Sie sind die "Engel der Armen"

Frauen des Kreativkreises haben Mützen, Schals, Handschuhe und Socken für Obdachlose gestrickt

Seit sieben Jahren treffen sich die Mitglieder des Kreativkreises im Begegnungszentrum Gallus, um gemeinsam für einen guten Zweck der Handarbeit nachzugehen.

Von Matthias Bittner

Gallus/Innenstadt. Bruder Paulus (Mitte) freut sich über die vielen gestrickten Geschenke für den Franziskustreff. Marianne Sänger überreichte dem Leiter des Klosters Liebfrauen außerdem ein paar Socken für ihn selbst, damit der Kapuzinermönch keine kalten Füße mehr hat. Foto: Rainer RüfferDer Esstisch im Franziskustreff des Liebfrauenklosters ist ein richtig großes Exemplar, damit viele Leute rundherum an ihm Platz nehmen können. Und doch reicht er kaum aus, um all die Schals, Handschuhe, Mützen und Socken ausbreiten zu können, die die fleißigen Strickerinnen des Begegnungszentrums Gallus an Bruder Paulus Terwitte (52) überbringen. Grün, blau, orange oder im kunterbunten Farbenmix sind die warmen Wintersachen gestaltet. An die 300 Teile haben die Mitglieder der Kreativgruppe, deren Leiterin Marianne Sänger ist, im zurückliegenden Jahr hergestellt. Bestimmt sind die wärmenden Accessoires für Obdachlose. Am ersten Weihnachtsfeiertag werden die Gaben im Franziskustreff des Liebfrauenklosters überreicht.

Schuhgröße 47

Dieses Mal haben die Damen auch Bruder Paulus ein Geschenk mitgebracht. Da er oft über kalte Füße klagt, bekommt er ein Paar warme Socken für die ungemütliche Jahreszeit. Das Stricken war nach Angaben von Marianne Sänger eine Herausforderung: Der Leiter des Liebfrauenklosters und in dieser Funktion auch für den Franziskustreff für Obdachlose verantwortlich, lebt nämlich auf großem Fuß – stolze Schuhgröße 47 hat der Franziskaner. Da müssen die Nadeln selbstverständlich etwas länger als für kleinere Exemplare klappern.

Doch Zeit ist für die Mitglieder des Kreativclubs zweitrangig. Die Handarbeit macht den Frauen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren eben einfach Freude. Immer mittwochs von 13 bis 17 Uhr treffen sich 32 Damen in den Räumen des Frankfurter Verbandes in der Frankenallee 206. Die Idee dazu hatte Marianne Sänger vor sieben Jahren. Seitdem wird mittwochs immer gestrickt, wobei die Geselligkeit im Vordergrund steht. Bei Kaffee und Kuchen wird über Gott und die Welt geplaudert. Den Großteil ihrer zeitintensiven Handarbeit erledigen die Frauen allerdings zu Hause, etwa nebenbei beim Fernsehen. Einige bringen es so auf bis zu 20 Stunden in der Woche.

"Stricken ist auch wieder in. Immer öfter sieht man die Leute dabei", sagt Marianne Sänger , die das Begegnungszentrum Gallus lange leitete. Ihre Nachfolgerin Susanne Schieder hat sich von dem ständigen Geklappere am Mittwoch anstecken lassen. "Ich habe mir das Stricken von meiner Mutter beibringen lassen, Socken sind jetzt kein Problem mehr", sagt sie. Sie ist froh, dass die aufgeschlossenen Damen des Kreativkreises im Treff sind. Einige nutzen nämlich auch andere Angebote. Und die multikulturelle Gruppe – die Frauen stammen aus Deutschland, Italien, der Türkei, Russland oder dem Irak – sei ein Beispiel für gelebte Verständigung und Integration.

Vorräte aufgebraucht

Trotzdem kommt der Kreativkreis nicht ohne Unterstützung aus. Wolle ist nämlich teuer. Und weil die Vorräte fast vollständig aufgebraucht sind, können die Damen jede Woll- und Geldspende gebrauchen, damit sie nicht bald ihre Hände stillhalten müssen. Wer Spenden abgeben möchte, kann gerne im Begegnungszentrum in der Frankenallee 206 vorbeikommen. Geöffnet ist montags bis freitags jeweils von 10 bis 17 Uhr. Vielleicht wird dann auch das Interesse an den mit Liebe gestrickten Mützen, Schals und Socken geweckt. Denn diese können erworben werden, betont Susanne Schieder. Ein Set, bestehend aus Schal und Mütze kostet 9,50 Euro, Socken gibt es zum gleichen Preis.

Zum Dank für die großzügigen Gaben hielt Bruder Paulus für Marianne Sänger und ihre Mitstreiterinnen eine Andacht in der Liebfrauenkirche. In Anspielung auf ein Marienbildnis in der Liebfrauenkirche bezeichnete der Kapuziner die strickenden Frauen aus dem Gallus als "Engel der Armen". "Das war das schönste Weihnachtsgeschenk für mich", schwärmt Marianne Sänger.

Wer mitstricken möchte oder Wolle spenden will, kann sich unter der Rufnummer (0 69) 7 38 25 45 an das Begegnungszentrum Gallus in der Frankenallee 206 wenden.

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