So trotzen die Tiere im Zoo den Minustemperaturen

Nicht einmal einen Hund, so der alte Spruch, möchte man bei diesem Wetter vor die Tür jagen. Deshalb wird im Frankfurter Zoo zurzeit so viel geheizt, dass die Energiekosten die fürs Futter übersteigen.

Frankfurt. Dabei sind die Tiere gar nicht so zimperlich. Ausgerechnet Arten, die im warmen Afrika heimisch sind, haben unsere Mitarbeiterinnen Janina Sommerlad und Svenja Büchner draußen angetroffen.

Abgehärtet


Mit Sonne auf dem Bauch hält das Erdmännchen durch.Wer annimmt, dass Erdmännchen – ursprünglich sind sie ja afrikanischer Herkunft – bei solchen Temperaturen das Warme suchen, der liegt falsch. Laut Zoodirektor Prof. Manfred Niekisch scheuen die putzigen Tierchen feucht-warmes Klima, das trocken-kalte Wetter der vergangenen Tage fanden sie durchaus angenehm. Zumal die Frankfurter Erdmännchen die deutschen Temperaturen ohnehin gewohnt sind – am Main sind sie geboren und aufgewachsen. Solange die Sonne scheint, bevorzugen die Erdmännchen die frische Luft. Auch im sicheren Zoo hält dabei ein Familienmitglied Wache und wittert nach Gefahren, seine Verwandten graben im frostigen Boden nach Beute. Erst als gestern Mittag Wolken aufzogen, flüchteten alle ins Warme unter die Heizlichter.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wie andere Tiere der Kälte trotzen

Hausarrest, bis das Eis schmilzt


Langeweile herrscht an diesen Frosttagen bei Familie Tiger.Die beiden Tigerkinder Taru und Asim samt Mama Malea haben zurzeit Hausarrest. Für aus den Tropen stammende Sumatratiger ist es draußen nun wirklich zu kalt. Den ganzen Tag lang müssen die beiden Halbstarken drinnen bleiben. Im sogenannten Katzendschungel ist es zwar immer tropisch warm, dafür aber auch ganz schön langweilig. Da kommt leicht Stress auf. Deshalb versorgt Tierpfleger Martin Rödl alle mit verschiedenen Spielzeugen; das können gefüllte Kartons, verstreute Gewürze oder auch Weihnachtsbäume sein. Maximal für eine Viertelstunde am Tag gehen die Türen zum Außengehege auf. Weit kommen die Tiger aber auch dann nicht. Denn seit ein paar Tagen ist der Teich am "Tigergarten" zugefroren, deshalb dürfen sie nur einen kleineren Bereich des Außengeheges nutzen. Das Risiko sei sonst zu groß, dass sie ausbüchsen. "Ich möchte ja nicht von OB Roth darüber informiert werden, dass einer unserer Tiger am Römer herumstreunt", scherzt Zoodirektor Prof. Manfred Niekisch.

Kein Grad erschüttert


Hundekälte? Kennt der Seebär nicht.Bei ihnen sieht der Alltag aus wie immer: Zwergseebären und Seehunde planschen durch ihre Becken als gebe es keinen Winter. Dabei wird das Becken nur so weit aufgeheizt, dass es nicht zufriert. Beide Tierarten sind eben an kalte Meere gewöhnt und haben dicke Fettschichten unter ihrem dichten wasserabweisenden Pelz. Frostfrei wären auch die Zoo-Pinguine, doch die merken im immer gleich kühlen Gehege gar nichts vom Traumwetter draußen. Mit dem geplanten Neubau soll das anders werden.

Unerschrocken ins Freie


Diesen Dickhäuter werfen Minusgrad nicht um. Das Nashorn trabt raus.Seine Vorfahren stammen aus dem warmen Ostafrika, dennoch geht das ostafrikanische Spitzmaulnashorn selbst bei eisiger Kälte gern nach draußen. Mit ihren massiven Körpern und der dicken Haut können sich Nashörner nämlich schnell an wechselnde und drastische Temperaturen anpassen. Obwohl sie enorme Hitze vertragen und sich damit auch wohlfühlen, beträgt selbst die Temperatur in ihrem Haus nur um die 22 Grad. Der Unterschied von Innen- und Außentemperatur solle nicht zu hoch ausfallen, so kann man den Tieren immer Auslauf gewähren, erklärt Zoodirektor Niekisch. Auch jetzt treffen Besucher die Dickhäuter also im Freien. Empfindlicher sind die Flusspferde, die sich mit den Nashörnern das Haus teilen. Obwohl sie genauso kräftig sind wie ihre Mitbewohner, vertragen sie keine Kälte und tauchen am liebsten in ihrem 30 Grad warmen Wasserbecken unter.

Nur ein paar schnelle Sprünge


Die Grévy-Zebras vertragen auch nach vielen Jahren Gewöhnung an Mitteleuropa keine brutale Kälte, deshalb dürfen sie bei den aktuellen Temperaturen nur jeweils eine halbe Stunde am Tag auf ihr Außengelände. Das ist auch die einzige Zeit, in der Besucher sie jetzt sehen können. Andere Huftiere wie die Alpakas, Kamele und Ziegen sind hingegen durchweg draußen. Der Auslauf für die Zebras ist genau bemessen, da den Tieren sonst eine Unterkühlung droht und sie sich schnell erkälten könnten, wie Pfleger Walter Arlt erklärt. Kältescheu sind sie aber nicht. Arlt hat beobachtet, dass die Zebras sofort heraus kommen, sobald er die Stalltür öffnet. Seine Schützlinge nutzen die Möglichkeit, sich einmal auslaufen und bewegen zu können, bei nahezu jeden Wetter. Ausgelassen und mit lustigen Bocksprüngen toben sie über den gefrorenen Boden. Nach der halben Stunde ziehen sie sich jedoch freiwillig wieder in ihren beheizten Stall zurück. Dort ist alles schön mit Heu ausgelegt, somit müssen die Schwarz-Weißen auch nicht auf kaltem Boden schlafen.

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