Startschuss für Kulturcampus

ABG baut auf dem Gelände neben dem Bockenheimer Depot 180 Wohnungen in zwölf Häusern

Der Kulturcampus Frankfurt nimmt Formen an: In einer Bürgeranhörung stellte ABG-Chef Frank Junker die Pläne für den ersten Bebauungsabschnitt neben dem Bockenheimer Depot vor. Geplant ist ein großer Wohnkomplex.

Von Julia Rösch

Bockenheim. Die Fassade des Neubau nimmt die Formen der benachbarten Häuser, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet worden sind, auf. In dem siebengeschossigen Komplex entstehen 70 Eigentumswohnungen, 113 Einheiten werden vermietet. Dieser Entwurf stammt von Stefan Forster. Strahlend weiße Fassade, große Fenster und ein großzügig begrünter Innenhof: Der Wohnkomplex, der auf dem nördlichen Teil des Kulturcampus Frankfurt zwischen Gräf- und Sophienstraße entstehen soll, macht etwas her. Zumindest auf den bunten Entwürfen, die Frank Junker, Chef der städtischen ABG-Holding, in der Bürgeranhörung am Mittwochabend dem interessierten Publikum präsentierte.

Die zwölf Wohnhäuser eröffnen das Mammutprojekt, das den ehemaligen Campus Bockenheim in einen eigenen Stadtteil mit Bohème-Flair verwandeln soll. Der erste Bauabschnitt liegt im Herzen des Stadtteils, zwischen dem Bockenheimer Depot im Süden und der Druckerei im Osten. Momentan ist auf dem 9200 Quadratmeter großem Gelände ein wenig ansehnlicher Schotterparkplatz, der bis 2013 den schmucken Häusern Platz gemacht haben soll.

Dächer werden begrünt

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft will keine Zeit verlieren: Im vergangenen Jahr hat sie das Areal gekauft, mittlerweile sind die Pläne verabschiedet und der Antrag auf Baugenehmigung eingereicht. "Wir haben für diesen ersten Abschnitt einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben", berichtet Junker. Drei Entwürfe haben Preise abgesahnt. Alle bieten laut Junker einen "ausgeprägten Kopfbau" mit hervorstehender Kante zur Gräfstraße hin, aufwändig gestaltete Innenhöfe und Dachbegrünung. Und natürlich ist Passivhausbauweise Standard – der Kulturcampus soll schließlich der erste klimaneutrale Stadtteil Frankfurts werden.

Allerdings hat kein Entwurf die Jury komplett überzeugen können. Deshalb werden die drei Architekten ihre Pläne gemeinsam überarbeiten. Das beste Gesamtkonzept lieferte nach Ansicht der Jury das Büro "happarchitecture" unter der Leitung von Jens Happ. Die Fassade wird sich eher an der Idee von Architekt Stefan Forster orientieren. "Die neuen Gebäude erinnern an die Häuser aus dem frühen 20. Jahrhundert, die sich in der Nachbarschaft finden ", sagt Junker und deutet auf Fenster und Balkons, die sich leicht versetzt von der Fassade abheben. Im Publikum wird gemurmelt; "zu bürgerlich", urteilt ein unzufriedener Zuhörer.

Dann nennt Junker Zahlen: 70 Eigentums- und 113 Mietwohnungen sind geplant; von letzteren werden ein Drittel, also 38, sozial gefördert. "Die sind aber nicht in einem Haus untergebracht, sondern auf alle Blöcke verteilt. Damit wollen wir eine ausgeglichene Mischung erreichen." Ein Quadratmeter kostet in den geförderten Wohnungen 5,50 Euro, ansonsten zwölf Euro Kaltmiete – zu viel, empören sich die anwesenden Anwohner. Das nimmt Junker zum Anlass, seine schon oft herunter gebetete Erklärung ein weiteres Mal vorzutragen: "Der Preis pro Quadratmeter wird durch zwei Faktoren maßgeblich bestimmt, auf die wir keinen Einfluss haben: Den Grundstückspreis, der in Ballungsgebieten nun einmal hoch ist, und die Baukosten."

In den sieben Stockwerken sind Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen mit einer Größe zwischen 60 und 140 Quadratmetern untergebracht. Der Zugang ist barrierefrei, betont Junker, und auch die Wohnungen selbst können bei Bedarf behindertengerecht umgebaut werden: "Wir haben auf großzügige Bäder, breite Türen und Flure geachtet." Ob der Garten im Innenhof auch problemlos mit dem Rollstuhl und für die Öffentlichkeit zugänglich sei, will eine Frau wissen. Der ABG-Chef bejaht die Barrierfreiheit; aber nein, der Innenhof sei nur für Bewohner gedacht.

Zu viel Platz für Supermarkt

An einem stören sich viele Zuhörer jedoch: Die 3500 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss der Wohnanlage soll für einen Supermarkt reserviert werden. "Unnötig und gefährlich für den Kleinhandel auf der Leipziger Straße" finden das ein paar Bürger. Junker ist anderer Meinung: "Bisher gibt es nur Discounter in unmittelbarer Nähe, keine Läden mit Vollsortiment. Ein Supermarkt am Bockenheimer Depot verhindert, dass die Leute auf die Mainzer Straße ausweichen, ins Hessencenter oder – noch schlimmer! – ins Main-Taunus-Zentrum."

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