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Bürgerzorn im Schmelzweg
Vor 22 Jahren wurde der B 519-Verkehr vor ihre Haustüren gelegt – Jetzt sollen Anwohner zahlen
Hofheims größte Rumpelstrecke wird saniert. Die Kosten dafür sollen die Anlieger mittragen. Wir haben nachgefragt, was Betroffene davon halten.
Von Barbara Schmidt
Hofheim. ![]()
Barbara und Peter Beese – im Hintergrund rumpelt gerade ein Lastwagen vorbei – hatten vor 30 Jahren im Schmelzweg gebaut. Damals war von Bundesstraße keine Rede . . . Fotos: Matthias Knapp"Katastrophal ist das", stöhnt Horst Kinkel auf. Erst habe man ihnen die B 519 vor die Tür gelegt, und jetzt sollten sie für die Schäden, die durch den vielen Verkehr entstünden, auch noch zahlen. Ein Auto hat der Rentner nicht. "Mir langt der Fußweg", meint Kinkel, der es deshalb doppelt ungerecht findet, dass er die neue Fahrbahndecke mitfinanzieren soll.
Elisabeth Kinkel weiß, dass auch ihre Eltern schon einmal zur Kasse gebeten wurden, als der Schmelzweg "kurz nach der Währungsreform" vom Feldweg in eine befahrbare Straße umgewandelt wurde. Das Rentnerehepaar beunruhigt die Ungewissheit, die noch über die Kosten herrscht. "Man kann sich das Geld nicht einfach aus den Ärmeln schütteln," sagt Horst Kinkel. Informiert worden seien sie offiziell von der Stadt noch gar nicht über die geplante Baumaßnahme. "Bisher haben wir davon nur aus der Zeitung erfahren."
"Wir werden krank"
"Wir werden krank von der Straße", weist Brigitte Friedrichs auf die Dauerbelastung hin, die den Schmelzweg-Anliegern mit der Dauer-Umleitung der B 519 zugemutet worden sei. Die Diplom-Psychologin erläutert, der tägliche Krach wirke sich psychosomatisch aus. "Seit 22 Jahren ertragen wir das. Und jetzt dürfen wir auch noch dafür bezahlen. Das ist nicht einwohnerfreundlich", stellt sie der Stadt Hofheim kein gutes Zeugnis aus. Dabei sei sie vor mehr als zwei Jahrzehnten extra aus Frankfurt in die Kreisstadt gezogen, weil diese damals als sehr bürgerfreundlich gegolten habe. "Aber das ist seit langem nicht mehr der Fall", ist Brigitte Friedrichs bittere Erfahrung.
Palim, Palim . . .
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Brigitte Friedrichs ist enttäuscht: Von bürgerfreundlicher Stadt könne keine Rede mehr sein.Beschwerden darüber, dass der Kanaldeckel vor dem Haus bei jedem Auto, das vorbeifährt, klappert, führten im Rathaus nur zu der Reaktion: "Ach ja, Palim, Palim. . .", schildert sie Gründe für ihren Ärger. Von der Stadt bekomme man auf Anfragen über die Kosten, die auf die Anwohner zukommen, keine klaren Antworten. "Ich bin im Rentenalter. Wie soll ich denn das bezahlen?", fragt sie. Bei der Stadt bekomme man darauf nur den lapidaren Hinweis: "Dann nehmen Sie einen Kredit auf." Als Rentnerin bekomme sie den aber nicht mehr, hat Brigitte Friedrichs dieselbe Sorge, die auch Kinkels äußern. Eigentlich müsse eine Bürgerinitiative her, findet die Psychologin.
"Das ist absolut nicht schön, was da läuft. Das geht so nicht", sagen Barbara und Peter Beese. Auch sie haben ihre ganze Kenntnis über die Baustelle, die ihnen in den nächsten zwei Jahren bevorsteht, dem Kreisblatt entnommen. Auch bei ihnen sorgt die Ungewissheit über das, was da an Kosten auf sie zukommt, für Unwohlsein. "Es gibt eine Beteiligung, aber keiner weiß, wie hoch sie ist," klagt Peter Beese.
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Horst und Elisabeth Kinkel: "Man kann sich das Geld nicht einfach aus den Ärmeln schütteln."Empörend findet Barbara Beese, dass sie für etwas zahlen sollen, was die Politik zu verantworten hat. "Wir müssen das sanieren, und hier ist die B 519!" Beeses fürchten zudem, dass nach der Erneuerung der Fahrbahn die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 wegfallen wird. Schon jetzt werde gern mal schneller gefahren, vor allem nachts.
Das Ehepaar, das vor 30 Jahren am Schmelzweg gebaut hat, kennt noch die Situation vor der Verlegung des Süd-Nord Verkehrs aus der Elisabethenstraße. Nicht genug, dass man seither wesentlich mehr Lärm und Dreck ertrage. Ihr Haus habe mit diesem Schritt auch einen Wertverlust erlitten, sagen Beeses. Für sie ist jedenfalls das Maß voll. Peter Beese sagt es klar: "Wenn die Stadt bei der Verlegung der B 519 gesagt hat: ‘Wir tragen die Kosten‘, dann soll sie das auch tun!"



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