Schaubstraße: Ortsbeirat rudert zurück

Nach massiven Protesten gegen die geplante Änderung der Verkehrsführung sollen Experten mit Bürgern die Situation neu bewerten

Nach zwei schweren Unfällen an der Trambahnhaltestelle Stresemannallee/Gartenstraße gab es den Vorschlag, die Verkehrsführung rund um die Gartenstraße zu ändern. Das allerdings behagte den Anwohnern überhaupt nicht.

Sachsenhausen. Sollte die Gartenstraße zwecks Beruhigung der dort befindlichen Tram-Haltestelle in eine Einbahnstraße umgewandelt werden, befürchten die Bewohner der Schaubstraße, dass ihre kleine Seitenstraße von Unmengen ortskundiger Autofahrer überschwemmt wird. "Wenn das so gemacht wird, gibt es bei uns keine Ruhe mehr", erklärte Daniel Schacht in der jüngsten Sitzung des Ortsbeitats 5 (Sachsenhausen, Oberrad, Niederrad).

Schacht sowie rund zehn weitere zur Ortsbeiratssitzung erschienene Anwohner befürchten vor allem, dass die schmale Seitenstraße von Autofahrern missbraucht werden könne, um dem Berufsverkehr auf der Kennedy- und Stresemannallee zu entgehen (wir berichteten). "Wir sind nicht gegen eine Entschärfung der Straßenbahnhaltestelle, aber gegen eine Verschiebung des Problems", sagte Thilo Winkeler den Stadtteilpolitikern.

Zudem ereiferten sich die besorgten Anwohner darüber, dass sie nicht über das Ergebnis der Abstimmung zur geplanten Änderung der Straßenführung informiert wurden: "Obwohl wir schon jetzt sagen, dass es so nicht funktioniert, wird die Planung trotzdem durchgewunken", kritisierte Schacht. Bereits jetzt seien brenzlige Situationen und Beinahe-Kollisionen zwischen Schaubstraße und Schaumainkai an der Tagesordnung.

Rottmann besänftigt

Auf die Frage, was jetzt noch getan werden könne, um das befürchtete Verkehrschaos abzuwenden, entgegnete die ebenfalls anwesende Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne), dass die Beschlüsse des Ortsbeirats nicht in Stein gemeißelt seien: Eine Ortsbeirats-Anregung" sei "kein Planfeststellungsbeschluss." Nachdem die Dezernentin alle Beteiligten zu etwas mehr Gelassenheit aufforderte, glätteten sich die Wellen zwischen Lokalpolitikern und Anwohnern allmählich. SPD-Vertreter Ralf Heider betonte, niemand habe etwas dagegen, die Betroffenen in die Planung mit einzubeziehen. Hans-Günter Joras (CDU) wiederum erklärte, er halte das in der jüngsten Sitzung vereinbarte Vorgehen für einen Schnellschuss: "Für mich war das von Beginn an bedenklich. Ich schlage vor, dies noch einmal im Benehmen mit den Bürgern zu diskutieren."

Trotz der plötzlichen Einigkeit sei eine Verlegung der unfallträchtigen Straßenbahnhaltestelle auf den Mittelstreifen der Stresemannallee aufgrund der großen Kosten und des nicht minder hohen Zeitbedarfs nicht realistisch, sagen die Lokalpolitiker. "Da muss sich aber was ändern. Der Ortsbeirat hat sich das nicht einfach ausgedacht", so die stellvertretende Ortsvorsteherin Birgit Czerny (Grüne). Ihr zu folge sei, anders als von den Anwohnern der betroffenen Seitenstraßen befürchtet, nie beabsichtigt gewesen, die als günstiges Provisorium gedachte Entschärfung der Tram-Haltestelle ohne Zustimmung der Anwohner in eine unbefristete Dauerlösung umzuwandeln.

"Wir haben uns das sehr sorgfältig überlegt und bewusst eine offene, leicht wieder rückgängig zu machende Maßnahme gewählt", sagte bereits Grünen-Fraktionsvorsitzender Reinhard Klapproth während der Sitzung des Stadtteilparlaments. Er bat die Anwesenden, gelassen zu bleiben "und nicht auf die Trara-Politik der Freien Wähler hereinzufallen". Deren Vertreter Kai-Sören Kehrmann forderte zuvor die umstrittene Verlegung der Haltestelle mit der Begründung, dass selbst Krankenwagenfahrer die Gartenstraße auf dem Weg zur Uniklinik als Umgehung der Kennedyallee nutzten. Die Einführung einer Einbahnstraße hätte somit lebensgefährliche Konsequenzen.

Erneute Ortsbegehung

Gegen Ende der teils recht emotionalen Diskussion einigten sich die Mitglieder des Ortsbeirates auf eine erneute Ortsbegehung, zu der städtische Verkehrsexperten eingeladen werden sollen. Diesmal sollen die von der angedachten Änderung betroffenen Bürger per E-Mail zu dem Termin gebeten werden. Das in den Morgenstunden geplante Treffen soll, so die Meinung aller, möglichst zeitnah erfolgen.mov

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