Kulturpolitiker halten an Museumsneubau fest

Frankfurt. Die Sparvorschläge der schwarz-grünen Haushaltskommission sind gerade mal eine Woche alt – und schon werden sie von Politikern in den eigenen Reihen zerpflückt. Das gilt für das Stadthaus (siehe unten) ebenso wie für das Museum der Weltkulturen. Die Planungsmittel für den Erweiterungsbau sollen gestrichen werden – womit das Projekt in weiter Ferne rückt.

Doch Kulturpolitiker von CDU und Grünen wollen das nicht akzeptieren, sie betrachten die Streichliste der vierköpfigen Sparkommission lediglich als Empfehlung. "Wir brauchen dieses Museum unbedingt", sagte Thomas Dürbeck (CDU) gestern Abend im Kulturausschuss. Allerdings müsse man auch prüfen, wie es sich finanzieren lasse. Ähnlich argumentierte Sebastian Popp (Grüne): "Warum gelingt es in Frankfurt nicht, ein solches Museum zu bauen?" Kein anderes sei so wichtig wie dieses. "Wir wollen einen Weg finden, es doch noch zu realisieren." Natürlich müsse angesichts der Finanzlage gespart werden. "Aber da fallen mir andere Sachen ein." SPD-Sprecherin Renate Wolter-Brandecker nimmt ihren Kollegen von CDU und Grünen das Engagement für das Museum aber nicht recht ab. "Die Sparkommission wurde doch von der schwarz-grünen Koalition eingesetzt." Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hätte für das Projekt kämpfen können.

Der verhehlte auch gestern nicht, dass er die geplante Streichung der Planungsmittel als "außerordentlich misslich" betrachte. Es werde jetzt zu einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren kommen, vermutet er. Das weitgehend unterirdisch geplante Museum sei in der bisherigen Planung deutlich kleiner und damit auch billiger geworden. Die Nutzfläche sei von 6200 auf 4900 Quadratmeter reduziert worden, die aktuelle Kostenschätzung liege jetzt bei 65 Millionen Euro. "Wir wollen das noch weiter reduzieren." Die Umplanung habe auch ergeben, dass jetzt "weniger als zehn Bäume" gefällt werden müssten. Auch wenn nicht weiter geplant werden kann, will Semmelroth für den Neubau werben. "Es ist uns nicht gelungen, ein öffentliches Bewusstsein für das Projekt zu schaffen." Einzelne Exponate sollen jetzt an verschiedenen Stellen in der Stadt präsentiert werden. "Wir müssen zeigen, warum es sich lohnt, andere Kulturen darzustellen", sagte der Stadtrat.

Auf großes Interesse des Kulturausschusses stieß das Konzept des Museums der Kulturen in Basel, das dessen Direktorin Anna Schmid vorstellte. Für rund 24 Millionen Euro ist das mitten in der Altstadt liegende Haus umgebaut und erweitert worden. Der Ansatz unterscheidet sich allerdings deutlich vom Frankfurter Konzept. In Basel werden lediglich fünf der rund 300 000 Exponate in der Dauerausstellung gezeigt; ansonsten gibt es Wechselausstellungen. In Frankfurt hingegen ist geplant, einen möglichst großen Teil der 70 000 Stücke umfassenden Sammlung im Neubau zugänglich zu machen, unter anderem über ein Schaulager. mu

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