Verbotene Waffen: Neonazis in Enkheim verhaftet

Polizei verhinderte Auseinandersetzung zwischen Rechten und Linken

Fast wäre es nach einer Antifa-Veranstaltung in Enkheim zum Aufeinandertreffen von Rechten und Linken gekommen. Das verhinderte die Polizei und nahm drei Neonazis wegen des "Mitführens verbotener Gegenstände" fest.

Bergen-Enkheim. Rund um das Volkshaus Enkheim lieferten sich Neonazis, Antifaschisten und die Polizei am Dienstagabend ein Katz-und-Maus-Spiel. Dorthin hatten die Partei ÖkoLinX-ARL und die Frankfurter "Antifa F" zum Vortrag über Neonazi-Strukturen in Bergen-Enkheim und im Rhein-Main-Gebiet geladen. Diese wollten die Rechten stören, hatten sie im Internet angekündigt. Auch die Polizei war dort, hielt die Gruppen auseinander, und verhaftete drei Neonazis weil sie unerlaubten Waffen hatten.

Eskalation mit Ansage

Doch zu dem Abend in Enkheim gab es bereits ein Vorspiel. Aus Antifa-Kreisen wurde bekannt, dass am Tag zuvor auf der Berger Straße zwei junge Neonazis drei Antifa-Mitglieder mit Pfefferspray attackiert hatten. Dabei kündigten die Neonazis an, den Infoabend stören zu wollen. Im Internet riefen Antifas daher auf, die eigene Veranstaltung zu schützen. Wie die Polizei bestätigt, standen Antifa-Mitglieder rund um das Volkshaus Wache, um nahende Neonazis rechtzeitig zu entdecken. Aber auch die Polizei lief dort Streife, um eingreifen zu können, sollte es zu Auseinandersetzungen kommen.

Nach dem Infoabend zogen die Teilnehmer nach eigenen Angaben zur Wohnung eines in Enkheim lebenden Mitglieds der Nationalen Sozialisten Rhein-Main. Bevor die Gruppen sich trafen, griff die Polizei ein. "Drei Mitglieder der rechten Szene wurden von einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit festgenommen und zum 18. Revier gebracht", so ein Polizeisprecher. Bei ihnen fanden die Beamten verbotene Gegenstände, darunter Pfefferspray, Messer und Teleskop-Schlagstöcke. "Gegen alle drei wurde Anzeige erstattet", bestätigt die Polizei. Nach zwei Stunden wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Begleitet von ihren Kameraden, zogen sie durch Enkheim.

"Es ist unbegreiflich, wie selbstbewusst sich die Neonazis an diesem Abend in Enkheim bewegen konnten, als ob der Stadtteil ihnen gehört", sagt ein Juso-Mitglied, das die Szenen beobachtet hat. Hans Christoph Stoodt, Sprecher der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt, fürchtet, dass die Neonazis Enkheim als neuen Treffpunkt etablieren. "Ihren bisherigen Treff in Echzell in der Wetterau verloren sie, weil der dort lebende Kamerad verhaftet wurde."

Diese Gefahr sieht Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) nicht. "Auch die Polizei, zu der ich engen Kontakt habe, teilt diese Auffassung nicht." Auch hätten die Bergen-Enkheimer bei der Kommunalwahl und der Demo im Juni den Rechten eine klare Absage erteilt. Sie bewundere den Mut, mit dem sich einige Bürger den Neonazis auf der Straße entgegenstellten und deutlich sagten: "Geht nach Hause!" "Aber wir beobachten die Situation genau. Sollten die Neonazis sich hier doch festsetzen, versuchen wir das mit allen Mitteln zu verhindern."

Enkheimer gegen Gewalt

Dass diesmal sogar Waffen im Spiel waren, findet die Ortsvorsteherin erschreckend. "Wenn beide Gruppen zusammentreffen, ist es immer gut, wenn die Polizei dazwischengeht und deeskaliert. Das hat sie bei der Demonstration im Juni und jetzt gut geschafft." Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Rechten und Linken wolle im Stadtteil niemand.hau

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