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Nicht ohne meinen Hund
Silke Schönfleisch-Backofen ist kleinwüchsig – ihr hilft ein Hund
Ohne ihren sechsjährigen Golden-Retriever geht Deutschlands kleinste Staatsanwältin nirgends hin. Er begleitet sie auch beim Einkaufen.
Frankfurt. ![]()
Silke Schönfleisch-Backofen verlässt sich im Leben voll uns ganz auf ihren Golden-Retriever. Foto: dpaDer einst beliebteste Mitarbeiter der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft namens "Jack" liegt bei Gerichtsprozessen faul unter dem Tisch, nutzt sein Büro fast nur zum Schlafen und hat sich noch nie für Gesetze interessiert. Als ihm die Stimmung bei einer Zeugenvernehmung im Gericht zu unangenehm wurde, stand er auf und ging. "Er kam aber sofort zurück, als ich ihn gerufen habe", erzählt Silke Schönfleisch-Backofen lachend. Der kleinwüchsigen Staatsanwältin gehört Jack, er ist ein Golden-Retriever mit Assistenzhund-Ausbildung.
Hund hilft Frauchen
Der Sechsjährige hilft seinem Frauchen in vielen Lebenslagen: Weil sie nur mit Krücken laufen kann, trägt er ihre Taschen. Fällt eine Krücke um, hebt er sie auf. Er öffnet Türen und hilft ihr sogar beim Ausziehen der Kleidung. Schönfleisch-Backofen ist mittlerweile bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft für Insolvenzstrafrecht zuständig, früher arbeitete sie bei der Generalstaatsanwaltschaft. Er verliere seinen beliebtesten Mitarbeiter, meinte ihr damaliger Chef bei der Verabschiedung und fügte augenzwinkernd hinzu: "Ich meine Jack."
In ihrem Büro demonstriert die 39-Jährige die Fähigkeiten ihres Tieres. "Wo ist Tasche?", fragt sie, Jack schaut sich suchend um. Die Tasche steht wenige Meter entfernt von ihm. "Tasche Apport", sagt sein Frauchen. Jack trottet zur Tasche, greift die Henkel mit den Zähnen und bringt sie zu seiner Chefin. Sie lobt ihn überschwänglich, dann hält sie ihm den Ärmel ihrer Jacke hin und sagt "Zieh". Der Hund beißt vorsichtig in den Ärmel, zieht und hilft ihr so beim Ausziehen. "Das macht er auch bei Schuhen, Hosen und Socken", berichtet Schönfleisch-Backofen, die ihren Jack im Frühjahr 2008 fertig ausgebildet von dem Verein "Vita Assistenzhunde" im südhessischen Raunheim bekam.
Darf überall mit
Jack darf überall mit: zur Arbeit, in die Oper und ins Theater, zum Physiotherapeuten, ins Bekleidungsgeschäft und in den Lebensmittelmarkt. Viele kennen das Gespann schon. In dem von beiden oft besuchten Schokoladengeschäft in Frankfurt hält die Verkäuferin die Süßigkeiten-Tüte bereits Jack entgegen, der diese dann brav nach Hause trägt. Damit er genügend Auslauf hat, fährt Schönfleisch-Backofen mit dem munteren Golden-Retriever jeden Morgen am Main entlang. Sie sitzt auf ihrem Dreirad, das sie anstelle eines Rollstuhls benutzt – Jack läuft mit. In der Mittagspause darf er sich im Taunus oder im Stadtwald austoben, auch abends geht es noch mal Gassi.
Hund kostet 25 000 Euro
Bei Vita wird ausschließlich mit Golden Retrievern und mit Labradoren gearbeitet. Etwa im Alter von zwei Jahren sind die Tiere fertig ausgebildet und werden abgegeben. "Der Hund kostet dann etwa 25 000 Euro", sagt Simone Beckert von Vita. Diese Summe wird hauptsächlich von Sponsoren und Förderungsmitgliedern bezahlt, die Krankenkassen geben nichts dazu. Der behinderte Mensch zahlt so viel, wie er es sich leisten kann. Die Warteliste für einen Assistenzhund ist lang. Im Schnitt wartet jeder Bewerber zwei Jahre auf sein Tier.
Die Frankfurter Staatsanwältin musste sogar vier Jahre lang auf Jack warten, ihre Entscheidung hat sie nicht bereut. Ihr Leben habe sich durch den Hund positiv verändert, sagt sie. Und das nicht nur, weil er ihr im Alltag helfe. "Er es eben immer dabei und gibt mir viel Sicherheit. Und ich werde nicht wegen meiner Behinderung angesprochen, sondern weil ich einen tollen Hund habe."lhe



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