"Wir kämpfen für unsere Schule"

Protest gegen geplante Schließung von zwei Lehranstalten am Klinikum Höchst – Dezernentin prüft Alternativen

Auf dem Römerberg und in der Sitzung des Gesundheitsausschusses demonstrierten gestern etwa 120 junge Leute gegen die drohende Schließung von zwei Schulen am Klinikum Frankfurt Höchst. In der Sitzung machte Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann Hoffnung: Es sei noch nicht das Ende der Schulen, alternative Lösungen würden zurzeit geprüft.

Höchst. Melissa Chilcott (Mitte, mit Megafon) gehörte zu den etwa 120 jungen Leuten, die gestern auf dem Römerberg und in der Sitzung des Gesundheitsausschusses gegen die Schließung von zwei der fünf schulen im Ausbildungszentrum des Klinikums Höchst protestierten. Foto: Martin WeisMit Trillerpfeifen, per Megafon und auf Transparenten machten Schülerinnen und Schüler der Lehranstalt für Massage (36 Ausbildungsplätze) und der Lehranstalt für Ergotherapie (72 Ausbildungsplätze) am Klinikum Höchst ihrem Unmut in der Frankfurter City Luft. "Ich bin wütend und empört", sagte Manuela Gozo (29), während sie vor dem Römer Flugblätter gegen die geplante Schließung verteilte. Dabei ist sie selbst gar nicht betroffen. Sie ist im zweiten Semester und kann ihre Ausbildung wie geplant im Jahr 2013 beenden. Sie protestiert für jene jungen Leute, die an den beiden Schulen keinen Ausbildungsplatz mehr bekommen, weil ein Aufnahmestopp verhängt wurde. "Was wird aus denen, wenn diese Chance wegfällt?" fragt die 29-Jährige.

Geschockt

Melissa Chilcott hat sich ein Megafon geschnappt und formuliert lautstark ihren Protest. "Wir waren völlig geschockt, als uns die Schließung mitgeteilt wurde", sagt die 24-Jährige. Sie ist eine von knapp 100 Auszubildenden an den beiden betroffenen Schulen.

Wie berichtet, hatte die Geschäftsführung des Klinikums Höchst mitgeteilt, die beiden Schulen würden geschlossen. Wenn die letzten Schüler Ende 2013 die Massageschule und Ende 2014 die Ergotherapieschule verlassen, sei Schluss. Schüler, Lehrer und Betriebsrat des Klinikums waren ahnungslos – und entsetzt.

In der Sitzung des Gesundheitsausschusses kämpfte Marcus Reichau, seit 22 Jahren Leiter der Massageschule, mit leidenschaftlichen Worten für seine Einrichtung, unterstützt vom Beifall seiner Schülerinnen und Schüler. "Es muss weitergehen", forderte er. "Man kann die Schule nach 50 Jahren doch nicht einfach so wegfegen!"

Das werde die Stadt auch nicht, sagte Dezernentin Manuela Rottmann (Grüne). Gegen die beiden Schulen spräche allerdings, dass "sie Defizite einfahren" und die Tatsache, dass das Klinikum selbst seit Jahren nur wenige Schulabsolventen übernommen habe. "Wir bilden für andere aus, und das können wir uns nicht leisten", sagte die Stadträtin. "Wir arbeiten intensiv daran, dass wir für das Klinikum die schwarze Null erreichen." Es solle Höchst nicht so gehen wie anderen kommunalen Krankenhäusern, zum Beispiel in Wiesbaden, das mehrheitlich vom Rhönklinik-Konzern übernommen wird. Andererseits, so Rottman weiter, brauche das Klinikum Höchst dringend neue Ausbildungsgänge, zum Beispiel für Operationstechnische Assistenten. Dafür müssten Räume geschaffen werden.

Diese seien sehr wohl vorhanden, sagte Margarete Wiemer, Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Höchst, nämlich in der Krankenpflegeschule. Dafür müsste keine bestehende Schule geschlossen werden. Wiemer ist empört über die geplante Vernichtung von 108 Ausbildungsplätzen in den beiden Schulen, von denen derzeit 98 besetzt sind (zehn in der Schule für Ergotherapie sind frei) .

Karin Götsch, Leiterin der Schule für Ergotherapie, nannte "neue Ausbildungsgänge wunderbar, man sollte aber andere nicht ohne Not sterben lassen." Es sei noch keine Entscheidung gefallen, versicherte Stadträtin Rottmann, "die Debatte ist noch nicht zu Ende." Es würden derzeit verschiedene Alternativen geprüft, auch die Möglichkeit anderer Träger oder eines Ausbildungsverbundes.

Die Entscheidung müsse bald feststehen, sagte Schulleiter Reichau, "denn unsere Aufnahmefrist endet am 5. März". Die Dezernentin sprach eine kurzfristige Klärung. Eine Aufhebung des geltenden Aufnahmestopps lehnte sie ab: Wenn die Schulen dann doch geschlossen würden, stünden diese Schüler auf der Straße.

Ein erster Schritt

Melissa Chilcott, Organisatorin des Protests, war am Abend sehr viel optimistischer als vor der Sitzung. "Besser hätte es für uns heute nicht laufen können", sagte sie, warnte zugleich vor allzu großer Euphorie: "Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, gewonnen ist aber noch gar nichts." wa

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