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Islamunterricht umstritten
Frankfurts Schulleitungen sehen das Bekenntnis zu Allah in der Schule kritisch
Im Landtag wurde gestern um die Koalitionsvereinbarung zum Islamunterricht diskutiert. Eines ist klar: Noch ist kein Lehrer ausgebildet. Die Vorbereitungen dafür laufen an der Goethe-Universität an.
Frankfurt. ![]()
Sabine Pressler Islam als Schulfach, das braucht noch Zeit. Es gibt noch keine ausgebildeten Lehrer, ja noch nicht einmal Ansprechpartner des Landes, in deren Namen der Unterricht laufen könnte. "Bis zum Frühjahr soll die Prüfung der beiden Organisationen Ditib und Ahmadiyya abgeschlossen sein", sagte Horst-Günter Herold, Sprecher beim hessischen Kultusministerium. Fehlende Lehrkräfte könnte man durch weitergebildete Lehrer ersetzen. "Wir müssen nicht warten, bis die ersten Referendare aus den Universitäten kommen."
Kulturen des Islam
Sabine Pressler, Leiterin des Leibnitzgymnasiums in Höchst, rät von Eile ab: "So etwas sollte man langsam, aber gründlich einführen. Die Schüler dürfen nicht Opfer politischer Schnellschüsse werden." Ihr Problem mit der Vorstellung eines bekenntnisorientierten Religionsunterrichts analog dem katholischen oder evangelischen: Es gibt Sunniten und Schiiten, es gibt viele Traditionen in den unterschiedlichen moslemischen Ländern. "Die Religionslehrer müssen in jedem Fall an deutschen Hochschulen ausgebildet worden sein, der Unterricht auf Deutsch stattfinden", fordert die Schulleiterin. Wenn alle Bedingungen erfüllt sind, sieht Sabine Pressler große Chancen: "Ein Religionsunterricht kann moslemischen Kindern die große Vielfalt des Islam aufzeigen. Die Kinder können lernen, sich kritisch mit der Schrift auseinanderzusetzen. So ist es im christlichen Religionsunterricht ja auch. Das könnte eine Aufklärung des Islam ergeben."
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Prof. Ömer ÖzsoyAuch andere Schulleiterinnen sehen Probleme. Dass bekenntnisorientierter Islamunterricht etwas daran ändert, dass die Kinder zusätzlich in der Moscheegemeinde belehrt würden, glaubt Birgid Frenkel-Brandt, Leiterin der Konrad-Haenisch-Schule in Fechenheim nicht. "Wir verfolgen das Thema gespannt." In ihrer Grund-, Haupt- und Realschule gebe es für moslemische Kinder bislang allenfalls Ethik als Ersatz für einen Religionsunterricht.
Das findet Helga Artelt, Leiterin der Friedrich-Ebert-IGS in Seckbach gar nicht schlecht. "Ich persönlich würde den Bekenntnisunterricht durch einen Ethikunterricht für alle ersetzen. Der Integration ist eher gedient, wenn christliche und muslimische Kinder sich über gemeinsame Werte verständigen und Unterschiede kennenlernen, als wenn jeder für sich seine Glaubenssätze lernt." Unter den Schulleitern ist die Einführung des Islam-Unterrichts also nicht unumstritten.
Die Frage "Bekenntnis oder Islamkunde" wurde gestern auch im Landtag behandelt. Auf beides ist das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität vorbereitet, berichtet dessen geschäftsführender Direktor Prof. Ömer Özsoy: "Wir könnten Religionslehrer ausbilden. Es ist schon vereinbart, dass an der Uni in Gießen die künftigen Grundschullehrer studieren und in Frankfurt die angehenden Lehrer der Sekundarstufe II. Wir erhalten dafür je eine Professur für Religionspädagogik." Allerdings ist noch nichts unterschrieben. Alles ist im Schwebezustand, bis klar sei, wer für den Bekenntnis-Unterricht die Verantwortung hat.
Wurzeln kappen
Der SPD-Stadtverordnete Turgut Yüksel plädiert für die Ditib, auch wenn sie eng mit dem türkischen Staat verbunden ist. "Diese Wurzeln müsste sie kappen. Die meisten Moslems in Deutschland fühlen sich von der Ditib vertreten." Die Schwierigkeit sei, dass nur Religionsgemeinschaften Religionsunterricht an staatlichen Schulen erteilen dürfen. Die Zubilligung "Religionsgemeinschaft" wird derzeit für die Ditib geprüft. "Solange da kein Ergebnis vorliegt, könnte Hessen eine Zwischenlösung finden. Dies wäre die religionswissenschaftliche Islamkunde", schlägt Yüksel vor. Klar sei, deutsche Universitäten müssen die Lehrer ausbilden und Deutsch müsse Unterrichtssprache sein. Beim Lehrplan und bei der Zulassung der Lehrkräfte sind die Verbände gefragt.
Selcuk Dogruer, bei der Ditib hessischer Landesbeauftragter, sagte, seine Organisation erarbeite mit neun weiteren Verbänden einen Stundenplan für den Religionsunterricht in Grundschulen. "Damit könnte es bald losgehen."tjs



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