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Mit einem Pass und einem Euro in die Oper
Götz Wörner holt mit seinem Verein „Kultur für alle“ auch Hartz-IV-Empfänger in Theater, Konzerthallen und Museen
Politiker betonen es gern: Auch wer wenig Geld hat, dürfe vom gesellschaftlichen Leben nicht ausgeschlossen sein. Aber wer von Hartz IV lebt, hat kein Geld fürs Kino oder gar die Oper. Es sei denn, er hat Götz Wörners Kulturpass in der Tasche.
Frankfurt. ![]()
Götz Wörner Götz Wörner, geboren im Schwabenland und schon lange in Frankfurt, hat es selbst erlebt. Er, der frühere Musikproduzent, der mit großen Stars auf Du und Du war, musste draußen bleiben. Kein Zutritt für den Mann, der den kubanischen Sänger entdeckt hatte, der an diesem Abend die Alte Oper füllte. Ein böser Moment, in dem Wörner eine gute Idee kam: Frankfurt bräuchte einen Kulturpass. Gemacht für diejenigen, die von Grundsicherung oder Hartz IV leben; eine Eintrittskarte, mit der sie für nur einen Euro in die Kunsthäuser der Stadt kommen.
Hinter dem kurzen "Gedacht, getan" standen Jahre und seit einiger Zeit eine Erfolgsgeschichte: "Kultur für alle" heißt der von Wörner gegründete Verein. Weit mehr als 100 Partner hat er ins Boot geholt: Die Städtischen Bühnen sind dabei, das Theaterhaus in der Schützenstraße, die Museen, Veranstalter von großen Konzerten. Überall gilt: Wer den kreditkartengroßen Kulturpass vorlegt, bekommt ein Ticket für 1 Euro. Nur Schauspiel und Oper verlangen 3, dafür sind ihre Tickets zugleich Fahrkarten für Busse und Bahnen. Kinder zahlen die Hälfte.
Oper ist gefragt
Gut 4000 Kulturpässe sind im Umlauf. Sie werden gut genutzt. Die Oper zählte in der vergangenen Spielzeit weit über 500 ausgegebene 1-Euro-Tickets, das Schauspiel nebenan rund 300. In diesem Monat steht unter anderem die gestern eröffnete Munch-Ausstellung auf der langen Angebotsliste.
Es seien oft alleinerziehende Mütter, die nach dem Pass fragen, erzählt Wörner. Dank städtischer Hilfe hat er Büroräume im Saalbau-Haus an der Eschersheimer Landstraße beziehen können. Angefangen hat er mit seiner Initiative in den Räumen des Arbeitslosenzentrums. Auch Ältere, die ein Arbeitsleben als Musiker, Selbstständige oder Pädagogen hinter sich haben und deren Rente nun klein ausfällt, nutzen das Angebot. "Die älteste Kulturpass-Inhaberin ist 97, die jüngste sieben." Über 80 000 Erwachsene, Kinder und Jugendliche, rechnet Wörner, seien in Frankfurt aufgrund ihrer finanziellen Lage von der Teilhabe an Kultur weitgehend ausgeschlossen.
Wörner selbst ist, wie alle, die er in Museen und Konzerte schickt, Hartz-IV-Empfänger. Nachdem er Ende der 1990er Jahre mit seiner Plattenfirma pleite gegangen war, hat er den Abwärtstrend in seinem Leben nicht mehr stoppen können. Zu groß war der Bruch mit den Zeiten als erfolgreicher Musikproduzent, in denen Wörner als Inhaber des Labels Messidor Musiker aus Lateinamerika in Deutschland bekannt machte. Er hat die Salsa-Welle mit angestoßen und so große Namen wie den späteren Tango-König Astor Piazolla auf Tournee gebracht. Aber "unternehmerisch habe ich mich verkalkuliert", schließt Wörner den biografischen Teil.
Jetzt ist der Wahl-Frankfurter wieder bundesweit bekannt. Denn seine Kulturpass-Idee kommt gut an, ist inzwischen mehrfach ausgezeichnet. Die Berliner "tageszeitung" kürte Wörner zum "Held des Alltags", die Robert-Bosch-Stiftung zeichnete ihn als "verantwortliche Persönlichkeit" aus. Die Stadt Frankfurt und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse verliehen ihm den Bürgerpreis.
Neue Partner gesucht
Das Lob und vor allem die Preisgelder tun Wörner gut. Damit finanziert er die Arbeit des Vereins "Kultur für alle". Er selbst lebt weiterhin von Hartz IV. "Aber es ist nicht einzusehen, dass ich auf Kosten des Staates lebe, während ich den ganzen Tag ehrenamtlich arbeite." Auf städtische Zuschüsse kann Wörner bisher aber nicht hoffen.
Seine Ideen kann das nicht bremsen. An immer mehr Stellen wirbt er für seine Kulturpass-Idee. Auf der Konstablerwache hat er inzwischen sogar Markthändler dafür gewonnen; es gibt für Pass-Inhaber ein Gläschen Wein oder Saison-Gemüse auf dem Markt für 1 Euro. Wörner macht weiter, verhandelt mit den Fußballvereinen und auch mit den Schaustellern von Dippemess‘ und Weihnachtsmarkt.ing



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