Mischung aus Alt und Neu

Die Altstadt hat jetzt ein Gesicht

In bunten Computersimulationen hat die Dom-Römer GmbH gestern erstmals gezeigt, wie die neue Altstadt nach dem Ende der Bauarbeiten aussehen wird. Doch die Mitglieder des Dom-Römer-Ausschusses machen sich Sorgen um das Projekt.

Frankfurt. Die Nordwestseite des neuen HühnermarktesElke Tafel-Stein (FDP) wollte gestern im Dom-Römer-Ausschuss nicht darüber diskutieren, wie welches Haus in der neuen Altstadt aussehen wird. "Wir müssen darüber reden, ob es in dieser Form überhaupt weitergehen kann", sagte sie. Denn wegen der Diskussion um das Stadthaus über dem Archäologischen Garten stehe das gesamte Altstadt-Projekt auf der Kippe. "Warum muss ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt werden?"

Trotz Bürger-Protesten waren sich die Ausschuss-Mitglieder einig wie selten: Sie möchten das Stadthaus keineswegs streichen. "Wir dürfen nicht weitere 20 Jahre eine Brache neben dem Dom haben", sagte Heike Hambrock (Grüne). Und CDU-Sprecher Thomas Kirchner betonte: "Es ist ein Kernstück der Altstadt-Bebauung."

In der "Goldenen Waage" (links) könnte ein Café untergebracht werden, rechts daneben entsteht ein modernes Gebäude.Zumal sich durch einen Verzicht nicht 20 Millionen Euro, wie von der schwarz-grünen Sparkommission behauptet, sondern allenfalls neun Millionen Euro einsparen ließen, wie der Chef der Dom-Römer GmbH, Michael Guntersdorf, betonte. Hinzu kämen zusätzliche Planungskosten. Er schlug vor, auch Häuser zu verkaufen, die die Stadt ursprünglich behalten wollte. Interessenten gebe es zum Beispiel für das Haus Rebstock oder das "Goldene Lämmchen".

Laut CDU-Fraktionschef Helmut Heuser, der die Sitzung als Gast verfolgte, ist die Diskussion über das Stadthaus noch nicht abgeschlossen. Er bekomme zehn Mal mehr E-Mails gegen als für das Projekt. Auch in die Ausschuss-Sitzung waren gestern wieder zahlreiche Gegner gekommen. Sie halten die Baukosten für das Stadthaus für zu niedrig angesetzt und forderten eine Überprüfung durch das Revisionsamt.

Rotes Haus mit modernem Gebäude daneben...Guntersdorf bezeichnete die Einwände als "fachlichen Unsinn". Es sei nicht möglich, den Bau des Stadthauses zu verschieben. Allenfalls eine zeitliche Streckung sei denkbar. "Es wäre eine Katastrophe, wenn die Altstadt nicht zügig zu Ende gebracht würde", sagte Elke Sautner (SPD). Ohnehin ist der geplante Fertigstellungstermin mittlerweile im Jahr 2016 angelangt. Beim Verkauf der Häuser und Wohnungen rechnet Guntersdorf jedoch nicht mit Verzögerungen, es gebe genügend Interessenten.

...und die Variante bei Verzicht aufs Stadthaus.Über die Vergabe der rekonstruierten Häuser an Privatleute ist entschieden, nur die Stadtverordneten müssen noch zustimmen. Die Investoren wollen in den Erdgeschossen unter anderem ein Teegeschäft, eine Apotheke, einen Feinkostladen und einen Metzger-Imbiss einrichten. Auch die Architekten wurden mittlerweile ausgesucht. Insgesamt werden 15 Häuser rekonstruiert, 20 entstehen nach zeitgenössischen Entwürfen. Die Dom-Römer GmbH hat in der Regel die Architekten beauftragt, die im Wettbewerb den ersten Preis gewonnen haben. Bei der Auswahl sei besonders auf die Ensemble-Wirkung geachtet worden, sagte Guntersdorf. Alle Planungen stünden aber unter dem Vorbehalt einer Lösung für das Stadthaus . . .mu

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