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Sie bringen den Schoppen nach Wales
Drei Frankfurter vertreten Deutschland beim Cider-Fest
Eine kleine Frankfurter Delegation bricht heute zum internationalen Apfelweinfestival auf. Im Gepäck: 1000 Liter Ebbelwei.
Sachsenhausen. ![]()
Michael Rühl, Konstantin Kalveram und Johannes Kalveram (von links) brechen heute zum internationalen Cider-Festival nach Wales auf, wo sie unter anderem drei Sorten Frankfurter Apfelwein präsentieren. Foto: Rainer Rüffer Wenn das keine Völkerverständigung ist: Michael Rühl und die Brüder Konstantin und Johannes Kalveram haben sich für ihre Reise nach Wales etwas ganz besonderes einfallen lassen. Der hessische Löwe und der walisische Drache prosten sich auf der vier Meter breiten Fahne zu. Jeder mit dem Nationalgetränk des anderen: Der Löwe trinkt Cider, der Drache Ebbelwei. So unähnlich sind sich die Trinkgewohnheiten der beiden nämlich gar nicht.
Was der Hesse oft nicht weiß oder gerne mal vergisst: Auch in anderen Ländern und Regionen wird Apfelwein hergestellt. "Die Briten sind mit die größten Schoppen-Vernichter der Welt. Nur heißt er dort eben Cider", weiß Rühl.
1000 Liter im Gepäck
Um die Kreationen anderer europäischer Kelterer zu erkunden und heimische Produkte vor geschätzten 10 000 Besuchern zu präsentieren, bricht das Dreigespann heute zum internationalen Cider-Festival nach Wales auf. 1000 Liter hessischer Spitzenstöffchen haben die drei Apfelweinkenner im Gepäck. 800 Liter in Fässern, den Rest in Flaschen abgefüllt. "Obwohl wir gestehen müssen, dass darunter auch drei Arten Birnenwein sind", sagt Konstantin Kalveram.
Zwei der Kelterer kommen aus Frankfurt. Zum einen gibt die Kelterei Gerhard Nöll den Dreien zwei edle Tropfen mit auf den Weg, zum anderen keltern Konstantin Kalveram und Rühl auch selbst. Das echt Sachsenhäuser Produkt trägt den schlichten Namen "Wein aus Äpfeln".
Geboren wurde die Idee, an der ersten Ausgabe des internationalen Fests (siehe Info) teilzunehmen, eher zufällig. Der 38-Jährige und sein zwei Jahre älterer Kumpan haben schon einige Kontakte in der Szene geknüpft, veröffentlichten im Mai gar einen Apfelwein-Führer für Frankfurt. Im Dezember vergangenen Jahres lernten sie einen in Frankfurt lebenden Asturier kennen, der für das spanische Magazin "La Sidra" (Der Apfelwein) schreibt. "Da ist uns wieder bewusst geworden, dass – auch wenn wir das gerne hätten – das Stöffchen eben nicht nur ein rein hessisches Phänomen ist", sagt Kalveram.
Der asturische Bekannte wiederum kennt die Veranstalterin des Festivals, die Waliserin Cressida Slater, die ihn bat, sich in Deutschland nach geeigneten Teilnehmern umzusehen. "Eigentlich waren wir als solche gar nicht geplant", verraten die drei. Zwar seien alle Kelterer, die sie nach Wales einluden, sofort Feuer und Flamme gewesen, doch als diese das genaue Datum hörten, mussten sie allesamt abwinken. Denn morgen, 12. August, feiert auf dem heimischen Roßmarkt auch ein Apfelweinfestival Premiere (wir berichteten).
Projekt: Klassenfahrt
Auch die Sachsenhäuser gerieten ob der Terminüberschneidung kurz ins Grübeln. "Rein wirtschaftlich gesehen wäre es schon sinnvoller, wir würden einen Stand auf dem Roßmarkt aufbauen", meint Konstantin Kalveram. Aber die Chance, mehr über die Eigenarten verschiedener europäischer Apfelweine zu lernen, konnten sie sich beim besten Willen nicht entgehen lassen. "Wir haben das intern als Projekt Klassenfahrt abgestempelt", sagt Rühl lachend.
Rein finanziell wird sich diese Klassenfahrt nicht lohnen. Neue Kunden werden die drei in Wales wohl nicht gewinnen können. Ihr Ziel: Spaß haben, lernen und zumindest die Fahrt- und Zollkosten wieder einnehmen. Etwa ein Drittel der 1000 Liter, haben sie ausgerechnet, müssen sie dafür verkaufen. Doch mit schmackhaftem hessischen Apfelwein dürfte das eigentlich kein Problem sein.ges



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