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Mainova-Chef: "Wir haben günstige Preise"
Mainova-Chef verteidigt Erhöhung von Strom- und Gaskosten
Der Strompreis steigt, die Energiewende steht an. Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Mainova, sprach mit FNP-Redakteur Thomas Remlein über die zukünftigen Herausforderungen.
Frankfurt. ![]()
Der Mainova-Vorstandsvorsitzende Constantin Alsheimer verweist darauf, dass sein Unternehmen nur auf ein Drittel der Kosten für Strom und Gas Einfluss hat. Fotos: Martin WeisZum 1. März erhöht die Mainova schon wieder die Preise. Der Strompreis steigt um bis zu sieben, der Gaspreis um bis zu 3,4 Prozent. Warum?
Constantin Alsheimer: Die Mainova ist ein Unternehmen, das günstige Preise hat. Wir wollen daran festhalten, immer zu den 30 Prozent günstigsten Anbietern zu gehören.
Warum mussten Sie dann dennoch erhöhen?
Alsheimer: Die Beschaffungskosten an den Märkten sind gestiegen, aber auch Umlagen, die wir staatlicherseits in Rechnung stellen müssen, sowie die Netzentgelte. Knapp zwei Drittel der Stromkosten liegen nicht in der Bestimmung des Unternehmens. Nur ein Drittel kann durch Beschaffungs- und Vertriebskosten beeinflusst werden.
Ist es ähnlich wie bei den Spritpreisen, deren Hauptanteil von Steuern bestimmt ist?
Alsheimer: Bei uns sind es 64 Prozent. Die Umlage, die neu dazu gekommen ist, ist die sogenannte Sonderkundenabgabe. Das heißt, die stromintensive Industrie wird von Netzentgelten befreit, weil man sagt, diese Unternehmen müssen am Standort Deutschland gehalten werden, die Energiekosten müssen im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sein.
Die Mainova investiert stark in die Stromproduktion, beteiligt sich an Windparks. Wenn Sie mehr Storm selber produzieren, haben Sie dann nicht Kostenvorteile, die Sie auch an Kunden weiter geben könnten?
Alsheimer: Aber nicht unmittelbar. Wenn wir mehr Strom produzieren und diese Produktion in Frankfurt geschieht, dann haben wir Vorteile in punkto Versorgungssicherheit. Allerdings verkaufen wir den Strom gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz direkt an den zuständigen Netzbetreiber. Das heißt, der Kunde bekommt diesen Strom zunächst nicht direkt, sondern erst, wenn die Förderzeit abgelaufen ist. Nach der Förderzeit ist es Strom, den wir selbstverständlich unseren Kunden zur Verfügung stellen.
Die Mainova ist ja mit der FES am Betrieb einer Müllverbrennungsanlage beteiligt. Kann man mit den Gewinnen aus der Müllverbrennung nicht die Strompreise senken?
Alsheimer: Wir erstatten der Betreiberin des Müllheizkraftwerks einen Preis für die aus dem Verbrennungsvorgang resultierende Energie. Dieser Preis ist die Grundlage für das Entgelt, das wir unseren Wärmekunden in Rechnung stellen.
Aber es wird auch Strom produziert.
Alsheimer: Es wird auch Strom produziert, den wir für die Betreiberin des Müllheizkraftwerks am Markt verkaufen. Wir sind reiner Händler. Das Müllheizkraftwerk beauftragt uns, diesen Strom an der Börse zu veräußern. Dafür erhalten wir eine kleine Gebühr und das Müllheizkraftwerk den Stromerlös. Es ist durch Müllverbrennung produzierter Strom, den wir lediglich als Makler an der Strombörse abgeben.
Haben lokale Energieversorger in Zeiten der Energiewende, die Chance, mehr Marktmacht zu entwickeln?
Alsheimer: Mehr Marktanteile an der Erzeugung zu erhalten, ja. Es wird sich die Stromerzeugung dezentraler gestalten, als das bisher der Fall ist. Wir können besser Plätze für Wind identifizieren, wir haben die Kunden, die möglicherweise bereit sind, zu Hause eine Strom produzierende Heizung einzubauen. Insgesamt trägt das alles dazu bei, Strom zukünftig regenerativ, dezentral und effizient zu erzeugen.
Können Sie möglicherweise auch durch Zukäufe – Sie sind ja an den Süwag-Anteilen interessiert – ihre Marktposition festigen und erweitern?
Alsheimer: Die Muttergesellschaft der Mainova, die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding, ist Teil eines kommunalen Bieterkonsortiums. Dieses prüft, unter welchen Bedingungen die Süwag erworben werden könnte.
Man könnte die Süwag ja nach dem Erwerb mit der Mainova verschmelzen und die Unternehmen zusammenführen. Fusionen kommen gelegentlich vor im Wirtschaftsleben.
Alsheimer (lacht): Möglichkeiten gibt es sicherlich viele. Aber alle Gestaltungsfragen sind der Zukunft überlassen. Zunächst obliegt es der Stadtwerke Holding, deren nebenamtlicher Geschäftsführer ich ja bin, die Konditionen zu eruieren. Sie haben insoweit recht, als ich als Mainova-Vorstand die Auffassung vertrete, dass es klug ist für Stadtwerke, wenn sie untereinander kooperieren, vor allem in ihrem regionalen Umfeld. So kommen sie zu wirtschaftlichen Vorteilen, beispielsweise in der Materialbeschaffung und der Netzbewirtschaftung. Die Strategie der Mainova ist es seit Jahren, Kooperationspartner in der Region zu suchen und die Zusammenarbeit zu festigen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Insofern ist es jammerschade, dass die Mannheimer MVV und nicht die Mainova die Energieversorgung Offenbachs übernommen hat.
Alsheimer: Das war vor meiner Zeit. Unternehmenspolitisch wäre das jedoch eine gute Gestaltung für das Rhein-Main-Gebiet gewesen.
Auch im Sinne der regionalen Zusammenarbeit.
Alsheimer: In der Tat. Insofern würde ich ihr Bedauern konstatieren. Aber die Gelegenheit ist auf absehbare Zeit vorbei.
Wann wird die Mainova keinen Atomstrom mehr verkaufen?
Alsheimer: Sie verkauft im Vergleich zu ihren Wettbewerbern nur geringere Anteile. Insgesamt kaufen wir natürlich an der Börse einen Strommix ein. Weil wir eine hohe atomstromfreie Eigenerzeugung haben, beträgt der Atomstromanteil in unserem verkauften Strommix lediglich 10 Prozent. Dagegen sind es im Bundesdurchschnitt 25 Prozent. Wir haben 35 Prozent regenerative Energie, im Bundesvergleich sind es nur 18 Prozent.
Können Sie eine Jahreszahl nennen? Schaffen sie es vor der angepeilten Energiewende?
Alsheimer: Die Mainova wird es früher schaffen. Der bundesweite Ausstieg wird 2021 sein. Wir werden schon 2015 das Volumen des in Frankfurt benötigten Stroms zu 100 Prozent in Mainova-Anlagen erzeugen.
Wenn die Mainova keinen Atomstrom mehr verkauft, ist das gut oder schlecht für den Strompreis?
Alsheimer: Wir verkaufen den Strom ja jetzt schon trotz der besseren Zusammensetzung des Strommixes zu einem günstigen Preis. Dabei wird es bleiben. Wir sind immer unter den günstigsten Anbietern. Letztendlich bildet sich der Preis für Strom immer am Markt.
Aber der Markt wird immer unübersichtlicher. Jedes Unternehmen hat eigene Tarife. Es gibt hunderte von Tarifen, für Ökostrom, für Mixstrom, für Großkunden, für Kleinkunden etc. Es ist für den Kunden nicht mehr nachvollziehbar, es sei denn er setzt sich eine Woche hin und rechnet alles komplett durch.
Alsheimer: Genau. Ehrlich gesagt bedauere ich diesen Tarifdschungel. Wir versuchen faire Tarife am Markt zu platzieren. Wir sind dafür mehrfach prämiert worden. Der Kunde wird sich auf solche Gütesiegel verlassen müssen.
Sie haben sich bei einer Diskussion gegen die zu starke Förderung der Sonnenenergie ausgesprochen. Warum ist Sonnenenergie schlechter als Windenergie?
Alsheimer: Ich denke, die Energiewende wird Geld kosten. Ich stehe hinter der Energiewende. Ich habe immer kritisiert, dass es eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke geben sollte. Aber der Blick muss immer auch auf den Kosten des Erneuerbare- Energien-Gesetzes liegen. Den Gesetzgeber trifft volkswirtschaftlich die Pflicht, das, was er fördert, auch danach zu bestimmen, welche Kosten es nach sich zieht. Die Sonnenenergie ist im Vergleich zu anderen regenerativen Erzeugungsformen im sonnenarmen Deutschland derzeit nicht an der Spitze der Effizienz.
Für diese Aussage...
Alsheimer: ...gab‘s einen Buh-Ruf. Mindestens einen.
Hat Sie das getroffen?
Alsheimer: Nein. Es gibt immer unterschiedliche Auffassung.
Sie sind jetzt seit drei Jahren Vorstandsvorsitzender der Mainova. Die Wasserpreise der Mainova sind im Visier der Kartellwächter. Werden Sie den Wasserpreis senken?
Alsheimer: Sie wissen, dass wir mit der Landeskartellbehörde, die ein Verfahren wegen des Verdachts des Missbrauchs gegen uns betreibt, in Vergleichsverfahren sind. Dieser Prozess wird spätestens in ein bis zwei Monaten enden.
Wer ist denn ihr Vorbild als Unternehmenslenker.
Alsheimer: Regionale Unternehmen sind dann kraftvoll, wenn sie miteinander kooperieren können. Das hat jenseits meiner Branche die Frankfurter Volksbank gut gemacht.
Um es an einem Namen festzumachen: Das wäre dann Herr Tonnellier.
Alsheimer: In der Tat.



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