Organist zieht alle Register

Gerhard Löffler gibt sein Abschiedskonzert

Nach 175 Orgelpunkten in der Jakobskirche am Kirchplatz ist Schluss. Organist Gerhard Löffler verlässt die evangelische Kirchengemeinde Bockenheim und wechselt in die Hauptstadt Berlin.

Bockenheim. Gerhard Löffler will sich standesgemäß verabschieden. Für seinen letzten Orgelpunkt in Sankt Jakob übt er schon mal fleißig. Foto: Martin Weis Viele Notenhefte hat Gerhard Löffler schon eingepackt, einige braucht er noch für die verbliebenen Gottesdienste, ein Chorkonzert und den letzten Orgelpunkt am kommenden Mittwoch. "Zunächst erschienen mir meine Berlinfahrten zum Vorspiel und der dortigen Chorprobe wie Konzertreisen", erinnert er sich, während er auf der Orgel einige Stücke übt. "Erst als ich im ICE den Anruf bekam und erfuhr, dass man mich wirklich nehmen will, wurde mir klar, dass das noch einmal wie ein Aufbruch zu neuen Ufern ist."

Anfang Dezember erhielt auch die Evangelische Gemeinde Bockenheim die offizielle Nachricht, dass Gerhard Löffler nun auf eine sogenannte A-Stelle als evangelischer Kirchenmusiker nach Berlin-Friedenau berufen wurde. "Da waren einige doch sehr traurig, ebenso wie ich, der ich durchaus auch mit einem weinenden Auge gehe", betont Löffler.

Denn der Kirchenmusiker hat nicht nur den Orgelpunkt neu eingeführt, sondern insgesamt frischen Wind in die Kantorei gebracht. Während seiner vierjährigen Dienstzeit öffnete er die Kantorei für externe Sänger. So wuchs deren Zahl von anfangs zwölf auf heute knapp 80 Mitglieder. Löffler wird alles geben, um das Chor- und Orchesterkonzert "Wohl mir, dass ich Jesu habe" von Johann Sebastian Bach am Sonntag, 12. Februar, zu einem klangvollen Abschlusserlebnis werden zu lassen. Gleiches gilt für den Orgelpunkt am Mittwoch, 15. Januar. Um 18.30 Uhr erklingen vier Duette und eine Fuge von Bach.

Eine Nummer größer

"Doch viele romantische Stücke sind für mich auf einer kleinen neubarocken Orgel mit 23 Registern schwer zu spielen", erklärt Löffler im Hinblick auf seine Berliner Kirchenstelle. Denn dort ist alles eine Nummer größer – nicht nur die Orgel in einer stattlichen neugotischen Backsteinkirche. "A-Stelle bedeutet für mich zunächst, dass alles dort etwas höher eingestuft wird", erklärt Löffler. Dort wird er eine Kantorei und zusätzlich noch einen Kammerchor für spezielle Projekte leiten: So hat er noch vor seinem Dienstantritt am 1. März in der Hauptstadt drei Oratorien mit Bach und Dvorak für dieses Jahr geplant. "Ich hatte das Glück, mich in einer relativ wohlhabenden Gemeinde im Westen Berlins zu bewerben, wo mir auch ein gewisser Etat für die kirchenmusikalische Arbeit zur Verfügung steht", freut sich Löffler.

Neue Gemeinde, neues Glück und hoffentlich auch neue Herausforderungen: Das gab schließlich den Ausschlag, die vertraute Umgebung in Frankfurt erst einmal hinter sich zu lassen. Wobei sich Löffler auf prominente Vorbilder berufen kann: "Große Kirchenmusiker wie Bach sind auch viel herumgekommen, um sich zu entfalten."

Löffler blickt zwar auf ein Studienjahr in New York zurück, hat aber auch viele Jahre in Frankfurt gewirkt, zuletzt in der Schwanheimer Martinuskirche und in Sankt Jakob. Geboren wurde er 1979 in Wächtersbach, seinen ersten Orgelunterricht nahm er mit 12 Jahren. "Zwei Jahre später hörte ich ein Orgelkonzert von Martin Lücker in der Katharinenkirche und war so fasziniert, dass ich bei ihm Unterricht nehmen wollte." Inspiriert durch die halbstündigen Montags- und Donnerstagskonzerte initiierte Löffler den Orgelpunkt in der Jakobskirche.

Wettbewerb gewonnen

2004 gewann er beim dritten Horst-Dieter-Veeck-Wettbewerb der Musikhochschule des Saarlandes den ersten Preis, 2009 übernahm er zusätzlich die Leitung des Polizeichors. Nach so vielen Jahren will Löffler aber nicht alle Zelte in Frankfurt abbrechen: "Ich werde den Kontakt weiter halten, mal auf Besuch kommen oder sogar ein Gastkonzert geben", kündigt der Organist an und wünscht seiner Kantorei in Sankt Jakob, die vorerst vertretungsweise geleitet wird, alles Gute für die Zukunft. "Aber erst mal muss ich meinen Kopf für meinen Neustart in Berlin freikriegen", betont Löffler. got

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