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Frisiersalon im Klassenzimmer
Ungewöhnlicher VHS-Kurs verschafft Ausländern echte Chancen
Migranten mit wenig Deutschkenntnissen haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer. Für sie gibt’s jetzt Hilfe bei der Volkshochschule.
Hofheim. «Der Kurs ist eine Super-Sache», ist Anja Matthias richtig zufrieden mit der Premiere eines außergewöhnlichen Projekts an der Volkshochschule Main-Taunus. Im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werden Menschen ganz gezielt geschult und begleitet, damit sie es besser schaffen, Arbeit zu finden.
Die Teilnehmer werden vom Job-Center ausgesucht. 20 Migranten, die bisher vergeblich versucht hatten, eine Arbeit zu finden, starteten in den ersten Kurs. Vor allem berufsbezogenes Deutsch wird dort erlernt und geübt. «Ein Mann, der Friseur ist, hat sich im Unterrichtsraum einen Salon eingerichtet», berichtet Anja Matthias, wie praktisch es zuging. Ein anderer Kursteilnehmer habe dann den Kunden gespielt. Schnell habe sich die Tafel mit einer ganzen Reihe von Vokabeln gefüllt, so Matthias, gespeist von der Begrüßung und der Frage nach den Wünschen des Kunden bis zur Benennung aller Geräte und einer kleinen Unterhaltung beim Frisieren.
30-Stunden-Woche
Neben dem gezielten Deutsch-Training standen auch Mathematik und EDV-Grundlagen auf dem Stundenplan, der wöchentlich 30 Unterrichtseinheiten umfasst. Eine Lehrerin kümmert sich speziell um das Bewerbungstraining, bei dem auch die passende Kleidung oder das richtige Benehmen bei Vorstellungsterminen Themen sind.
Ein vierwöchiges Praktikum, das sich die Teilnehmer selbst suchen müssen, stand am Ende des Kurses. «Das ist Türenkratzen», hat Anja Matthias mitbekommen, wie viel Hartnäckigkeit dazu nötig ist. Einige Male hat sie auch selbst zum Telefonhörer gegriffen, um eine Bewerbung noch einmal zu unterstützen. Für einen 59-jährigen Mann, der in Russland in der Metallverarbeitung tätig war, hat sich diese Kurs-Phase besonders gelohnt: Der Praktikumsbetrieb hat ihn mittlerweile eingestellt.
Einige andere Kursteilnehmer haben im Praktikum zumindest eine Perspektive gefunden. So macht eine Frau aus Kasachstan, deren Erzieherinnenausbildung in Deutschland nicht anerkannt wurde, jetzt hier die Ausbildung noch einmal. Eine andere wird ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte beginnen. Eine Kellnerin, die gern einen anderen Beruf gefunden hätte, hat sich doch wieder fürs Kellnern entschieden.
Sechs der am Kursende noch sieben Männer und zehn Frauen wissen sicher, wie’s nach dem letzten Unterrichtstag am 23. Juli für sie weiter geht. Einige andere seien noch intensiv dabei, sich zu bewerben, sagt Matthias. Für die Volkshochschule eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.
Positive Erfahrung
«Es ist klasse, die Chance zu haben, Menschen wirklich zu unterstützen», hat Anja Matthias die Premiere für sich als sehr positive Erfahrung verbucht. Einzige Schattenseite: der bürokratische Aufwand. Er sei wegen eines dicken Katalogs von Vorschriften und Nachweisen hoch, denn die Mittel gibt’s aus dem Europäischen Sozialfonds – und die EU ist bekanntlich besonders gut darin, für Verwaltungsarbeit zu sorgen. babs babs


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