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Südumgehung durch Blumenrod
Vorentscheidung: Ortsferne Trasse zu teuer – Lenkungsausschuss stellt nach sieben Jahren die Arbeit ein
Seit Jahrzehnten diskutieren und streiten die Limburger über eine Südumgehung. Jetzt hat der sogenannte Lenkungsausschuss, der sich seit sieben Jahren mit den verschiedenen Varianten beschäftigt, die Vorentscheidung getroffen: Die Festlegung auf die Alttrasse mitten durch Blumenrod ist eine faustdicke Überraschung.
Von Joachim Heidersdorf
Limburg. ![]()
Die blaue Linie markiert den Streckenverlauf, den die beteiligten Stellen dem Bund für die Südumgehung vorschlagen. Die rote Linie zeigt die bislang favorisierte Variante 1.. Jahrelang mussten sich Bürgermeister, Stadtregierung und die Planer im Straßenbauamt den Vorwurf gefallen lassen, sie beharrten auf der südlich um Blumenrod herumführenden Variante 1 und würden die Alternativen nicht mehr ernsthaft prüfen. Diese Kritik war offensichtlich unberechtigt. Die überraschende Entscheidung des Lenkungsausschusses für die mitten durchs Wohngebiet verlaufende Alttrasse (Variante 2) wird jedoch mindestens ebenso massiven Protest hervorrufen.
In der CDU-Fraktion schlug die Nachricht gestern Abend wie eine Bombe ein. Bürgermeister Martin Richard berichtete seinen bei den Pallottinern tagenden Parteifreunden persönlich über die neue Entwicklung; die Fraktionschefs von SPD und FWG informierte er telefonisch.
Die CDU, die bis zur Kommunalwahl im Frühjahr über die absolute Mehrheit in Limburg verfügte, hatte sich stets für die Variante 1 ausgesprochen, in einer öffentlichen Versammlung im März diesen Jahres aber plötzlich einen Bürgerentscheid in Aussicht gestellt. Die SPD war von Anfang an für eine Umgehung auf der Alttrasse: Sie soll von Holzheim aus kommend durch eine westliche Umfahrung des 2. Bauabschnitts Blumenrod angebunden werden, um zusätzlichen Verkehr in der oberen Holzheimer Straße zu vermeiden. Der eigentliche Streckenverlauf soll in einem Tunnel zwischen Großbachtal und Wiesbadener Straße erfolgen. Die beiden Röhren sollen zwischen Goethe- und Uhlandstraße in der Erde verschwinden. Nicht nur für die FDP ist das eher eine Stadtautobahn als eine Umgehung.
Wann und ob dort jemals gebaut werden wird, steht freilich nach wie vor in den Sternen. Die hohen Kosten – derzeit auf rund 67,5 Millionen Euro geschätzt – könnten das Projekt weiter auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Die in einer Bürgerversammlung auch von den Verantwortlichen des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) favorisierte ortsferne Variante 1 würde allerdings noch wesentlich teurer werden. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels müsste die Umgehung in einen Betontrog gelegt werden: Die Kosten würden mehr als 100 Millionen Euro verschlingen.
Keine politische Entscheidung
Die von der FDP geforderte Variante 3 (von Diez aus weitläufig um Limburg herum auf die B 8 bei Lindenholzhausen) hatte keine Chance.
Bürgermeister Martin Richard sieht das Ergebnis nicht als politische Niederlage. Es handele sich schließlich um keine politische Entscheidung, sondern ausschließlich um eine fachliche Bewertung nach Vorlage zahlreicher Gutachten und Untersuchungen. In diesem Sinne versuchte er gestern Abend auch die CDU-Fraktion davon zu überzeugen, "die fachlich bessere Lösung" zu akzeptieren. "Sonst wird Limburg in diesem Gebiet nie vom Verkehr entlastet", sagte der Rathauschef nach der Sitzung der NNP.
Jetzt müsse die Stadt abwarten, wie der Bund entscheide. Deshalb machten politische Diskussionen und Auseinandersetzungen laut Richard zum gegenwärtigen Zeitpunkt relativ wenig Sinn.
Dem Lenkungsausschuss haben Vertreter der Städte Limburg und Diez, der Straßenbaubehörden aus Hessen und Rheinland-Pfalz sowie weiterer Fachdienststellen angehört. Das Gremium hat nach fast siebenjähriger Zusammenarbeit seine Arbeit abgeschlossen. Die in elf Sitzungen erstellten Unterlagen sollen nun dem Bundesverkehrsministerium zum Kostenmanagement vorgelegt, die Träger öffentlicher Belange vorher nur noch informiert, aber nicht mehr beteiligt werden.
Nach Angaben von Martin Richard ist die vergleichende Bewertung der verschiedenen Varianten in den Bereichen Umwelt, Städtebau, dem "Schutzgut" Mensch, Verkehr und Kosten erfolgt. Er verwies auf "die Tiefe der Untersuchungen", die in diesem Stadium der Vorplanung sonst nicht durchgeführt würden. Die Erkenntnisse, insbesondere bei der Hydrogeologie und der Kostenfrage, seien für die Entscheidung äußerst wichtig gewesen. Weitere Gutachten seien vorerst nicht geplant.
Richard erläuterte, dass die Stadt in der Bauleitplanung der vergangenen Jahre bewusst die Flächen für beide Trassen offen gehalten habe. Die Erkenntnisse über die Feinstaubbelastungen in der Innenstadt, besonders von Diezer Straße und Schiede, zeigten, wie wichtig die mittelfristige Realisierung einer Südumgehung sei. Das Land hätte dieses Projekt auch in den Entwurf des Luftreinhalteplanes für Limburg als wichtigste Maßnahme aufgenommen, so Richard, um in der City Entlastungen zu erreichen.
Eine Anbindung an alle Holzheimer Varianten sei möglich, so dass dort unabhängig von Limburg eine Entscheidung getroffen werden könne.
Alle Gutachten sollen bald in ihrer endgültigen Form auf der städtischen Homepage veröffentlicht werden.



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