Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Nachbarn bringen Leben in die Bude
Das Quartiersbüro „Unser Dieter“ ist von Anwohnern renoviert worden und startet mit neuem Programm in 2012
Reger Austausch, gegenseitige Hilfe und jede Menge Spaß – das ist das Konzept von "Unser Dieter" in der Bürgeler Straße. Wo vorher vor allem Anonymität herrschte, ist eine lebendige Nachbarschaft entstanden. Jetzt präsentiert sich der Treffpunkt mit neuem Gesicht.
Fechenheim. ![]()
Voll war’s bei der Neueröffnung von "Unser Dieter". Vor allem die Arbeit mit den Kindern macht Gülnur Öksüz (Mitte hinten) viel Spaß. Foto: RüfferDicht gedrängt stehen die Kinder in den neuen, hellen Räumen, ihre Mütter verteilen selbst gemachtes Essen. Das Nachbarschafts-Zentrum "Unser Dieter", benannt nach der angrenzenden Dietesheimer Straße, strahlt in neuem Glanz, seitdem die Renovierung abgeschlossen ist. "Wir sind ein lebendiges Stück Stadtteil", sagt die Leiterin Gülnur Öksüz, die zur Eröffnung geladen hat.
Regelmäßiger Treffpunkt
Zwischen 15 und 25 Ehrenamtliche, so genau kann das spontan keiner sagen, bieten die ganze Woche über unterschiedliche Aktionen an. Ob Frauenfrühstück, Spielbetreuung oder Bastelkurse – regelmäßig kommen die Fechenheimer in der ehemaligen Wohnung in der Bürgeler Straße zusammen. Die stellt die Nassauische Heimstätte kostenlos zur Verfügung. Die Nebenkosten und die meisten Projekte finanziert die Stadt aus ihrem Programm Aktive Nachbarschaft.
Um das Zusammenkommen noch schöner zu gestalten, haben die Nachbarn die Räume seit Mai 2010 renoviert: "Viele haben tatkräftig mitgeholfen und gespendet. Bei der Gestaltung haben auch die Kinder mitbestimmt", erzählt Öksüz. Jetzt hängen bunte Tapeten an den Wänden, die Küche ist dank eines Spenders komplett neu eingerichtet.
Auch den Kindern gefallen die neuen Räume. Hassan (7) kommt regelmäßig zum Basteln her: "Ich habe schon viele Papierflieger gebaut!" Der zehnjährige Marcel liebt vor allem das alljährliche Straßenfest, das nebenan in der Dietesheimer Straße stattfindet.
Für Hans-Jürgen Kost-Stenger, der als Mitglied des regionalen Präventionsrats das Projekt begleitet, ist "Unser Dieter" ein Erfolgskonzept. "Inzwischen gibt es schon Nachahmer in anderen Stadtteilen." Als Anwalt bietet er hier eine Rechtsberatung an. Weitere Sprechstunden geben zum Beispiel eine Ärztin oder die Drogenhilfe. "Unsere Idee: Wenn man sich gegenseitig kennenlernt, kann man viel besser Tür an Tür leben", so Kost-Stenger.
Seit 2006 gibt es den Nachbarschaftstreff, seit vergangenem Jahr leitet ihn Gülnur Öksüz, die gleichzeitig auch Fechenheims Kinderbeauftragte ist. Die Doppelrolle gefällt der ehemaligen Verkäuferin gut: "Die Aufgaben ergänzen sich perfekt." Öksüz brachte eine Menge neuer Ideen mit, zum Beispiel das Frauenfrühstück: "Dreimal pro Woche treffen wir uns, um ein bestimmtes Thema zu besprechen. So haben wir eine Gemeinschaft aufgebaut."
"Seit es das Projekt gibt, gibt es weniger negative Schlagzeilen aus dem Stadtteil", sagt Frank Goldberg, Geschäftsführer des Präventionsrats. Früher hätten sich viele Bewohner kaum noch vor die Tür getraut. "Wenn man einander kennenlernt, können Ängste abgebaut werden." Laut Thomas Schäfer von der Aktiven Nachbarschaft ist dies kein teures Projekt: "Vielmehr geht es um gegenseitige Hilfe und die Aktivierung der Bewohner."
Höhepunkt des Jahres ist das Nachbarschaftsfest im Sommer mit bis zu 400 Besuchern. Denen wird in diesem Jahr etwas Besonderes geboten: "Auf einer Bühne werden die Kinder tanzen, Musik machen oder sogar jonglieren", erzählt Gülnur Öksüz. Außerdem gibt es in den Sommerferien wieder einen zweiwöchiger Schwimmkurs und eine Klettertour in die Eschbacher Klippen. Einen völlig neuen Kurs bietet Elke Dippel an. Die Fechenheimerin will gemeinsam mit Nachbarn anderer Nationalitäten einen riesigen Patchwork-Teppich knüpfen.
Mehr Helfer gesucht
Für die Zukunft wünscht sich Öksüz vor allem größere Räume und mehr ehrenamtliche Helfer: "In der Hausaufgabenbetreuung bin ich zum Beispiel manchmal mit neun Kindern allein." Und die Ideen für neue Projekte gehen ihr nicht aus: "Geplant ist auch ein Präventionsprojekt, bei dem Kinder lernen, wie sie besser mit Konflikten umgehen können."jag



Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter