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Nicht auf die leichte Schulter nehmen
Experten informieren beim Ranzentag, worauf bei Schultaschen zu achten ist
Selbstbewusst zeigen sich künftige Erstklässler bei der Suche ihres Schulranzens. Eltern und Kinder konnten beim 2. Frankfurter Ranzentag in der Turnhalle der Liebfrauenschule aus rund 600 Markenmodellen wählen.
Von Alexandra Flieth
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Soraya mag Pink – doch beim Ranzen gibt es Wichtigeres als die Farbe. Deshalb testen Inka Holtz (li.) und Sorayas Vater den Sitz. Foto: Christian Christes Innenstadt. Leonardo (6) ist bereits fündig geworden. Er hat sich für einen Ranzen in Braun und Schwarz entschieden, auf dem Drachenköpfe in verschiedenen Größen aufgestickt sind. Der Knirps, für den es ab dem kommenden Schuljahr los geht, weiß genau, was er haben möchte – "einen coolen Ranzen", wie er sagt. "Für meinen Sohn ist alles, was bunt ist, etwas für Babys. Er mag gerne dezente Farben, Hauptsache es sieht gut aus", weiß seine Mama Karolina Herskowitz.
Ganz anders ist es bei Marlon (5): "Er liebt die Farbe Orange", erzählt seine Mutter Bina Lich. Daher ist sein neuer Ranzen natürlich – wenigstens zu einem Teil – orangefarben. Wie alle Modelle, die beim 2. Frankfurter Ranzentag ausgestellt sind, hat auch der Ranzen von Marlon ein Thema: der Weltraum. Es gibt verschiedene Applikationen wie Raketen und Raumschiffe, die das Modell zu einem typischen und bei kleinen Jungen beliebten Ranzen machen. Die Themen Fußball, Autos oder Piratenschiffe gehören zweifelsohne auch dazu. Mädchen interessieren sich dafür nicht – überhaupt dominieren bunte Farben, vor allem Rosa, Pink und Flieder, aber auch verspielte Applikationen wie Herzen, fliegende Einhörner oder Glitzersteine.
Doch die Optik allein ist für die Eltern beim Kauf des Schulranzens nicht entscheidend, sondern Sitz und Passform. Der Ranzen soll Rücken und Schultern des Kindes schließlich nicht unnötig belasten (siehe eigener Artikel). Einen besonderen Service bietet Inka Holtz anlässlich der Veranstaltung, die von Leder Stoll initiiert und organisiert wird. Sie ist unter anderem Physiotherapeutin für Kinder und wer will, kann sich von ihr kostenlos beraten lassen. Gabriele und Claudius Bals möchten es wissen und zeigen den Favoriten ihrer Tochter Soraya (5) – einen Ranzen in Pink mit einer Zauberfee als Motiv. Als die Kleine den Ranzen aufsetzt, fällt der Physiotherapeutin sofort auf, dass die Träger bei dem Mädchen nicht richtig sitzen und seitlich wegrutschen können. "Es ist wichtig, dass die Gurte gut anliegen", betont Holtz. Träger in Bananenform seien für Soraya besser geeignet. "Der Rückenkontakt ist bei diesem Modell jedoch gut", fügt sie hinzu. Ein zusätzlicher Gurt, der waagerecht am Oberkörper entlanglaufe, könne das seitliche Abrutschen verhindern.
Fast wie ein Rucksack
Für ein Modell, das waagerechte Gurte – ähnlich dem Prinzip eines Wanderrucksacks aufgreift – hat sich Matteo (6) entschieden. Die Form seines Ranzens in Grasgrün mit Dinosauriern erinnert auch tatsächlich mehr an einen Rucksack. Für den Knirps ist dieses Modell – nach Augenschein durch die Physiotherapeutin – bestens geeignet, einen anderen Ranzen möchte er auch gar nicht haben. Er freut sich schon auf die Schule und am meisten "aufs Lernen", wie er ganz stolz erzählt. Papa Thomas Schmid ist einverstanden mit der Wahl seines Sohnes.
Doch nicht jedes Kind, das nach den Sommerferien erstmals die Schulbank drückt, hat das Glück überhaupt einen Ranzen zu bekommen, geschweige ein Modell, das ergonomisch zu ihm passt. Aus diesem Grund haben Barbara Schwarz und Susanne Schubert vom Ortsverein Bergen-Enkheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Jahr 2008 das Projekt "Mein erster Schulranzen" initiiert. Die Idee ist einfach und wirkungsvoll. Das Projekt soll es Kindern aus sozial benachteiligten Familien ermöglichen, zum Schulstart einen eigenen Ranzen zu haben, um Bücher nicht in einer Tüte oder einem Beutel zum Unterricht tragen zu müssen. Was selbstverständlich erscheint, nämlich der Kauf eines Schulranzens, ist mittlerweile für viele Frankfurter Familien finanziell nicht möglich – bei Preisen zwischen 100 und 190 Euro.
720 Ranzen verschenkt
"Wir haben mit 60 Schulranzen vor vier Jahren angefangen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 720 Stück, die wir an Kinder aus sozial benachteiligten Familien gegeben haben", schildert Schwarz. An dem Projekt, das hauptsächlich durch Spenden finanziert wird, beteiligten sich mittlerweile 15 Ortsvereine der AWO verteilt über die ganze Stadt. "Mittlerweile melden sich immer mehr Familien. Uns ist es wichtig, deren Anonymität zu wahren, denn die Hemmschwelle der Familien ist oft sehr groß und die Würde der Kinder und Eltern soll gewahrt bleiben." Ein bestimmtes Modell auswählen könnten die Mädchen und Jungen hierbei zwar nicht, doch darauf käme es ihnen auch gar nicht an. "Sie sind einfach glücklich, wenn die Eltern mit einem neuen Schulranzen nach Hause kommen."alf
Weitere Informationen zum AWO-Projekt gibt es unter http://www.freiwillig-agentur.de im Internet.



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