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In Saigon kam er auf neue Ideen
DJ Jan Hagenkötter genießt seine Auszeit
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In diesem Jahr feiert das Frankfurter INFRACom!-Label wieder ein Jubiläum. Der zehnte und 15. Geburtstag wurden richtig zelebriert: 2002 mit einer [re:jazz]-CD, darauf illustre Gäste wie Lisa Bassenge, Erik Truffaz, Till Brönner und Joy Denalane. 2007 mit dem jazznotjazz-Festival im Mousonturm, zwei Tage zwischen klassischen und innovativen Jazz-, Soul-, Latin-, Funk- und Fusion-Klängen, mit Livebands, DJs und Filmvorführungen. Da könnte man annehmen, dass der Labelgründer sich seit Monaten Gedanken macht, wie er diese Höhepunkte noch toppen kann. Weit gefehlt. Jan Hagenkötter genießt vorm 20. Geburtstag seiner Firma lieber eine Auszeit, 9669 Flugkilometer von seiner Wirkungsstätte am Main entfernt.
Vergangenen April verabschiedete er sich für ein Jahr, mal raus aus dem Trott, sich sammeln und Zeit für die Familie, seine Frau Phuong Doan und die beiden Kinder (4 und 1), haben. Saigon hieß das Ziel, im 4. District, dem ehemaligen Hafenviertel der Stadt, ließen sich die Frankfurter nieder. In diesem Teil Saigons leben wenig Landfremde, zumindest keine Langnasen, wie die Europäer in Asien gern genannt werden, sondern eher Vietnamesen und einige asiatische Ausländer.
Natürlich blieb es nicht bei Familienbesuchen, Ausflügen aufs Land oder Schippern auf dem Mekong. Auch alte Kontakte wurden aufgefrischt, so zu einem Kollegen namens Edge, der schon seit Jahren Veranstaltungen in Vietnam, Thailand und auf den Philippinen organisiert. Der war froh, mit Hagenkötter einen neuen Partner gefunden zu haben. Der Frankfurter wusste von früheren Besuchen, was sonst im Radio gespielt wird. "Pop, Schlagermusik, Roland Kaiser auf Vietnamesisch", erzählt er. "Die Vietnamesen haben nicht wirklich eine Idee von dem, was musikalisch in der Welt passiert." Nicht verwunderlich, öffnete sich das Land erst vor etwa 20 Jahren, war davor 15 Jahre total abgeschottet und litt zwischen 1945 und 1975 unter Krieg und Landesteilung.
In vietnamesischen Clubs, die Hagenkötter dann besuchte, lief vor allem Mashup und Boom-Boom-Techno. Wirklich überrascht war Hagenkötter aber davon: "Es gibt da keine Tanzflächen, sondern nur hohe Stehtische. Du reservierst als Gruppe, orderst flaschenweise Whiskey, Gin, nur harte Drinks. Die Leute stehen an den Tischen, trinken, tanzen."
Da hatten Hagenkötter und Edge doch bessere Ideen: Sie organisierten sechs Veranstaltungen in Saigon, holten Souldiva Alice Russell, das Berliner Nu-Jazz-Projekt Jazzanova und den britischen Downtempo-Star Quantic nach Asien. "Wir konnten so einen ganz neuen Geschmack in die Szene einbringen. Die Leute waren dankbar, zu den Partys kamen vier- bis fünfhundert Gäste, beim abschließenden Festival im Dezember waren es 800", erzählt Hagenkötter stolz. Die Alternative zu den staatlich angebotenen Auftritten der Backstreet Boys und Bob Dylan wurde nur zu gerne angenommen.
Hagenkötter hat dennoch den Rückflug für Anfang April aber gebucht. Weil Vietnam ja nicht aus der Welt ist, hat der Frankfurter auch von dort die Veränderungen hier, den Umbau im Mousonturm, das Aus für den Sinkkasten, mitbekommen.
In dem Traditionsclub hat er zuletzt seine Veranstaltungen organisiert, nun muss er die neuen Macher kennenlernen. Wenn die Lust auf INFRACom! haben, dann werde wieder Party gemacht. Mit gestärktem Selbstbewusstsein will der DJ und Produzent zurück: "In Saigon konnte ich mir selbst beweisen: Es ist relevant und gut, was ich mache." Detlef Kinsler



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