"Wer investiert noch in Flörsheim?"

Dubai, Wüste, DFS – Der Fluglärm ist das beherrschende Thema beim Grünen-Empfang

Die Öko-Partei genießt ihre neue Stärke im Main-Taunus-Kreis. Das wurde bei dem Treffen am Freitagabend im Eschborner Rathaus deutlich.

Von Hans Schrönghammer

Eschborn. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Madlen Overdick, Regina Vischer, Sven Heß und Albrecht Kündiger (von links) stoßen an. Foto: KnappDie Grünen im Main-Taunus-Kreis segeln im Aufwind und strotzen vor Kraft. Entsprechend knallten beim Neujahrsempfang der Umweltpartei im Rathaus die Sektkorken, zumal die Eschborner Grünen inzwischen ja sogar Regierungsverantwortung in der Stadt tragen. Thomas Ebert begrüßte erstmals in seiner Funktion als hauptamtlicher Stadtrat rund 100 Gäste, darunter auch zahlreiche Vertreter anderer Parteien, von der Stadtverordnetenvorsitzenden Jutta Rümann-Heller über CDU-Fraktionschef Frank Haas bis hin zur Genossin Sabine Blum-Geenen. Der Hausherr und Koalitionär, Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU), war ebenfalls erschienen und erntete von Ebert Dank für das Überlassen der Räumlichkeiten. Das habe Speckhardt allerdings auch schon vor der schwarz-grünen Koalition gemacht. Der Grüne weiter: "Der wusste, was auf ihn zukommt."

Regina Vischer, Chefin der Kreis-Grünen – und später die Landesvorsitzende Kordula Schulz-Asche – blickten auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurück, wo die Grünen beispielsweise bei der Kommunalwahl im Kreistag die Zahl ihrer Mandate beinahe verdoppelten. Der Zuwachs bei der Zahl der Mitglieder ist der höchste aller Kreis-Verbände in Hessen. Was nicht heißt, dass die Grünen bei der festlich in den Farben der Umweltpartei eingedeckten Tafel auf die traditionellen Schmalzbrote verzichtet hätten.

"Ein Kämpfer der ersten Stunde", so Vischer, nämlich der Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann, bekräftigte den Widerstand der Grünen gegen die neue Nordwestbahn am Frankfurter Flughafen. Er stellte die schwarz-gelbe Landesregierung wegen ihrer Revision gegen das Nachtflugverbot an den Pranger. Wenn jetzt Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) oder OB-Kandidat Boris Rhein (CDU) sich für ein Nachtflugverbot einsetzen, dann klinge das mit Blick auf das an der Landesregierung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig angestrengte Verfahren wie Hohn. Kaufmann: "Dabei hätte sich die Landesregierung doch über das Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofes freuen müssen." Die Richter hätten doch nur ein altes Versprechen zu einem Nachtflugverbot aus der Mediation bekräftigt. Wenn die Ausbau-Befürworter immer wieder ins Feld führen, dass Frankfurt konkurrenzfähig bleiben und sich gegen Flughafen-Riesenprojekten etwa in der Wüste um Dubai behaupten müsse, dann sagt Kaufmann: "Noch haben wir hier keine Wüste, doch die Leute werden aus der verlärmten Zone wegziehen." Von der Deutschen Flugsicherung (DFS) sei in Sachen Lärmschutz keine Hilfe zu erwarten. "Wir schauen nicht nach unten" – das hätten deren Vertreter der bei einer Anhörung im Landtag erklärt. Unverständlich in den Augen Kaufmanns: "Diejenigen, die für den Ausbau waren, haben bei Wahlen immer die Mehrheit bekommen."

Solidarität zeigen

Albrecht Kündiger, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, forderte die Solidarität von weniger betroffenen Kommunen im Main-Taunus-Kreis. "Es gibt Fluglärm auch über Kelkheim, aber das ist nicht vergleichbar mit Flörsheim." Der Ober-Grüne weiter: "Wer investiert denn jetzt noch in Flörsheim?" Den Kommunen, die mit den Belastungen besonders zu kämpfen haben, müsse geholfen werden, der Main-Taunus-Kreis hier eine Ausgleichsfunktion wahrnehmen.

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