Mehr Dächer für Sonnenstrom

Solaroffensive Rhein-Main will dafür sorgen, dass die Sonnenkraft besser genutzt wird

Viel zu selten investieren Bürger in Frankfurt in Sonnenenergie. Das will die Solaroffensive des Umweltforums ändern. Vorgestellt wurde das Projekt zur Einweihung der vierten Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Friedrich-Ebert-Schule.

Seckbach. Volker Klös vom Verein Sonneninitiative und Nina Lägel von Solaroffensive Rhein-Main an der neuen Anlage. F: ChristesDer Blick in den Himmel lässt zweifeln, ob Solaranlagen in Frankfurt wirklich wirtschaftlich Strom produzieren: Es schneit. Schnell legt sich ein weißer Flaum auf die bläulich schimmernden Photovoltaik-Module. "Unsere Bürgersolaranlage auf der Friedrich-Ebert-Schule war eine unserer ertragreichsten Anlagen im vergangenen Jahr", betont Volker Klös vom Verein Sonneninitiative bei der Einweihung der neuen Solaranlage. Es ist die vierte auf dem Dach der Schule, zwei davon hat der Verein gebaut. Gleichzeitig startet das Umweltforum Rhein-Main eine neue Kampagne, um die Sonnenenergie noch stärker zu nutzen: die Solaroffensive Rhein-Main.

Entstanden ist die Solaroffensive auch auf Drängen von Nina Lägel von Deutsche Eco, einem Frankfurter Projektentwickler für den Bau von Solaranlagen. Denn obwohl die Stadt Frankfurt ihre Dächer kostenlos für den Bau von Photovoltaikanlagen bereit stellt, hält sich das Interesse in Grenzen, so Umweltdezernentin Manuela Rottmann. "Wirtschaftliche Gründe spielen dabei keine Rolle, die Anreize sind gut", ist Rottmann überzeugt. Auch die Technik sei nicht das Problem. "Es sind alltägliche Fragen, die mehr Anlagen verhindern. Die Vorbereitung ist für private Investoren aufwendig."

Um das Verfahren für interessierte Privatleute zu vereinfachen, schlossen sich dreizehn der 150 Unternehmen und Institutionen des Umweltforums zur Solaroffensive zusammen. "Wir bündeln alle Kompetenzen in einer Hand. Wir kennen Banken, die Solaranlagen fördern, können erklären wie man sich an einer Bürgersolaranlage beteiligt oder wie ein Betrieb ein Solarkraftwerk unter Beteiligung seiner Mitarbeiter aufbaut", erklärt Nina Lägel. Alle Firmen seien im Rhein-Main-Gebiet daheim.

Frankfurter Pionier

Zu den Frankfurter Pionieren gehört auch Physiklehrer Klaus Becker, stellvertretender Leiter der Friedrich-Ebert-Schule. "Vor mehr als zwölf Jahren haben wir mit einer kleinen Anlage auf dem Schul-dach angefangen." Im Zuge der Ausschreibung für diese erste kleine Anlage sagte ein Firmenvertreter, als er das große Schuldach sah: Das ist ja ganz leer, warum bauen wir das nicht voll? "Inzwischen haben wir mehr als 300 000 kWh ins Netz eingespeist!" Selbst in den Unterricht werden die Anlagen eingebunden, etwa im Projekt der Zehntklässler "Ökologie und Ökonomie".

Die Geschichte der Solarstromgewinnung auf dem Schuldach zeigt auch die Entwicklung der Branche. Die erste kommerzielle Anlage entstand im Jahr 2000. Auf 1000 Quadratmetern auf zwei Schuldächern gebaut, produziert sie bis zu 40 Kilowatt. Die Kosten damals: 603 000 D-Mark, rund 303 000 Euro. Während hier nur ein Investor das Geld gab, entstand die dritte Anlage 2008 auf dem Dach der Turnhalle als Bürgersonnenkraftwerk. Die 140 000 Euro für den Bau investierten 19 Privatleute als Anteilseigner, davon 16 aus Frankfurt. Ihre Leistung: 30 Kilowatt.

Am größten ist die neue Anlage, die die restliche, bislang noch freie Dachfläche bedeckt. Auch an ihr sind 19 Investoren beteiligt, unter ihnen auch eine Lehrerin der Ebert-Schule. Sie leistet 152 Kilowatt und hat 360 000 Euro gekostet. "Keine Frankfurter Schule hat mehr Solaranlagen auf ihrem Dach", so Christian Quast vom Verein Sonneninitiative stolz. "Zusammen produzieren die Module mehr Strom als die Schule verbraucht."

Frankfurts Dächer nutzen

Aber sind Solarstromanlagen wirklich wirtschaftlich in Deutschland? Der Strom ist teurer als jener aus Windkraft. Sollte man nicht lieber Windräder bauen? "Beides ist richtig", so Hans-Georg Dannert vom Umweltforum Rhein-Main. "Windenergie sollte man dort nutzen, wo viel Wind ist. Und sie ist günstiger, das stimmt."

Doch wozu die vielen Dächer in Städten wie Frankfurt einfach ungenutzt lassen? Zwar könne man auch hier vereinzelt kleine Windräder aufstellen, argumentiert Dannert. Doch mit Photovoltaik-Anlagen könne man in Frankfurt viel Strom produzieren, ohne zusätzlich Landschaft zuzubauen. "Und im Rhein-Main-Gebiet ist es für deutsche Verhältnisse sonnig. Nicht so wie in Freiburg, im Schwarzwald oder Bayern. Aber es reicht."

Infos zur Solaroffensive gibt es unter http://www.solaroffensive-rhein-main.de im Internet oder beim Umweltforum unter der Telefonnummer (069) 21 27 55 99.

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