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Kämpfer gegen den Straßenlärm
Tempo 30 auf der Königsteiner ist für Wolfgang Stillger nur ein Zwischenerfolg: Auch die A 66 ist zu laut
Jahrelang hat Wolfgang Stillger für eine Temporeduzierung vor seiner Haustür gekämpft. Jetzt soll es zwar auf der Königsteiner Straße einen Verkehrsversuch geben, die Autobahn 66 und ihre Abfahrt lärmen aber weiter.
Unterliederbach. ![]()
Wolfgang Stillger wohnt im Haus hinter ihm – eingekeilt zwischen der Königsteiner Straße und der Autobahnabfahrt von der A 66. Von heute an wird auf der Königsteiner geblitzt; als Versuch soll Tempo 30 kommen. Die Autobahn ist aber noch ein harter Brocken. Foto: Maik Reuß Nahezu eingekeilt zwischen Königsteiner Straße, Autobahnabfahrt und Hans-Böckler-Straße liegt das Haus von Wolfgang Stillger. Der 62-Jährige wohnt im zweiten und dritten Stock seines Eltern- und Großelternhauses – schon immer. Einst gab es da keine A 66, und die Königsteiner war nur zweispurig. Das ist lange Geschichte. Unter den Wohnzimmerfenstern im zweiten Stock lärmt Frankfurts lauteste Straße. Via Esszimmer geht es auf den Balkon. Auch der ist mit Lärmschutzfenstern verkleidet. Durch diese ist die A 66 gut zu sehen – und auch die Abfahrt Frankfurt-Höchst.
Wenn Wolfgang Stillger die Fenster öffnet, braucht er nicht mehr hinauszuschauen. Dann hört er die Autobahn laut und deutlich. Denn es gibt zwar eine, wenn auch niedrige Lärmschutzwand. Doch die endet wenige Meter vor der "Monsterabfahrt", wie er das kurze dreispurige Stück Straße nennt. Das macht klar: Sein Kampf ist nicht vorbei. Seit Jahren setzt sich Wolfgang Stillger für Tempo 30 auf der Königsteiner Straße ein. Dies soll nun getestet und von der Abfahrt bis zum Burgunderweg bei einem Erfolg dauerhaft eingerichtet werden (wir berichteten).
Beispiel Gotenstraße
"Das bringt eine brutale Verbesserung", ist sich Wolfgang Stillger sicher. Sollte es zur Dauerlösung werden, wären viele Leute hier zufrieden. "Sie würden sagen, dass man nun etwas für uns getan hat", ist Stillger überzeugt. Ob auch eine bauliche Umgestaltung nötig sei, will er abwarten. Sollte dies passieren, sehe die Königsteiner vielleicht nicht mehr aus wie eine Schnellstraße. Möglich wäre aus seiner Sicht etwa eine Spur für Einsatzfahrzeuge, Busse und Taxis. "Was Tempo 30 beim Lärm bringt, erlebt man, wenn man in die Gotenstraße geht", sagt Wolfgang Stillger. Dort, vor Klinik und Schule, gilt schon länger die Geschwindigkeitsbeschränkung. Den tödlichen Unfall vom vergangenen November, bei dem ein fünfjähriger Junge beim Überqueren der Königsteiner Straße überfahren wurde, will der 62-Jährige nicht als Grund für Tempo 30 stehen lassen. "Das hatte die Stadt schon vorher beschlossen." Allerdings ist er sich auch sicher, dass der Unfall den Stellenwert erhöht hat. Zudem: "Ampel und Blitzer wären so nicht gemacht worden." Der Blitzer ist eingerichtet und wird heute eingeweiht.
Verkehr vermindern
Außerdem plädiert Wolfgang Stillger dafür, mit dem Tempolimit nicht am Burgunderweg zu enden. "Die Leute weiter unten an der Königsteiner haben genauso eine Berechtigung." Zudem würde, gelte auf der ganzen Straße Tempo 30, insgesamt langsamer gefahren. "Vielleicht zwingen wir auch Leute, außen herum zu fahren", meint der General-Salesmanager.
Doch wenn es nur unter dem Wohnzimmerfenster leiser wird, hat der 62-Jährige noch längst nicht gewonnen. Denn das Schlafzimmer im dritten Stock liegt in Richtung der Autobahn. "Ich habe wirklich Schlafprobleme." Jetzt, im Winter, könne er noch bei geschlossenem Fenster schlafen; im Sommer gehe das nicht. "Wir haben hier die Addition aus Autobahn und Abfahrt." Was lauter ist, kann er gar nicht sagen. Aber ein Lärm-Messgerät will er sich nun organisieren.
Trotzdem sind seine Forderungen schon jetzt klar: Tempolimit und Lärmschutzwand. "Ein Tempolimit auf der Autobahn würde etwas bringen", sagt Wolfgang Stillger. Derzeit gelte "ab hier vorne 120 km/h". Früher habe bereits ab Zeilsheim Tempo 100 gegolten. Doch die Schilder wurden abgebaut. "Was es hier schon geknallt hat, ist unglaublich. Wir hören die Bremsvorgänge." Dabei handele es sich doch um ein Wohngebiet. "Wer guckt denn hier nach dem Schutz der Bürger?", fragt Wolfgang Stillger, der auch eine "bauliche Maßnahme fordert". An der Ausfahrt selbst sei es schlimmer geworden, seit diese auf drei Spuren erweitert wurde. Das war vor vier Jahren.
Hoffnung für Wolfgang Stillger und seine lärmgeplagten Nachbarn in puncto Autobahn gibt es aber erstmal nicht. Christa Tserdakidou von Hessen Mobil, der früheren Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung (HSVV), sagt, dass es bei der Landesverwaltung derzeit keine Planungen gebe, da "die vorhandenen Lärmschutzmaßnahmen ausreichend sind". Auch der massive Verkehrsanstieg von 48 494 Fahrzeugen zwischen den Anschlussstellen Höchst und Eschborn im Jahr 1970 auf 133 000 im Jahr 2010 wirke sich nur geringfügig aus. Daher entspreche die in den 1970er Jahren erbaute Lärmschutzanlage auch noch den heute einzuhaltenden Grenzwerten. Daher werde es auch, zumindest vorerst, kein weitergehendes Tempolimit geben.
Umgesetzt werde laut Christa Tserdakidou allenfalls etwas über die Lärmaktionsplanung der Stadt. Doch dieses Gremium antwortet auf eine Anfrage des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) auch zurückhaltend: "Die bestehenden Lärmschutzeinrichtungen entsprechen im rechtlichen Sinne dem heutigen Stand der Technik." Sie geht aber davon aus, dass durch zusätzliche Lärmschutzwände "rechnerisch bis zu vier Dezibel Lärmreduktion erreicht werden können".
Im Laufe des Jahres werde eine neue Lärmkarte vorliegen, die derzeit das Umweltamt erstelle, heißt es. Konkret geplant sei "an dieser Stelle der A 66 bisher aber nichts", sagt Torsten Mücke vom Amt für Straßenbau und Erschließung. Das wird Wolfgang Stillger nicht zufriedenstellen. Er muss weiterkämpfen, sein dicker Ordner, den er schon angelegt hat, wird wohl nicht ausreichen. "Wenn man sachlich argumentiert, sich einarbeitet und ordentlich vorgeht, kann man als Bürger etwas erreichen", ist sich Wolfgang Stillger sicher. Was er dabei nicht sagt: Freizeit bleibt ihm bei seinem Kampf keine. Aber er macht es auch nicht für sich allein. Denn betroffen sind hunderte Nachbarn. Im Erdgeschoss wohnt zudem die Tochter – und auch sie soll das Elternhaus nicht verlassen müssen. Mücke kann zur A 66 wenigstens ein wenig Hoffnung machen: "Irgendwann wird etwas kommen." Bis dahin werden sich Wolfgang Stillger und seine Frau damit abfinden müssen, dass der schöne Garten, der hinter ihrem Haus liegt, kaum zu nutzen ist.ses



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