Auf Rolf Wüst wartet viel Arbeit

Der 72-Jährige löst Bernd Christ als Ortsgerichtsvorsteher für Zeilsheim und Sindlingen ab

Elf Jahre hat sich Bernd Christ als Ortsgerichtsvorsteher für Zeilsheim und Sindlingen engagiert. Jetzt gibt er das verantwortungsvolle und arbeitsintensive Amt an seinen Nachfolger Rolf Wüst ab.

Zeilsheim. Bernd Christ (rechts) übergibt das Tagebuch 2011/2012 an Nachfolger Rolf Wüst. Foto: Maik Reuß Es hat sich so einiges angesammelt in elf Jahren: 15 prall gefüllte Ordner stehen im Arbeitszimmer von Bernd Christ und warten auf ihren Umzug ins Büro des neuen Ortsgerichtsvorstehers – ab heute ist sein Nachfolger Rolf Wüst im Amt. Daneben Magazine, Fachbücher und fünf Tagebücher, in denen Christ jede Amtshandlung exakt protokolliert hat. 4000 Dienstleistungen hat er im Laufe seiner Amtstätigkeit verrichtet.

Er blättert das schwarze Tagebuch auf und gewährt Einblick: Beglaubigungen von Unterschriften und Urkunden, Schätzungen von Immobilien und Grundstücken und immer mal wieder Nachlasssicherungen. Die gehörten für ihn zur unliebsamen Pflicht eines Ortsgerichtsvorstehers. Nicht gerne erinnert sich Christ an die Momente, wenn er in die Wohnungen der Verstorbenen schauen musste, ihr Hab und Gut, ihre Taschen und Schubladen sichten musste. "Das brauche ich jetzt nicht mehr tun.", sagt der 69-Jährige heute mit einer Spur Erleichterung. "Doch glücklicherweise", lässt er wissen, "kamen die Nachlasssicherungen nicht so häufig vor."

3000 Tagebuch-Einträge

Insgesamt 3000 Einträge im Tagebuch des Ortsgerichtsvorstehers lassen erahnen, welche Anforderungen es gibt. "Das Amt muss permanent bedient werden", erklärt Christ. Und zwar mit Verantwortung, Fingerspitzengefühl, mit absoluter Verschwiegenheit, Lebenserfahrung, Fachwissen und einem guten Team an der Seite. Ausdrücklich lobt er die zurückliegende Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Team, den zwei Stellvertretern und zwei Schöffen. Christ freut sich nun, sich seiner Passion, der Heimat- und Geschichtsforschung, widmen zu können. Zehn Jahre sind für die Amtszeit des Ortsgerichtsvorstehers vorgesehen. Christ blickt nun auf elf Jahre zurück. Ein Jahr hatte es gedauert, bis sein Nachfolger feststand.

Rolf Wüst ist mittlerweile vereidigt, hat die 15 Aktenordner in sein Büro geräumt und bereitet sich auf seine erste Sprechstunde vor. Nein, kalte Füße bekomme er nicht, wenn er das Resümee seines Vorgängers hört. Gelassen blickt Wüst seinen neuen Herausforderungen entgegen. Ehrenamtliches Engagement ist für den Zeilsheimer nicht unbekannt. Seit 1978 war Wüst im Vorstand des Zeilsheimer Vereinsrings tätig. 2010 hat er seinen langjährigen Posten als Geschäftsführer abgegeben.

Für zehn Jahre

Seine Vorstandskollegen vom Vereinsring, Bernd Bauschmann und Alfons Gerling, hatten Wüst als neuen Ortsgerichtsvorsteher ins Spiel gebracht. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", erklärt er. Immerhin hat er sich mit seinem neuen Amt für zehn Jahre festgelegt und ist mit 72 Jahren in einem Alter, in dem sich manch andere aus Altersgründen aus dem Ehrenamt verabschieden. Intensiv hatte er das Thema nicht nur mit seiner Frau, sondern auch mit seinem Arzt besprochen. Beide hatten grünes Licht gegeben. Er fühle sich topfit und freue sich auf den Kontakt mit den Bürgern.

Heute hat Wüst seine erste Sprechstunde. Der Termin ist geblieben: von 17 bis 18 Uhr im Clubraum zwei der Stadthalle, Bechtenwaldstraße 17.ehm

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