"Den da schaff‘ ich mir an"

Hünfelden-Kirberg. Wenn man heute fragt, "wer denn wen geheiratet hat", also von wem der beiden die Eheschließung stärker betrieben wurde, bekommt man keine definitive Antwort. Fakt ist jedoch, dass Margot damals am Küchenfenster stand, einen feschen jungen Mann vorbei gehen sah, und zu ihrer Schwester Lina sprach: "Den da schaff‘ ich mir an". Das geschah dann aber erst Wochen später im Mai 1946 und das richtige "Festmachen" der Beziehung sechs Jahre später. Am 23. Februar 1952 wurden sie in der evangelischen Kirche in Limburg getraut. Zu Hause konnte man nicht kirchlich heiraten, weil beide unterschiedlichen Konfessionen, evangelisch und katholisch, angehören.

Die Landwirtschaft

Margot entstammt einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Langgasse 46 (heute Burgstraße 22), wo sie schon in jungen Jahren kräftig anpacken musste, zumal Vater und Bruder zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Deshalb gab es für sie nach der Volksschule keine Alternative. Sie wurde als vollwertige Arbeitskraft in der Landwirtschaft eingesetzt. Erst viel später konnte sie ein Hobby zum zusätzlichen Broterwerb nutzen. Sie arbeitete, als die Kinder groß waren, 19 Jahre lang bei der Fa. Weyl in Hahnstätten, wo sie in der Herstellung von Frauenbekleidung eingesetzt war.

Kurt Faulhaber wurde in Steinberg/Sudetenland geboren, wo er von den Tschechen vertrieben wurde, über das Auffanglager Villmar mit Mutter und Geschwistern nach Kirberg kam. Hier kamen sie bei Bauer Werner in der Bubenheimer Straße unter, wo er in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Einige Zeit später kam es zu der für die beiden "schicksalhaften" Begegnung bei einem Spaziergang zum Weißen Berg, wohin sie beide mit Kumpel bzw. Freundin unterwegs waren.

Sechs Jahre später läuteten die Hochzeitsglocken. Nach der Eheschließung bezogen sie Mietwohnungen zunächst in der Limburger Straße und der Wassergasse, bis sie im Jahre 1968 mit dem Bau eines Zweifamilienhauses im Weiherweg begannen. 1969 war Einzug in das Haus, das fast komplett in Eigenregie entstanden war. Dies ist besonders Kurt nicht schwer gefallen, denn er ist gelernter Schreiner und hat handwerklich auch sonst ein geschicktes Händchen. Seinem Broterwerb ging er bei der Schreinerei Weimer in Limbach nach, später bei den amerikanischen Streitkräften in Wiesbaden, bei Möbel-Hingott in Limburg und dann beim Bundesbahnausbesserungswerk in Frankfurt, wo er 25 Jahre bis zum Renteneintritt beschäftigt war. Seine Freizeit gehörte "unumschränkt und einzig" dem Flugmodellbau. Auch mit "manntragenden" Seglern und Motorseglern hatte es der Pilotenscheininhaber ausgesprochen gerne zu tun. Er war Mitbegründer der Flugsportgruppe Elz, erhielt über diese das Vereinsabzeichen in Silber und vom Deutschen Aero Club das Silberne Leistungsabzeichen nach über 1000 Starts. Bis zu einer Erkrankung in 2010 war er regelmäßig in seiner Werkstatt im Keller anzutreffen. Dagegen verbrachte Margot die freie Zeit, die ihr Haushaltsführung und Kindererziehung ließen, in der Handball- und Turnabteilung des TSK, später in der Ortsgruppe des DRK. Auch ihre Sammlung von Puppen, der sie reizende Kleidchen nähte, ist beachtlich.

Zum diamantenen Ehejubiläum gratulieren als erste zwei Söhne mit Partnerinnen, vier Enkel- und zwei Urenkelkinder. Wer darüber hinaus gratulieren möchte, ist ab 10.30 Uhr im Weiherweg 13 gerngesehener Gast.wu

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