Nutzer werden nicht gefragt

Kollwitz-Schule wartet auf Pläne für Altbau, muss aber vielleicht wieder eine Schule aufnehmen

Mit dem Auszug der IGS West im Juli wird das Backsteingebäude der Käthe-Kollwitz-Schule frei. Was damit passiert, steht noch in den Sternen.

Zeilsheim. Der 110 Jahre alte Backsteinbau der Käthe-Kollwitz-Schule ist mit seinem Uhrtürmchen schön anzuschauen, aber ein dringender Sanierungsfall. Zudem wird darüber nachgedacht, eine weitere Schule provisorisch in Alt-Zeilsheim unterzubringen. Foto: Maik Reuß Abgefallener Putz in den Ecken, Salpeter-Ausblühungen im Keller, und wenn es rund um das Lehrerzimmer mal brennen sollte, sind die Fenster der einzige Fluchtweg: Im Altbau auf dem Schulhof der Käthe-Kollwitz-Schule gibt es Arbeit genug für mehr als einen Handwerkerbetrieb. Doch ob und wann die Bauarbeiter anrücken, um das historische Schulgebäude wieder in Schuss zu bringen, weiß niemand. Nicht einmal der Schulleiter Jochen Bühler. "Wir sind die Nutzer des Gebäudes, werden aber von der Stadt in die Planungen nicht einbezogen", kritisiert Bühler.

In den Sommerferien soll die Integrierte Gesamtschule (IGS) West das Schulgelände verlassen und einen neuen Standort in Höchst beziehen (wir berichteten). Dann hätte die Zwangsehe zwischen IGS und Käthe-Kollwitz-Schule ein Ende, und die Grundschüler könnten ihren Altbau wieder in Besitz nehmen. "Bis dahin ist aber noch eine Menge zu machen. Und die Stadt lässt alle Fristen verstreichen", klagt Birgit Schütz, die Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule. Überschrittene Schallschutzwerte, fehlende Fluchtwege, die Salpeterausblühungen und andere Bauschäden seien nur die größten Brocken auf der langen Liste der notwendigen Baumaßnahmen für den Backsteinbau aus dem Jahr 1902. "Es müsste längst eine ausgereifte Planung geben. So können unsere Kinder nicht in das alte Gebäude", sagt Birgit Schütz.

Schulleiter Bühler sieht es ähnlich. "Wir haben das alles schon im Oktober angesprochen. Daraufhin gab es eine Begehung mit dem Hochbauamt", berichtet Bühler. Danach sei aber wenig passiert. "Wir müssen aber zum Beispiel wissen, wo die Rettungswege verlaufen sollen, um ein flexibles Raumkonzept erstellen zu können", erklärt der Schulleiter die Problematik.

Zukünftig mehr Schüler

Zudem sollen demnächst mehr Schüler als zurzeit an der Käthe-Kollwitz unterrichtete werden. Die zweizügige Grundschule bekommt einen dritten Zug hinzu. Vom Sommer an steigt die Schülerzahl von bisher 210 auf zunächst 230. "Das lässt sich im Altbau auch gut realisieren", urteilt Bühler. Wenn der denn hergerichtet wäre. Was sagt die Stadt? "Wir sind da in der Planung. Das ist aber alles noch nicht so wasserfest, als dass man da etwas Konkretes sagen könnte," sagt Martin Müller-Bialon, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Gespräche mit der Schulleitung seien geplant. "Das wird jetzt auch keine Monate dauern", so Müller-Bialon. Schließlich sei der Auszug der IGS West eine gute Gelegenheit, anstehende Arbeiten zu erledigen. "Der Übergang ist ja da, dann passt das natürlich gut. Die Ungeduld bei den Eltern kann ich natürlich verstehen; die wollen wissen, wie es weitergeht", beschwichtigt Müller-Bialon. Bis Ostern, so der Referent, werde die Schule Antworten bekommen.

Birgit Schütz bleibt skeptisch, verweist auf eine Frist, welche die Stadt bereits verstreichen ließ. Die hatte die Schule gesetzt um zu erfahren, wie es um die Planungen steht. "Da wollten wir bis zum 3. Februar eine Antwort, gehört haben wir nichts", sagt Bühler.

Protestaktion vorm Römer

"Ich weiß, dass die IGS bei optimalem Verlauf des Umzugs gegen Ende der Ferien raus sein soll", berichtet Bühler. Am ersten Schultag müssten die Grundschüler aber schon im Altbau unterrichtet werden. "Unser Ausweichgebäude soll ja anderweitig genutzt werden. Aber auch da bekommen wir nicht gesagt, wie und von wem", sagt Bühler. Zeit für die Renovierung außerhalb des regulären Schulbetriebs scheint es da nicht zu geben. Damit wollen sich weder Schulleitung noch Eltern abfinden. "Wir wollen nicht in eine Baustelle ziehen", erklärt der Schulleiter. Birgit Schütz legt nach und kündigt an: "Wenn wir bis März keine zufriedenstellenen Pläne vorgestellt bekommen, ziehen wir Eltern mit einer Protestaktion vor den Römer."

Die Schulgemeinde hat sich viele Gedanken über die eigene Zukunft gemacht und möchte ihr Konzept umgesetzt sehen. Allerdings werde schon wieder darüber nachgedacht, eine andere Schule an den Standort Zeilsheim zu verlegen, weiß der Zeilsheimer Ortsbeirat Bernd Bauschmann (CDU): "Da werden die gleichen Fehler wieder gemacht." Er sieht jedoch noch Chancen, diesen Weg politisch zu verhindern. In einem gemeinsamen Gespräch mit der Schulleitung der Käthe-Kollwitz-Schule wollen der Zeilsheimer CDU-Vorsitzende Alfons Gerling und Bernd Bauschmann die Pläne und Möglichkeiten morgen erörtern.göc / hv

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