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Theater um Chaos, Gewalt und Wut
Jugendkulturkirche macht die Bühne frei für „Klassen Feind 2.0“, in dem sechs Jugendliche mitspielen
Am Freitag ist in der Jugendkulturkirche Sankt Peter Premiere des Theaterstücks "Klassen Feind 2.0". Regisseur Ali Murtaza möchte damit zur Diskussion anregen.
Innenstadt. ![]()
Richtig Stress miteinander haben die Mädchen im Stück "Klassen Feind 2.0". Oft fliegen die Fetzen. Foto: Rüffer Seit sieben Monaten arbeiten Fiona, Nazret, Seda, Jessi, Soukaina und Teresa auf diesen Moment hin – sie wollen zeigen, dass sie ihre Rollen im Stück "Klassen Feind 2.0" nicht einfach nur gelernt haben, sondern die Figuren in ihren Facetten zum Leben erwecken können. Noch sind die Proben im vollen Gang, der Text sitzt. "Ihr müsst noch etwas lauter sprechen, damit man euch auch ganz hinten hört", sagt der Regisseur.
Fiona (19) spielt die Rolle der Fetzer. Aggressionen und Wut auf alles in ihrem Leben sind charakteristisch für diese Figur, die ein Anführertyp ist. "Fetzer hat jegliche Hoffnung verloren", erklärt Fiona, die sich zu Beginn der Proben durch Improvisationsübungen ihrer Rolle angenähert hat. Den Text zu lernen, sei ihr nicht schwer gefallen. "Ich habe vor einem Jahr damit angefangen Theater zu spielen und habe gemerkt, dass ich mich gut in andere Rollen hineinversetzen kann." Daher überlege sie bereits, sich an einer Schauspielschule zu bewerben, möchte jedoch die Reaktionen auf das Stück abwarten.
Wunsch nach Respekt
Die Bühne von Sankt Peter wird sich zur Premiere morgen Abend in ein Klassenzimmer verwandeln. Chaos, Verwahrlosung und die Sprache der Gewalt und Wut herrschen dort. Hierarchien bestimmen das Miteinander der Figuren. Sechs Mädchen, sechs unterschiedliche Charaktere. Allen gemein ist der Wunsch nach Anerkennung, Liebe und Respekt, den sie sich auf unterschiedlichen Wegen erkämpfen. Regisseur Ali Murtaza (26) hat das Stück "Klassen Feind" nach Nigel Williams für die Inszenierung adaptiert. Seine Fassung ist aus den 70er Jahren und noch so aktuell wie damals. Als ausgebildeter Schauspieler übernahm er selbst schon eine Rolle in einer anderen Inszenierung des Stückes, arbeitet zurzeit als Darsteller in Dortmund. "Klassen Feind 2.0" ist seine zweite Regiearbeit.
"Die Produktion passt gut in das Gesamtprogramm hinein", betont Peter Roth, zuständig für das Kulturprogramm von Sankt Peter. Neben Theater gehören hierzu etwa auch Konzerte, Tanzinszenierungen oder verschiedene Workshops. "Nigel Williams Geschichte handelt eigentlich von sechs Jungen. Ich wollte das Stück mit Mädchen aufführen, da die Gewalt, die von Mädchen ausgeht, in den vergangenen Jahren immer stärker zugenommen hat", schildert Murtaza. Für ihn sei das Stück eines der besten für Jugendliche und auch mit am schwierigsten zu spielen. "Die Figuren, die hier charakterisiert sind, gibt es mit Sicherheit an jeder Schule."
Bei der Auswahl der Mädchen habe er drei der Darstellerinnen 2010 bei einem Casting ausgewählt, die anderen drei zuvor bei einem Tanztheaterstück gesehen und angesprochen. Da auch Hip-Hop getanzt wird, müssen die Mädchen neben dem Ausdrucks- und Sprachgefühl auch ein Gefühl für die Musik mitbringen. Sie haben verschiedene Choreographien einstudiert.
Seda (19) spielt die Figur "Pickel" und wurde beim Casting entdeckt: "Mir fällt es leicht, Texte zu lernen, schwieriger ist es, das Gelernte in die Rolle zu übertragen", erzählt sie. "Die Figur, die ich spiele, ist nicht einfach nur traurig, sie ist depressiv und müde." Die Abiturientin hat während ihrer Schulzeit in einer Theater-AG erste Bühnenerfahrung gesammelt. "Ich spiele Theater, weil es mir Spaß macht", fügt sie hinzu. Für Soukaina (22) hingegen ist es eine Premiere, auf einer Bühne zu stehen. Mit ihrer Rolle der "Vollmond" kann sie sich gut identifizieren, da sie sich selbst ebenfalls als ruhige Beobachterin bezeichnet. "Wie auch "Vollmond" kann auch ich aber, wenn es zu viel wird, richtig aus mir herauskommen." Zwar hatte sie schon eine Komparsenrolle in einem Film, das Theater ist aber etwas ganz anderes und für sie eine Premiere. Noch habe sie zwar kein Lampenfieber, aber das werde noch kommen.
Drei Proben im Monat
"Zu Beginn haben wir drei Mal im Monat geprobt. Seit Dezember fast jedes Wochenende", sagt Ali Murtaza. Spätestens, wenn der Schlusssatz gesprochen ist und der Applaus des Publikums ertönt, wissen die Mädchen und der Regisseur, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.
Die Premiere morgen um 19.30 Uhr in Sankt Peter (Stephanstraße 6) ist fast ausverkauft. Weitere Aufführungen sind am 20. und 21. April. Für Schulklassen spielt die Gruppe am 29. Februar und am 1. März jeweils um 11 Uhr. Eintritt: neun Euro, ermäßigt sechs Euro.alf



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