Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Islamisten ziehen nach Seckbach
Verfassungsfeindliche Gruppe um Prediger Sheikh Abdellatif plant Moschee, um Jugendliche zu gewinnen
Sie predigen einen mittelalterlichen Islam und streben einen muslimischen Gottesstaat an. Jetzt haben die Salafisten um den Prediger Sheikh Abdellatif in Seckbach Räume für eine eigene Moschee angemietet. Wird Frankfurt zur Islamisten-Hochburg?
Frankfurt. ![]()
Auf Rundgang durchs neue Zentrum: Der Raum links oben soll für Frauen hergerichtet werden, im Zimmer daneben ist ein Büro mit Laden geplant. Der Saal links unten ist der künftige Gebetsraum. Daneben das Haus, in dem zuvor die „Assembly of God“, eine freie evangelischen Gemeinde, residierte. Fotos: chc/YouTube "Internationaler Jugendverein e. V." steht auf dem Briefkasten neben dem Eingang. Das Papierschild ist klein, die Buchstaben wurden mit einem Kugelschreiber aufgemalt. Durch die Scheibe der Tür ist eine Treppe zu sehen. Wenn es nach dem radikal-islamischen Prediger Sheikh Abdellatif und seinen Glaubensbrüdern geht, werden über diese Stufen demnächst junge Moslems in eine neue Moschee hinaufsteigen. Außer einem großen Gebetsraum sind im ersten Obergeschoss auch ein Büro, eine Kaffeestube und ein Buchladen geplant – alles, was nötig ist, um Menschen in der salafistischen Lehre (siehe unten) zu unterweisen.
Hinter dem "Internationalen Jugendverein" steht keine Organisation, die sich die Völkerverständigung auf die Fahnen geschrieben hat, sondern das 2008 gegründete islamische Netzwerk Dawa FFM. "Dawa" heißt "Mission", und genau darauf zielen Sheikh Abdellatif und seine Unterstützer auch ab: Im Internet und als Gast in Frankfurter Moscheen predigte der 39-jährige Marokkaner in den vergangenen Jahren einen fundamentalistischen Islam, der auf die Errichtung eines muslimischen Gottesstaats abzielt und als verfassungsfeindlich eingestuft wird.
Mit ihrem ersten eigenen Zentrum wollen die Salafisten "Dawa FFM voranbringen", wie es in einem gut vierminütigen Internetvideo vom 28. August heißt. Darin führen zwei weiß gewandete Mitglieder durch die neu angemieteten Räume in einem Hinterhaus der Gwinnerstraße 32. Auf dem Rundgang weisen sie auf vorhandene Mängel und geplante Umbauten hin. Außerdem bitten sie um finanzielle Hilfe: 15 000 Euro für "Maklergebühren, Kautionen usw." seien nötig, außerdem Spenden für Umbau und Instandhaltung. "Wer um Allahs Willen eine Moschee baut", so wird an einer Stelle eingeblendet, "dem wird Allah ein Haus im Paradies bauen."
Einfache Sätze wie dieser machen die Lehre der Salafisten, zu denen auch der Konvertit Pierre Vogel zählt, für junge Sinnsucher attraktiv. Arid U., der am Flughafen zwei US-Soldaten erschoss und zwei weitere schwer verletzte, soll sich vor seiner Tat im Internet radikalisiert haben. Dabei schaute und kommentierte er auch Videos von Dawa FFM. Die Gruppe, die auch Fußballturniere und Grillfeiern anbietet, um Jugendliche anzulocken, zählt dem Vernehmen nach einige Dutzend Mitglieder in Frankfurt und Umgebung.
Hessens Innenminister bekräftigte gestern, dass die Sicherheitsbehörden Dawa FFM "sehr genau" beobachten. "Wir lassen nicht zu, dass Salafisten junge Muslime in Hessen radikalisieren", sagte Boris Rhein (CDU). "Sollten wir dies feststellen, werden wir mit allen rechtlichen Möglichkeiten dagegen vorgehen."
![]()
Sheikh AbdellatifDass die nicht besonders groß sind, zeigte dieses Jahr das Beispiel Pierre Vogels: Obwohl sich heftiger Widerstand gegen zwei Auftritte des Predigers regte, musste die Stadt sie letztlich erlauben. Auch gegen die Gründung einer Moschee durch Dawa FFM dürften die Behörden machtlos sein, so lange sich die Salafisten friedlich verhalten und keine Straftaten begehen. Verschiedene Stellen in der Stadt äußerten sich gestern entsprechend.
Vor dem Hintergrund der Moschee-pläne erscheinen die Ermittlungen gegen Sheikh Abdellatif besonders interessant: Im Februar hatten Polizisten die Wohnung und den Arbeitsplatz des Marokkaners und die Wohnungen vier weiterer Salafisten durchsucht. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, deutsche Staatsbürger für einen ausländischen Wehrdienst, also für dschihadistische Zwecke, angeworben zu haben. Die beschlagnahmten Computer und Datenträger werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch immer ausgewertet.
Sheikh Abdellatif hat in Frankfurt zunächst in der Griesheimer Bilal-Moschee gepredigt. Das Amt für Multikulturelle Angelegenheiten konnte mit dem dortigen Moscheeverein ein Hausverbot für den Marokkaner erwirken. Abdellatif wechselte darauf zur Ginnheimer Falah-Moschee, wo er laut Dawa-Internetseite bis heute dreimal wöchentlich Islamunterricht hält.
Verfassungsschützer befürchten, dass die Salafisten in eigenen Räumen eine noch größere Anziehungskraft entwickeln könnten. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten.chc



Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter