Wir kämpfen weiter für Ruhe

Trotz der Niederlage der Gegner von Stuttgart 21 verzeichnen die Demonstranten am Flughafen einen neuen Rekord

Die Montagsdemos gegen den Fluglärm im Terminal werden immer größer. Rund 2500 Demonstranten waren gestern Abend dabei. Von Stuttgart abschrecken lassen will sich niemand.

Frankfurt. Vom Ausbau des Flughafens ist Flörsheim besonders betroffen. Daher sind viele Flörsheimer aktiv. Foto: Martin Weis Laut ist es am Flughafen fast immer – wenn nicht gerade Nacht herrscht. Dass man im Terminal sein eigenes Wort nicht versteht, ist aber selten. Doch gestern Abend war es wieder soweit. Trillerpfeifen ertönten in Massen, auch Trommeln, Glocken, eine Vuvuzela und sogar ein Topfdeckel machten Lärm. Bei der dritten Montagsdemonstration haben sie wieder "den Lärm zurückgebracht", wie auf einem Plakat zu lesen war.

Die Zahl der Protestler, die sich offiziell vor allem für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr einsetzen, steigt dabei von Woche zu Woche. Waren es bei der ersten Demo vor zwei Wochen laut Polizei noch 400 Teilnehmer, stieg diese Zahl über 1100 auf 2500 gestern Abend. "Wir sind wieder mehr", freute sich Berthold Fuld, Sprecher des Veranstalters, dem Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI).

"Wutbürger" war auf dem Pappschild einer Dame zu lesen. Dabei hatte gerade das, was sich dahinter verbirgt, am Sonntag eine Niederlage einstecken müssen. Stuttgart 21 wurde von den Baden-Württembergern nicht gestoppt. Selbst in Stuttgart, wo über Monate Tausende demonstrierten, fand der neue Tiefbahnhof eine Mehrheit. Fuld verwies auch auf eine andere Volksabstimmung in Zürich. In der Schweiz plädierte dort am Sonntag eine Mehrheit für den Flughafenausbau.

Grundrechte gelten

Und der BBI-Sprecher ist sich auch ziemlich sicher, dass eine Abstimmung in Hessen zugunsten des Flughafens ausfallen würde. Das lässt ihn aber nicht zurückschrecken: "Mehrheiten dürfen sich nicht über die Grundrechte von Minderheiten hinwegsetzen." Er meint den Lärm, der krank mache – auch tagsüber. "Ein Nachtflugverbot ist eine Linderung, reicht aber nicht aus", spricht Fuld all denen aus der Seele, die eine Schließung der neuen Landebahn Nordwest fordern.

Viel mehr Menschen seien seitdem betroffen, ist sich die Hochheimerin Elisabeth Schick sicher. "Wir leiden extrem unter dem Fluglärm." Dabei habe sie vor der Eröffnung der neuen Bahn gar nichts gehört. "Wir müssen die Probleme noch viel mehr Menschen klar machen", betont Schick. Denn beim nächsten Ausbauen seien auch die nächsten an der Reihe.

Jetzt schon mittendrin arbeitet Schwester Lucina Weiss aus dem Flörsheimer Marienkrankenhaus. Die medizinische Arbeit werde gestört. "Im Sommer wird es wie in einem Käfig werden." 30 Jahre arbeite sie in Flörsheim. Jetzt sei es wirklich schlimm. "Da muss die Politik etwas tun."

Politiker angereist

Die ist auch angereist. Grüne Fahnen sind – im Gegensatz zur ersten Demo – zu sehen. Auch die Frankfurter Flughafen-Ausbau-Gegner (FAG) sind da. Deren Wahlergebnis im März in Frankfurt war schlecht. "Da gab es die Beeinträchtigungen noch nicht", erklärt Ex-Parteichef Manfred Kappes. Nun aber leide die Bevölkerung – im großen Unterschied zu Stuttgart. "Der Protest wird nicht aufhören", ist er sich sicher.

Zumindest vorerst sind die Montagsdemos aber nur bis zum 19. Dezember angemeldet. Erste Auflagen gibt es auch schon, etwa Pausen für Sicherheitsdurchsagen. Das funktioniert gestern Abend aber noch kaum, trotz einiger Ordner, die unter anderem von "Eintracht gegen den Fluglärm" aus Niederrad gestellt wurden.

Eine besondere Idee hatten die Grünen aus dem Ortsbeirat 5 im Frankfurter Süden. Sie trafen sich im Anschluss direkt im Flughafen zur Fraktionssitzung. "Wir waren von Beginn an gegen den Ausbau auf diese Art", erklärte Fraktionschefin und Stadtverordnete Ursula auf der Heide, dass sich ihre Partei nun dem Protest anschließt. "Das ist kein Schaulaufen für uns."

Sie, selbst in Sachsenhausen lebend, hätte sich die zusätzliche Lärmbelastung "so nicht vorstellen können". Trotzdem würde sie bei eine Volksabstimmung in Hessen eine Niederlage erwarten. "Wir müssen dennoch mehr finden, die sich solidarisieren." Dann wird es im Terminal noch lauter. So laut, dass sich noch mehr Demonstranten selbst mit Oropax und Ohrenschützern behelfen müssen.ses

http://www.fnp.de/demo

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