Wie aus dem Klapperfeld deportiert wurde

Initiative macht Listen ausfindig, die belegen, was mit 3300 Inhaftierten des Nazi-Polizeigefängnisses passiert ist

Das Polizeigefängnis Klapperfeld spielte in der Nazi-Zeit eine noch zentralere Rolle, als bisher angenommen. Davon ist "Faites votre jeu!" dank neuer Dokumente überzeugt.

Frankfurt. Ort von Deportationen: Das ehemalige Polizeigefängnis an der Klapperfeldstraße. Foto: WeisDer Initiative "Faites votre jeu!" hat verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig gemacht. Mehr als 3300 Menschen waren allein im Zeitraum von Februar 1943 bis Juli 1944 sowie im August 1942 betroffen. Es lässt sich damit nachweisen, dass viele Menschen vom Polizeigefängnis Klapperfeld an der Konstabler Wache aus etwa nach Auschwitz, Buchenwald oder an diverse andere Orte deportiert wurden.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat "Faites votre jeu!" bereits vieles über die Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses herausgefunden und veröffentlicht, was vor der Nutzung des Hauses, Klapperfeldstraße 5, durch die Initiative unbekannt war. Die nun entdeckten Dokumente, die etwa die Namen der Inhaftierten und die Orte, an die sie verschleppt wurden, enthalten, befinden sich im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen. Imke Kurz, Sprecherin der Initiative, sagt: "Die Listen zeigen, dass das Klapperfeld eine noch viel zentralere Rolle im Nationalsozialismus hatte, als bisher angenommen. Wir werden diese bislang unbekannten Quellen erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich machen."

Die neuen Quellen zeigen, dass Menschen aus vielerlei Gründen im Klapperfeld inhaftiert und von dort an unterschiedliche Orte verschleppt wurden. Juden wurden nach Auschwitz deportiert, politische Gefangene gewaltsam in andere Lager oder Haftanstalten, wie etwa das hessische Ziegenhain gebracht. Auch Zwangsarbeiter, die unter anderem in das Arbeitserziehungslager Watenstedt verschleppt wurden, finden sich auf den Listen.

"Mit diesen Listen lassen sich Lücken in der bisherigen Forschung schließen. Wir haben etwa herausgefunden, wann Cäcilie Breckheimer nach Auschwitz deportiert wurde", erläutert Kurz. Cäcilie Breckheimer wurde, weil sie Jüdin war, im Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und im Klapperfeld inhaftiert. Ein Interview mit ihrem Sohn Wolfgang Breckheimer, der als "Edelweißpirat" im Widerstand aktiv war, ist in der Ausstellung von "Faites votre jeu!" in dem ehemaligen Polizeigefängnis zu erleben. Er fragte sich Zeit seines Lebens, wie lang seine Mutter bis zu ihrer gewaltsamen Verschleppung noch in Frankfurt war. "Leider ist Wolfgang Breckheimer vor wenigen Wochen verstorben, so dass wir ihm diese Frage nicht mehr beantworten können. Daran wird aber deutlich, wie wichtig es ist, diese Quellen zu bearbeiten.", betont Imke Kurz.red

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