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Mit 82 verkauft er noch Autos
Doch jetzt ist Schluss für Deutschlands ältesten Händler
Er hat die Enten zu Tausenden verkauft. Jetzt ist Schluss mit dem Autohandel. Josef Wissmüller geht in Ruhestand – mit 82 Jahren.
Frankfurt. ![]()
Josef Wissmüller (82) vor einer Ente: Seit 55 Jahren verkauft er in Frankfurt Autos der Marke Citroën. Foto: Christes Für Josef Wissmüller endet das Arbeitsleben am Wochenende. "Zum Jahresende höre ich auf", sagt der Autoverkäufer. Dabei ist er schon länger Rentner. Josef Wissmüller ist 82 Jahre alt. Seit 55 Jahren verkauft er in Frankfurt Citroën-Modelle.
"Der Beruf hat mir immer Spaß gemacht. Ich habe viele langjährige Kunden, ich habe Erfolg, ich habe rund 10 000 Autos verkauft." Aufzuhören hat er keinen rechten Grund gesehen, als er 65 wurde. So hat er halt weitergemacht. Gesetzlich erlaubt ist das. Als Rentner kann man tun, was man will. Niemand darf einem das Arbeiten verbieten. "Mein Chef war einverstanden. Er hat mich nur gebeten, drei Jahre vorher Bescheid zu sagen, wenn ich wirklich aufhöre." Das hat Wissmüller getan. Vor drei Jahren. Und jetzt ist Schluss. Inzwischen bezeichnet er sich als Deutschlands ältesten Autohändler.
Er blieb Citroën treu
Wissmüller wohnt in Bad Vilbel, er und seine Frau besitzen ein Ferienhaus, in dem sie jetzt mehr als Kurzurlaube verbringen können. Er hat Enkel und Urenkel, manche sind im Autohandel geblieben, sogar bei derselben Marke, Citroën. Für Wissmüller, dem sein Alter nicht anzumerken ist, wird es eine Umstellung. "Mir ist klar, ich brauche einen Plan B. Bislang bin ich täglich von 7.30 bis 19 Uhr im Geschäft, notfalls auch samstags. Jetzt habe ich plötzlich viel Zeit."
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Die "Göttin", Citroën DS 19, vor dem EiffelturmZuerst war Wissmüller mit Citroen in der Mainzer Landstraße, zuletzt in der Hanauer Landstraße. Seine beste Zeit waren die 50er, 60er und frühen 70er Jahre. "Die Leute waren optimistisch. Jeder wollte ein Auto. Und so viele Händler wie heute gab es nicht", sagt Wissmüller. Zu Citroën kam er wegen der "Göttin", der DS 19. Noch heute spricht der Autohändler den Namen mit heiligem Schauer aus.
Von selbst verkauft hat die sich aber auch nicht. "Wir mussten werben, wir mussten Klinken putzen. Es ist nicht so, dass wir die Geschäftskunden in einen tollen Glaspalast einladen konnten wie heute. Damals waren wir in der Mainzer Landstraße noch ausgebombt." Aber den anderen ging es auch nicht besser, weder Opel, noch Ford oder VW und Mercedes. Und rasch gewann Wissmüller seine Kunden.
"Ein Autohändler muss mit Menschen können, sonst hat er langfristig keinen Erfolg. Da hilft alles Internet und alle moderne Software nicht." Bei ihm, einem Händler alter Schule, klingelt ständig das Telefon. Zum Teil sind Kunden dran, bei denen er schon die Großeltern bedient hat.
Manche seiner Kunden haben in den 50er Jahren als kleine Selbstständige einen Firmenwagen gebraucht. Die Firmen sind gewachsen, und mit ihnen die Fahrzeugflotten. "Ein Handelsunternehmen hat seinen gesamten Außendienst mit Citroën-Fahrzeugen bestückt. Es hat 400 Autos bei mir gekauft. Das ist schon ein guter Kunde", so Wissmüller.
Keine Bange vor 2012
Der Autohändler hat Boomzeiten erlebt und Wirtschaftskrisen wie in den 70ern, als das Öl plötzlich knapp wurde. "Es geht immer weiter. Nicht verrückt machen lassen", sagt er mit Blick auf das kommende Jahr. Für die Autos mit den übereinandergestellten Winkeln schwärmt der 82-Jährige noch immer. Wenngleich er findet: Alle Autos sind heutzutage überladen. Dieses Feature, jenes Zubehör, alles kostet Geld und alles macht die Autos schwerer. Die Göttin, das war ein Auto pur. Und natürlich die Ente.
"Da habe ich anfangs jede Woche bestimmt zehn verkauft, manche an Studenten, die heute noch ihre Autos bei mir kaufen", sagt er. "Ente war einfach Kult." Geld verdient hat er bei jedem Verkauf. Denn Autohändler sind die günstigsten Mitarbeiter in einem Autohaus. Sie verdienen ihr Einkommen selbst, das Grundgehalt ist daher sehr niedrig. So niedrig, dass man davon nicht leben kann. Man muss verkaufen. Derzeit liegt das Soll bei zehn Autos pro Monat. Pro Auto gibt es Provision, und so reicht es am Ende für Haus und Ferienhaus. "Wegen des Geldes habe ich nicht länger gearbeitet, Geld ist kein Thema", versichert Wissmüller. tjs



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