Beim Strom auf eigenen Beinen stehen

Die Linken fordern, dass sich der Main-Taunus-Kreis um die kommunale Energieversorgung kümmert

Die Partei möchte auch, dass der Kreis eine Kosten-Nutzen-Analyse erarbeitet. Überhaupt kommt die Debatte über das Thema gerade wieder in Gang.

Von Manfred Becht

Main-Taunus. Der Einstieg in die Energieversorgung ohne Atomstrom kann nur auf Ebene der Kreise, Städte und Gemeinden gelingen – davon sind wenigstens die Linken im Main-Taunus-Kreis überzeugt. Sie fordern daher eine aktive Rolle des Main-Taunus-Kreises, und zwar in Form eines Eigenbetriebes oder einen Zweckverband der Kommunen zur Erzeugung und Verteilung von Energie. Die Linken haben einen Antrag für den Kreistag vorgelegt, mit dem der Kreisausschuss beauftragt werden soll, die notwendigen Schritte zu prüfen.

Auch die Linken sind der Ansicht, dass einzelne Kommunen mit einer eigenen Energieversorgung überfordert sind. Der Kreis soll daher ermitteln, welche der Städte und Gemeinden sich vorstellen können, sich an einem gemeinschaftlichen Vorhaben zu beteiligen. Bekanntlich wird in Hofheim in dieser Richtung gedacht (das Kreisblatt berichtete). Die Kreisstadt hat mit einer Reihe von Taunus-Orten – auch außerhalb des MTK – gemeinsame Untersuchungen angestellt. Am meisten Interesse haben Niedernhausen und Waldems gezeigt.

Kein Haushaltsloch stopfen

Die Linken möchten auch, dass der Kreis eine Kosten-Nutzen-Analyse erarbeitet, in die nicht nur finanzielle, sondern auch ökologische und soziale Aspekte eingehen. Rein wirtschaftlich kann sich die eigene Stromversorgung durchaus lohnen, wie eine Untersuchung gezeigt hat, die die Gruppe der Kommunen um Hofheim in Auftrag gegeben hat.

Allerdings wird in dem Zusammenhang auch vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. Die Energieversorgung sei kein Mittel, um den städtischen Haushalt zu sanieren, erklärt der Kelkheimer CDU-Politiker Hans-Jürgen Reuling, der sich in den vergangenen Jahren häufig mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Er bezieht sich auf weitreichende Hoffnungen, die der Niedernhausener Bürgermeister Günter Döring (SPD) zu den finanziellen Möglichkeiten geäußert hat. Reuling dagegen erinnert auf den Investitionsbedarf, der mit einer Übernahme der Stromnetze durch die Kommunen verbunden sei.

Finanzielle Vorteile verspricht sich aber auch die Stadt Hofheim. Die möchte das Stromnetz kaufen und an eine Gesellschaft verpachten, die sie gemeinsam mit einer Fachfirma aus der Branche gründet will. So fließen nicht nur die Konzessionsabgaben, sondern auch die Pacht in die Stadtkasse. Alle Aspekte genau zu prüfen, das ist auch Reulings Anliegen. Er schlägt vor, dass auf Kreisebene ein entsprechender Arbeitskreis eingerichtet wird, der mit Fachleuten und Politikern besetzt ist.

Dass ein CDU-Mann und die Linken teilweise in die gleiche Richtung argumentieren, könnte darauf hinweisen, dass das Thema von parteipolitischen Auseinandersetzungen verschont bleibt. Allerdings gibt es auch andere Signale. So kritisiert die Hofheimer SPD-Politikerin Barbara Grassel, es sei eine "überflüssige Schauveranstaltung" gewesen, dass die Grünen sich in der Stadtverordnetenversammlung nach dem Stand der Dinge erkundigt hätten.

Winckler soll dranbleiben

Man habe wohl den Eindruck erwecken wollen, so Grassel weiter, als habe der Magistrat und Umweltdezernent Wolfgang Winckler (SPD) sich um das Thema nicht gekümmert – das Gegenteil sei aber der Fall. Am besten sei es, Winckler weiter an dem Thema arbeiten zu lassen. Bekanntlich haben Grüne und CDU die Bildung einer Koalition vereinbart, wobei Winckler im Herbst durch einen Grünen-Politiker abgelöst werden soll.

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