Sie sind Frankfurts helle Köpfe

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft vergab erneut 30 Stipendien im Programm „MainCampus“

30 neue Stipendiaten hat die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in ihr Förderprogramm "MainCampus" aufgenommen. Das Programm unterstützt Studenten, Doktoranden und junge Forschungsleiter.

Frankfurt. Dr. Christian BehrendsSie sind jung, sie sind klug, sie sind gut: 30 junge Forscher hat die Stiftung Polytechnische Gesellschaft am Dienstag feierlich zu Stipendiaten von "MainCampus" gemacht. Es sind die neuen "hellen Köpfe für Frankfurt", wie die Stiftung mitteilt. Gefördert werden Studenten und Forscher der Goethe-Universität (24), der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (3), der Fachhochschule Frankfurt (2) und der Städelschule (1). Das Stipendium ist mit einer monatlichen Förderung zwischen 400 und 1300 Euro verbunden – und mit einem breiten Angebot an Zusammenkünften, dem interdisziplinären Austausch und dem gemeinsamem Lernen. Denn die Stiftung Polytechnische Gesellschaft arrangiert ein akademisches Rahmenprogramm, bei dem die jungen Forscher lernen, wie sie ihr Fach verständlich darstellen, wie sie Förderanträge stellen, wie sie ihre Zeit managen können und so weiter. Für viele neue Stipendiaten ist dieses Weiterbildungsangebot so attraktiv, dass es alleine schon ein Grund für die Bewerbung bei der Polytechnischen Gesellschaft gewesen wäre (siehe dazu rechts). Das Geld ist aber auch ein Reiz – schon, weil damit der Job nach der Vorlesung weniger notwendig wird.

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft unterstützt die Stipendiaten so für zwei bis drei Jahre. Insgesamt wurden seit 2008 bereits 80 Stipendien vergeben. "MainCampus" richtet sich an drei Gruppen: "Academicus" fördert Studenten, "Doctus" Doktoranden und "Educator" junge Forschungsleiter – letztere allerdings unter der strengen Voraussetzung, dass sie als Elternteile selbst auch Verantwortung für den "akademischen Nachwuchs" übernehmen. "Das Stipendiatenwerk MainCampus bringt fachlich hochqualifizierte, zielorientierte und gesellschaftlich engagierte junge Menschen zusammen", so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Dr. Roland Kaehlbrandt.

Der Krebsforscher

Dr. Christian Behrends will den Krebs bekämpfen. Der Biochemiker leitet eine Arbeitsgruppe an der Goethe-Universität. Das Ziel: "Wir wollen verstehen, wie man die Fähigkeit der Körperzellen, alte Bauteile zu verdauen und neue herzustellen, nutzen kann." Diese Fähigkeit könnte die Krebsentstehung verhindern. Krebszellen ihrerseits nutzen die Fähigkeit, um schneller zu wachsen. Es kommt also darauf an, Medikamente zu entwickeln, die die Selbstverdauung zum richtigen Moment stärken – ehe der Krebs entstanden ist – oder zu dämpfen, um den Krebs zu bekämpfen. Der junge Forscher Behrends hat bereits drei Millionen Euro Fördergeld erhalten, zur Hälfte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Union. Von "MainCampus" verspricht er sich, "Management-Fähigkeiten zu verbessern, etwa Zeitkoordination. So etwas lernt man nicht im Studium." Die Zeit, die er dafür investiert, kann er später durch bessere Organisation wieder sparen, glaubt Behrends.

Dr. Francesco Giacosa

Der Atomphysiker

Für Dr. Francesco Giacosa ist der "MainCampus" eine zusätzliche Möglichkeit zu lernen, wie man am besten Forschungsanträge stellt. "Es ist ein tolles Programm, bei dem auch so profane Dinge geübt werden", sagt der Italiener aus Turin, der seit elf Jahren in Deutschland lebt und hier promoviert hat. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für theoretische Physik der Goethe-Universität und betreut unter anderem Doktoranden. Bei seiner Forschung geht es um die Eigenschaften der Atomkerne, deren Bausteine – die Quarks – von den rätselhaften Gesetzen der Quantenmechanik bestimmt werden. Schwierig, aber: "Es sollte unsere Aufgabe sein, der Gesellschaft das, was wir tun, mitzuteilen. Schließlich finanziert der Steuerzahler die Arbeit", so Giacosa. Es geht also um Kommunikation und um Präsentation – Fähigkeiten, die der Forscher in der "MainCampus"-Akademie zu verbessern hofft. "Deswegen habe ich mich auf das Förderprogramm beworben", sagt der junge Familienvater.

Bianca Hellberg

Die Musikpädagogin

Bianca Hellberg war bereits Stipendiatin des "MainCampus"-Studentenprogramms "Academicus". Jetzt wird sie im Promoventenprogramm "Doctus" gefördert. "Meine Erfahrungen mit Academicus waren sehr gut", sagt Bianca Hellberg, die Violine spielt und ihre meist naturwissenschaftlichen Kommilitonen von "MainCampus" für klassische Musik begeistern will. Bianca Hellberg studiert an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Sie promoviert im Fach Musikpädagogik. Ihr Thema: Orchestermusiker oder Chorsänger müssen sich auf das Stück und die gemeinsame Aufgabe einstellen, gewissermaßen zu einem Klangkörper verschmelzen. Bianca Hellberg will wissen, wie sich diese oft beglückende Erfahrung in der Pädagogik nutzen lässt. Als "MainCampus"-Stipendiatin freut sie sich auf die anderen: "Ich bin sehr gespannt auf das, was die Naturwissenschaftler machen", sagt sie. Denn jeder sollte lernen, sein Forschungsthema den anderen zu erklären.

David Heun

Der Spezialist

David Heun ist ehemaliger Stipendiat von "MainCampus". "Ich bin jetzt Alumni und werde weiter zu den Veranstaltungen eingeladen. Ich freue mich immer, wenn ich die alten Gesichter sehe!" Für Heun hat sich in seiner "MainCampus"-Zeit ein Netzwerk gebildet aus ganz unterschiedlichen Personen und Talenten. "Man kann sich ergänzen", sagt er und glaubt, er wäre als Ingenieur wohl nie auf die Idee gekommen, eine Matinee von Musikstudenten zu besuchen. "Aber weil ich die Studenten von MainCampus kannte, bin ich hingegangen und habe es genossen." Für ihn als Master-Student "Barrierefreie Systeme" der Fachhochschule Frankfurt sei es wichtig, andere Blickrichtungen kennenzulernen, denn die Spezialisten der Barrierefreiheit müssen sich auch gut in die Situation behinderter Menschen versetzen können. So hat Heun jüngst ein Computerspiel vorgestellt, mit dem autistische Kinder sprechen lernen können. Als Stadtteilbotschafter hat er einen Kletterturm ermöglicht.

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