"Unsere Technik ist innovativ"

Getec-Chef steht zum Kraftwerk, das jetzt trotz Kritik in Fechenheim läuft

Während die Gerichte noch über zwei Klagen gegen das kleine Braunkohlekraftwerk auf dem Fechenheimer Gelände der Allessa-Chemie laufen, ist die Anlage bereits in Betrieb. Über die Kritik aus dem Stadtteil am Kraftwerk und die Reaktionen des Unternehmens darauf sprach FNP-Mitarbeiter Andreas Haupt mit Getec-Vorstandssprecher Karl Gerhold.

Frankfurt. Das Braunkohlestaub-Kraftwerk auf dem Allessa-Gelände ist im Stadtteil umstritten. Von außen unscheinbar, steckt im Innern modernste Technik. Nach erfolgreicher Probephase läuft nun der Normalbetrieb. Foto: WeisWie läuft die neue Anlage in Fechenheim? Sind Sie zufrieden?

KARL GERHOLD: Im Oktober konnte der Probebetrieb abgeschlossen werden, inzwischen läuft die Anlage im Normalbetrieb. Es gibt keine Probleme. Das war auch nicht zu erwarten. Es handelt sich um eine Standardanlage, von denen wir in Deutschland etwa 25 betreiben. Insofern sind wir zufrieden.

Auf seiner Homepage wirbt Getec mit innovativen Lösungen. Was ist an Braunkohle innovativ?

GERHOLD: Die Technik, mit der die Braunkohle verbrannt wird. Es handelt sich um einen Kessel mit einem sogenannten Muffel-Impuls-Brenner, mit dem der Brennstoff unter hohem Druck eingeblasen und verbrannt wird. Dadurch ist die Verbrennung sehr effizient und schadstoffarm. Infolge der Kraft-Wärme-Kopplung ist zudem der Wirkungsgrad mit über 90 Prozent sehr hoch, das heißt, der Brennstoff wird sehr gut ausgenutzt.

Kritiker sagen, Braunkohle produziere mehr Schadstoffe als andere Energieträger. Warum benutzen Sie nicht Gas?

GERHOLD: Die Technologie, die wir stetig weiterentwickeln, ist eine Brückentechnologie. Inzwischen können wir auch regenerative Stäube verbrennen, etwa aus der Zuckerproduktion. Der Abfall der Rüben wird getrocknet und zu Staub vermahlen, der einen ähnlichen Heizwert wie Braunkohle hat. Wenn man ihn mit Braunkohle mischt, entsteht die gleiche CO2-Menge wie beim Brennstoff Gas. Bei der Brennstoffwahl sind wir völlig wertneutral. Wir versuchen, möglichst effizient Energie herzustellen. Rund 900 der 1000 Anlagen, die wir betreiben, nutzen Gas. Doch hier ging es darum, für einen Industriebetrieb eine günstige Preissituation zu schaffen, und deshalb ist die Entscheidung für Braunkohlenstaub gefallen. Wir als Getec bauen Gaskraftwerke, Blockheizkraftwerke, Turbinen. Kürzlich haben wir einen großen 100 Hektor-Photovoltaikpark gebaut. Wir nutzen alle Technologien, solange sie effizient sind – und damit umweltfreundlich.

Bürger kritisieren, es gebe Braunkohle mit viel mehr Schadstoffen als die von Getec angegebene Menge.

GERHOLD: Diese Aussage ist falsch. Die in Frankfurt eingesetzte Kohle ist eine getrocknete und gemahlene, also veredelte Kohle aus dem Kölner Becken. Wir haben dazu einen langfristigen Vertrag mit unserem Lieferanten RWE geschlossen. Eine Alternative bestünde im Kohlebezug aus der Lausitz. Dies ist wegen des längeren Transportwegs zu teuer.

Können Sie garantieren, dass keine oder nur wenige Schadstoffe in die Luft gelangen?

GERHOLD: Die Filter sind absoluter Stand der Technik, sie werden per Computer rund um die Uhr überwacht. Sollte etwas defekt sein, so wird die Anlage abgestellt und ein entsprechender Austausch vorgenommen. Das große Missverständnis rührt wohl daher, dass die Umweltdezernentin Frau Rottmann von bis zu zwei Kilo Quecksilber pro Jahr gesprochen hat. Dies dürften wir laut Genehmigung eintragen, der tatsächliche Wert liegt aber bei circa 0,148 Kilogramm. Er ist nur rechnerisch nachweisbar und im Jahresverlauf nicht mehr messbar. Auch beim Staub ist uns unterstellt worden, dass wir 5000 Kilo emittieren. Tatsächlich emittiert die Anlage ca. 15 Kilogramm Staub pro Jahr, ein vergleichbares Biomassekraftwerk dagegen bis zu 1 000 Kilogramm. Unsere Anlage ist also sehr sauber.

Karl GerholdIn Groß-Umstadt haben Sie den Betreiber einer Internetseite wegen Verleumdung verklagt, in Frankfurt die Umweltdezernentin Rottmann. Das erweckt den Anschein, als ob Getec hart gegen Kritiker vorgeht.

GERHOLD: Wir gehen nicht hart gegen Kritiker vor. Aber wir wehren uns gegen falsche Behauptungen. In Groß-Umstadt verlangte die Bürgerinitiative, wir sollten eine Biomasseanlage bauen. Wir versuchten, klar zu machen: Unsere Anlage hat geringere Umweltbelastungen, das hat sogar der TÜV bestätigt. In Frankfurt war es doch umgekehrt: Frau Rottmann startete eine Kampagne gegen uns. Sie suggerierte den Bürgern, dass hier eine gefährliche Anlage entsteht. Das war verantwortungslos. Das Gericht hat klar gesagt: Sie hat falsch informiert, gegen das Gebot der Sachlichkeit verstoßen. Wir sehen uns als Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Kohle ist quasi regenerativ, auch sie ist pflanzlichen Ursprungs. Abgesehen vom Kohlendioxidausstoß ist sie sauberer als Biomasse, vor 30 Millionen Jahren konnten sich noch keine Schadstoffe aus Industrie und Umwelt ablagern. So haben wir heute auch die höchsten Belastungen – etwa an Quecksilber – nicht bei der Verbrennung von Kohle, sondern bei der Verbrennung von Biomasse, die etwa von Autobahnrändern stammt.

Wieso gingen Sie nicht eher auf die Fechenheimer zu? Ihre zögerliche Haltung erweckte den Eindruck, Getec habe etwas zu verbergen.

GERHOLD: Wir planten eine kleine Anlage, die Schadstoffe sind teilweise kaum messbar, die Genehmigung war unproblematisch. Wir haben die Erfahrung gemacht: Je mehr man über etwas redet, desto mehr Emotionen kommen ins Spiel. Die Diskussion wird dann unsachlich. Wir hatten aber keine Erfahrung mit einer solchen Situation, waren vielleicht etwas blauäugig. Angefacht wurde die Debatte, weil Frau Rottmann die Unwahrheit gesagt hat.

Haben Sie Sorge, dass eine der beiden Klagen – die einer Bürgerin und des BUND – Erfolg haben könnten? Ein Argument der Kritiker ist, dass bei der neuen Anlage die bestehenden mit- einbezogen werden müssten.

GERHOLD: Wir glauben, dass die Erfolgsaussichten der Klagen gering sind. Die Rechtslage ist nicht so, dass bestehende Anlagen miteinbezogen werden müssen. Unser Eindruck ist: Durch die Kampagne von Frau Rottmann sind völlige Fehleinschätzungen zustande gekommen, die leider erst auf gerichtlichem Wege korrigiert werden können. Frau Rottmann hat sich Kompetenzen angemaßt, die sie nicht hat, und falsche Tatsachen verbreitet und so ihre Verantwortung als Amtsträgerin gegenüber den Bürgern missbraucht – insofern ist ihr angekündigter Rückzug aus ihrem Amt folgerichtig.

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