Sieben Wochen ohne...

... Lügen und falsche Versprechungen stattdessen mit Achtsamkeit und Fürsorge

Die Möglichkeiten, die Fastenzeit aktiv zu nutzen, sind vielfältig. In der evangelischen Kirchen gibt es die Aktion "7 Wochen ohne. . .", zum Beispiel sieben Wochen ohne Lügen. Der Limburger Weihbischof Thomas Löhr machte gestern, Aschermittwoch, klar: Ohne Umkehr kein Fortschritt.

Nassauer Land. Katharina Isack, Teresa Hahnel und Matthias Marschall aus dem Westerwald wissen: Lügen haben kurze Beine. Deshalb heißt es für sie: Sieben Wochen ohne Schummelei, Notlügen und kein Beschönigen. "Fasten hat nicht das individuelle Wohlfühlen im Blick, nicht das weniger Essen und Gewicht reduzieren. Es geht nicht um dies oder das, sondern um Gott!", sagte Weihbischof Thomas Löhr, der gestern Morgen im Limburger Dom das Aschenkreuz spendete. Wer in der Fastenzeit zu sich selber finden wolle, müsse im Blick haben, dass er als Abbild Gottes geschaffen worden sei. Wer auf rechte Weise mit anderen umgehen wolle, müsse in gleicher Weise den Mitmenschen als Ebenbild Gottes anerkennen und wertschätzen.

Der Mensch sei das einzige Geschöpf, das Verantwortung für andere, für seine Welt und seine Umwelt wahrnehmen könne. Dies gelinge im Alltag allerdings kaum. Das Herz eines Menschen dürfe nie von privaten Angelegenheiten und Problemen so in Anspruch genommen sein, dass es taub für die Anliegen des Nächsten ist. Die Fastenzeit soll daher auch eine Zeit sein, die geprägt ist von gegenseitiger Fürsorge und einer Achtsamkeit für das Wohl des Anderen, machte Löhr deutlich.

Umkehr ist wichtig

In der Fastenzeit werde deutlich, dass es keinen Fortschritt ohne Umkehr gebe. Deshalb sei die Umkehr zum lebendigen Gott das Thema der Fastenzeit schlechthin. "Wer meint, immer schon perfekt zu sein und niemals zugeben kann, etwas falsch gemacht zu haben, wird die Einsicht in die Umkehr nicht zulassen können. Und doch gilt es, die eigene Praxis zu hinterfragen und hinterfragen zu lassen: Es gibt keinen Fortschritt ohne Umkehr", verdeutlichte der Weihbischof in seiner Predigt.

Die Jugendkirche des Dekanates Selters/Ww. "Way to J" lässt sich in diesem Jahr auf eine ganz besondere Fastenaktion ein: Die jungen Leute wollen sieben Wochen lang nicht lügen. Keine Schummelei, keine Notlüge, kein Beschönigen, nichts. Matthias Marschall, Katharina Isack und Teresa Hahnel sind drei der insgesamt rund 20 Jugendlichen, die sich auf das Experiment einlassen. Ein Experiment, das wahrscheinlich eine ganz harte Nummer wird.

Die kleinen Übertreibungen

Schließlich sind es nicht die großen Lügen, die den jungen Leuten Sorgen machen. "Es sind diese kleinen Übertreibungen, mit denen ich oft unbewusst Dinge ausschmücke, damit sie noch einen Tick spektakulärer klingen", sagt die 21-jährige Teresa Hahnel. "In Gesprächen passiert mir das auch oft: Wenn ich eigentlich eine andere Meinung als mein Gegenüber habe, sage ich manchmal ‘Du hast recht‘, um einer unangenehmen Diskussion aus dem Weg zu gehen. Oder die klassische Restaurantfrage: Hat‘s geschmeckt? Wie oft ich da schon nicht die Wahrheit gesagt habe. . ."

Ohne falschen Ehrgeiz

Karriere, Körper, gut gepflegte Netzwerke – das sind alles Aktivposten in einem Leben voller Potenziale und Optionen. Bildung, Schönheitsbehandlungen, Therapien: ein Heer an Dienstleistern steht bereit, um aus uns allen das Letzte rauszuholen. Das Bekenntnis zu Grenzen und Schwächen käme einer Bankrotterklärung der eigenen Chancen gleich.

"7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz" lautet deshalb das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirchen. "7 Woche ohne. . ." klinge vor diesem Hintergrund wie eine Aufforderung zum Scheitern, ein Lockruf der Sünde in einer optimierten Welt. "Gut genug!", lautet die Botschaft, mit der die Aktion auf den Weg gegeben wird. Sieben Fastenwochen es gut genug sein lassen und den Blick schulen für den Punkt, wo‘s reicht. Es dürfe dabei Zufriedenheit aufkeimen mit dem Gegebenen, dem Geschenkten, und es dürfe Wissen aufleuchten um die Unverfügbarkeit des Glücks. Jenseits allen Werkelns habe der Mensch einen Wert an sich. jl

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