"Wir würden gerne weitermachen"

Prinzenpaar bedauert, dass am Mittwoch alles vorbei ist

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Im Interview mit FNP-Mitarbeiter Horst Reber verblüffen Marcus Rahner und Ingrid Ziemann wenige Stunden vor Ablauf ihrer närrischen Regentschaft dann doch ein wenig.

Frankfurt. Sie regieren noch bis morgen Abend: Die Fastnachts-Tollitäten Marcus I. (30) und Ingrid II. (49).Von Müdigkeit keine Spur. Ganz im Gegenteil: Ingrid II. küsste alle, die beim Interview zuhörten, herzhaft auf beide Wangen. Inklusiv Reporter.

Ist der Aschermittwoch ein schlechter Tag für das Frankfurter Prinzenpaar?

INGRID II.: Dass am Aschermittwoch alles zu Ende geht, ist sehr schade. Ganz ehrlich: Wir würden auch gerne noch verlängern. Denn unsere Rolle hat uns trotz des gewaltigen Aufwands quasi Tag und Nacht enorm viel Spaß gemacht. Es ist einfach toll mal Prinz und Prinzessin in Frankfurt zu sein. Schauen Sie mal, ich durfte am laufenden Band ein ganz tolles edles Kleid anziehen, das ganz auf meine Figur geschneidert war. Überall gabs großen Applaus, so was gefällt einem doch, insbesondere einer Frau, die täglich wie ich als Friseurmeisterin mit Schönheit und Aussehen im Beruf zu tun hat.

Mal ganz ehrlich: Sind Sie nach den rund 160 offiziellen Terminen mit Dauerlächeln und Narhalla-Marschbegleitung bei Vereinsbesuchen, Sitzungen, Besuchsterminen in Altersheimen und Kindergärten, Firmen und offiziellen Veranstaltungen aller Art, nach vier Wochen nie müde geworden und haben gedacht: Heute Abend möchte ich aber mal lieber daheim bei der Familie oder nur mal auf der Couch bleiben?

MARCUS I.: Man könnte so was vielleicht vermuten, aber sowohl ich, als auch Ingrid sind Fastnachter mit Leib und Seele. Da kann man von der Fassenacht doch nie genug kriegen. Die Termine waren für uns beide deshalb keine übliche Arbeit mit Stressfaktor, sondern, ganz, ganz ehrlich, pures Vergnügen der besonderen Art.

Also fast ein Dauerbad in Adrenalin?

INGRID II.: Adrenalin und Disziplin, das hat aber alles gepasst. Sehen Sie, wir hatten eine perfekte Organisation mit professionellem Fahrservice im Rücken. Von Präsident Klaus Fischer bis zu Hofmarschall Peter Ruhr und allen weiteren Helfern im Orga-Team – alle Termine, jeder Auftritt war durchdacht und bis ins kleinste Detail für uns vorbereitet. Bis zu den Namen der vielen Vereinspräsidenten, Ehrengästen oder Leitfiguren vor Ort – wir wussten alles, wir waren bestens instruiert worden. Wir waren sogar um die diversen Besonderheiten an unterschiedlichen Orten im Bilde.

Was kam da beispielsweise in Frage?

INGRID II.: Nun, unter anderem die Tatsache, dass man in Seckbach das Publikum um Gottes Willen nicht mit einem donnernden "Frankfurt Helau", sondern korrekterweise und traditionell mit "Meck-Meck" begrüßt. Kleinigkeiten, sagt vielleicht der eine oder andere. Mag ja sein, aber, wehe, man weiß so was nicht als Prinzenpaar.

Welcher Fehler sollte auch nicht passieren?

INGRID II: Beispielsweise ein Gastgeschenk, vielleicht einen schönen Blumenstrauß in der Aufregung auf der Bühne liegen zu lassen. Ist uns aber glücklicherweise nicht passiert.

Wie haben Sie sich für Ihre Rollen fit gemacht? Gabs gab‘s vorher ein Training?

MARCUS II: Wir kommen ja beide aus der Fassenacht. Wir haben im Großen Rat ja schon lange ehrenamtlich mitgearbeitet, beispielsweise auch in den Tanzgarden oder auch in der Bütt. Wir waren also ziemlich im Bilde, was so alles auf uns zukommt. Trotzdem haben wir aber bei Karl Oertl, dem bekannten Büttenredner, Moderator und Fastnachts-Original, die Sprachschule besucht. Das heißt: Mit ihm haben wir die freie Rede und gewisse Reaktionen geübt und Eventualitäten besprochen. Das hat gefruchtet, das hat uns – auch ganz objektiv jetzt im Rückblick wirklich geholfen.

Also auch das Selbstbewusstsein gestärkt?

MARCUS I: Wenn Sie so wollen, ja. Aber wir beide hatten schon bei Antritt jede Menge, wir ja schließlich auch spontan in die Rollen gesprungen, als uns der Große Rat am 8. November gefragt bzw. nominiert hat.

Und wie kombinierten Sie die vielen Auftritte mit ihren berufliche Verpflichtungen, zum Beispiel im Friseursalon mit der Kundschaft, die letztlich auch anspruchsvoll ist?

INGRID II.: Kein Problem, morgens habe ich in meinem Geschäft gewaschen, geföhnt, gesträhnt und gefärbt, abends traf ich manche Kundin dann vielleicht in einem Sitzungssaal in voller Montur mit meiner Frisur wieder. Das war doch richtig nett. Und es gab den ganzen Tag etwas zu Lachen, insbesondere auch mit den Kunden, die teilweise sogar ihre eigenen Lieblingswitze zur Belustigung der ganzen Kundschaft mitgebracht haben. Da wurde sogar unter den Trockenhauben herzhaft gelacht.

Würden Sie sich demnach auch ein zweites Mal als Tollitäten zur Verfügung stellen?

INGRID II. und MARCUS I.: Aber klar, leider geht so was aber nicht. Das neue Prinzenpaar können wir schon jetzt beglückwünschen. Das ist etwas fürs ganze Leben.

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