, zu hohe Geschwindigkeit), andererseits durch eigenes Fehlverhalten wie Fahren in falscher Richtung gefährdet. Die Stadt hat mit Aktionen, zum Beispiel in der Hanauer Landstraße, versucht darauf aufmerksam zu machen.

Auffallend ist, dass eine große Zahl von Fahrradunfällen zwischen 17 und 19 Uhr passiert, also wenn es im Winter schon dunkel ist. Bei den Verkehrssicherheitswochen werden Stadt und Polizei deshalb auch wieder auf eine ausreichende Beleuchtung von Fahrrädern achten. Verkehrsdezernent Stefan Majer startet die Kampagne heute Abend in der Freßgass‘. mu

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