Stillstand am Bahnhof

Die Bahn brüstet sich zwar mit Milliarden-Investitionen, in Griesheim ist davon aber nichts zu sehen

Seit fast einem Jahr herrscht Stillstand am Griesheimer Bahnhof. Während Stadtteilpolitiker und Bürger auf mehr Informationen drängen, dämpfen die Planer schon wieder die Erwartungen.

Griesheim. Die Unterführung am Griesheimer Bahnhof ist nicht nur schmuddelig, sondern für Menschen mit Behinderung auch ein echtes Hindernis. Foto: Reuß Rund 1,4 Milliarden Euro hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren in ihre Bahnhöfe gesteckt. Alleine in Hessen profitierten 223 Haltepunkte von den Sanierungsmaßnahmen, die etwa neue Anzeigetafeln, Schutzhäuschen oder behindertengerechte Umbauten umfassten. Der Griesheimer Bahnhof indes glänzt nach wie vor vor allem durch seine Unzugänglichkeit. Schon lange tüfteln Bahn und Stadt an einem barrierefreien Zugang zu den Gleisen. Geworden ist daraus bislang nichts – und eine Lösung erscheint heute noch genauso weit entfernt, wie vor rund einem Jahr.

"Es wird Zeit, dass die Griesheimer endlich umfassend informiert werden, wie der aktuelle Stand ist", fordert Ursula Schmidt, Vorsitzende des Vereinsrings. Die Verdrossenheit im Stadtteil sei groß. "Die Leute glauben schon gar nicht mehr an den barrierefreien Umbau." Der Vertrauensverlust in Politik und Bahn im Stadtteil sei riesig.

Versammlung gefordert

Mit ihrer Forderung nach mehr Informationen ist sie nicht alleine. Auch Hubert Schmitt, Fraktionschef der SPD im Ortsbeirat 6 wirbt für eine bessere Informationspolitik. In einem Antrag, der während der nächsten Sitzung des Stadtteilparlaments zur Abstimmung kommen wird, fordert Schmitt eine öffentliche Bürgerversammlung, in der Vertreter der Stadt und der Bahn Rede und Antwort zur aktuellen Sachlage stehen sollen.

Der letzte Informationsstand des Ortsbeirats stamme vom 8. Februar 2011, seitdem habe sich nichts getan. "Nicht nur der Ortsbeirat, auch die Menschen in Griesheim wollen wissen, wie sich die Sache inzwischen weiterentwickelt hat", fordert Schmitt.

Bei der Vorstellung der verschiedener Varianten im vergangenen Februar votierten die Stadtteilpolitiker für einen Umbau, der den barrierefreien Zugang zur Unterführung mittels Aufzügen sicherstellen sollte. Anschließend sollten Planungen weiter konkretisiert werden. Seitens der Stadt sind das Planungsdezernat sowie das Verkehrsdezernat eingebunden. "Wir haben die Vorplanung erstellt, die ist inzwischen beim Verkehrsdezernat", erklärt Gerwin Fassing vom Planungsdezernat. Dort laufen die Fäden zwischen Stadt und Bahn zusammen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Auch nicht übermorgen

Holger Froschhäuser vom Verkehrsdezernat kann allerdings nicht viel Neues berichten: "Die ersten Gespräche mit der Bahn sind gelaufen. Im Groben sind wir uns alle einig, jetzt muss an den Details gearbeitet werden." Einen zeitlichen Rahmen kann er dafür aber nicht nennen. "Das sind enge Abstimmungsprozesse mit der Bahn. Aber der Umbau ist sicherlich nichts, was übermorgen passieren wird. Da steckt noch ein bisschen Arbeit drin."

Die Bahn sieht die Stadt in der Bringschuld. "Innerhalb der Stadt Frankfurt wurden im vergangenen Jahr die vom Stadtplanungsamt erstellten Planungsunterlagen an das zuständige Amt übergeben", berichtet eine Bahnsprecherin davon, wo es in den vergangenen Monaten gehakt hat. In einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Land Hessen, den Verkehrsverbünden und der Bahn sei auch der Umbau des Griesheimer Bahnhofs geregelt. Federführend bei der Umsetzung des Projekts sei daher die Bahn. "Hierzu muss die Vorentwurfsplanung vom Amt der Stadt Frankfurt noch an DB Station & Service übergeben werden", heißt es von der Bahnsprecherin.

Wann das geschehen könnte, ist nach den Aussagen Froschhäusers auch ein Jahr nach der Vorstellung der Vorplanungen noch immer offen. Auf viele gute Neuigkeiten sollten sich die Griesheimer daher wohl vorerst nicht freuen, auch wenn sie demnächst ihre Infoveranstaltung bekommen. göc

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