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Beim Kalbacher Kinderverein besprechen die kleinen Leser im Internet ihre Bücher selbst
Kleine Literaturkritiker: Tim, Katharina und Moritz (von links) besprechen alle vier Wochen Bücher für das Online-Angebot der «Kalbacher Klapperschlange», dem Leseprojekt und einzigen Literaturpreis, in der Kinder den Sieger küren, des Kindervereins Kalbach. Foto: Martin Weis
Von Julia Rösch
«Literarisches Quartett» mal anders: Alle vier Wochen besprechen junge Leser des Kalbacher Kindervereins Bücher und veröffentlichen ihre Diskussion als Podcast im Internet.
Kalbach. Bevor die Tonaufnahme beginnt, macht Katharina die Schranktür auf. Das verschluckt den Schall, erklärt die Elfjährige; «so hallen die Stimmen weniger.» Dann setzt sie sich zu ihren beiden Freunden Tim und Moritz, beide zwölf, die sich schon dicht am Mikro des kleinen Diktiergerätes in Position gebracht haben. «Seid ihr bereit?», fragt Katharinas Vater, Jochen Stolla. Er hat eine ruhige und geschulte Stimme; man merkt, dass er beim Radio arbeitet. Die Kinder nicken. Tim blättert etwas nervös durch das Buch in seiner Hand, um das es gleich geht. Stolla drückt auf «Record», die rote Lampe blinkt: «Willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts.»
Im Internet zu hören
So läuft es meistens ab, wenn Jochen Stolla mit zwei oder drei Kindern im Zimmer unter dem Dach seines Reihenhauses sitzt und Bücher bespricht für das Online-Angebot der «Kalbacher Klapperschlange», einem Leseprojekt des Kindervereins Kalbach. Stollas Frau ist Vorsitzende des Vereins, beide Töchter lesen gern. So kam er im vergangenen Jahr auf die Idee, aus dieser Leidenschaft eine Podcast-Reihe zu machen – also im Internet abrufbare Radiosendungen.
Seitdem sind acht Podcasts auf der Internetseite hochgeladen, immer im Abstand von vier bis fünf Wochen. Pferdebücher haben die Kinder besprochen, Geschichten über Freundschaft und manchmal auch ziemlich ernste Bücher. «Schattenkinder» heißt der Roman, den Katharina, Moritz und Tim diesmal vorstellen; eine düstere Story: Sie spielt zu einer fiktiven Zeit, in der Frauen nicht mehr als zwei Kinder bekommen dürfen – alle weiteren werden verfolgt. Ein trauriges Buch», finden die drei Leser.
Bei der bloßen Beschreibung bleibt es allerdings nicht; Jochen Stolla fragt nach: «Wie würdet ihr die Hauptpersonen beschreiben? An welche Länder erinnert euch die Situation im Buch?» Moritz, Tim und Katharina geben aufgeweckte Antworten. «Ich möchte anderen erzählen, wie ich ein Buch finde und ob es sich lohnt, es zu lesen», erklärt Moritz, warum er mitmacht. Katharina ist ein Profi, sie ist von Anfang an dabei. «Meistens schlagen wir die Bücher vor», erzählt sie. «Schattenkinder» haben sie in der Schule gelesen, manchmal trifft es auch Romane, die für den Literaturpreis der «Kalbacher Klapperschlange» vorgeschlagen wurden, der nur von Kindern vergeben wird. Oder es sind einfach Bücher, die Katharina und ihre Bekannten gelesen haben und über die sie reden möchten.
Spaß bei der Sache
Kindern gewisse Literaturkompetenzen zu vermitteln und den Spaß am Lesen zu fördern, war Jochen Stollas Ziel, als er den Podcast ins Leben gerufen hat. Er war erstaunt, wie gut das Projekt von Anfang an funktioniert hat. Große Vorbereitungen sind nicht nötig; höchstens wird vorher besprochen, wie der Autor ausgesprochen wird oder eine Verständnisfrage geklärt. «Die Mädchen und Jungen sind mit Spaß bei der Sache, albern aber nicht so viel nicht herum, dass ich aus den Aufnahmen viel herausschneiden muss. Und sie kommen gern wieder. Meistens hört man die gleichen.» Aber auch neue Gesichter – und neue Stimmen – sind stets willkommen.
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