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Ohne Deutsch läuft nichts
Ausländische Frauen möchten sich in Vilbel integrieren – ein Verein hilft bei dem langjährigen Prozess
Deutsch lesen und schreiben können – das ist für Migrantinnen der erste Schritt, um in ihrer neuen Heimat anzukommen. Die Bürgeraktive bietet solche Kurse an – ehrenamtlich.
Bad Vilbel. Lächelnd reicht die Pakistanerin Momtaz (56) einen Zettel, auf dem in sorgfältiger Schrift geschrieben steht: «Mit meinen Nachbarn kann ich nur etwas reden – ich möchte mich aber auch unterhalten können.» Das hat sie inzwischen im Kurs «Integration ausländischer Mitbürgerinnen» bei der Bürgeraktive gelernt. «Ich lebe hier, ich muss Deutsch lernen», betont sie selbstbewusst. Das habe ihr auch ihr Mann empfohlen. Vor fünf Jahren, als sie das erste Mal zu dem Kurs kam, war sie noch Analphabetin.
16 Frauen nutzen im Moment das Angebot von Kursleiterin Sati Özdemir in den Räumen des Kinderschutzbundes an der Stadtschule. Zwei Gruppen betreut sie dort seit 2001 wöchentlich. Gelernt wird intensiv drei Schulstunden lang. Die Analphabetinnen bräuchten etwa vier Jahre, um lesen und schreiben zu lernen, berichtet die gelernte Sozialarbeiterin und Hauswirtschafterin. Wenn sie das, wie die Pakistanerin Ruxana, gut gelernt haben, können sie die zweite Gruppe besuchen, den eigentlichen Deutschkurs. Dort liegen Bücher wie «Mama lernt Deutsch» bereit.
Keine Chance zum Lernen
Die Frauen, die in den Kursen zu einer festen Gemeinschaft zusammenfinden, kommen aus allen Teilen der Welt. Zwar stammen die meisten aus der Türkei, doch dabei sind auch Frauen aus Afghanistan, Marokko, Kuba, Albanien, Syrien, Pakistan und Korea.
«Viele der Frauen hatten in ihrer Heimat nie die Chance, lesen und schreiben zu lernen», berichtet Özdemir. Etwa ein Drittel der Frauen sind noch Analphabetinnen. Für sie besteht die erste Hürde darin, zunächst die lateinische Schrift zu lernen. Dafür gibt es eigens konzipierte Bücher, die ähnlich wie die für Erstklässler aufgebaut sind. Und die die einzelnen Buchstaben vorstellen und Bilder der damit beginnenden Begriffe zeigen.
Für die Sprachkurse wird keine Gebühr fällig, nur geringe Materialkosten fallen an, betont Özdemir. Deswegen freut sie sich besonders über Spenden, wie jüngst die 500 Euro, die die Frauen des Zonta-Clubs Bad Vilbel / Karben überreichten. Davon kann jetzt neues Unterrichtsmaterial gekauft werden, auch Kartonpapier und Stifte.
Sich selbst kümmern können
Der Bürgeraktive sei es wichtig, «dass sich alle Menschen in Bad Vilbel nicht nur wohl-, sondern auch angenommen und akzeptiert fühlen», erläutert deren Leiterin Eva Raboldt. Eine wichtige Bedingung hierfür sei, «dass sich die Menschen austauschen und miteinander reden können». Die Sprachkurse werden ausschließlich für erwachsene Frauen angeboten.
«Integration ist ein langer Weg. Der erste Schritt ist, die Sprache zu lernen», betont Özdemir. Nur so erhielten die Frauen die Möglichkeit, sich selbst um Dinge wie Schule und Behördengänge zu kümmern. Özdemir berät ihre Kursteilnehmerinnen auch – und geht bei Bedarf mit auf die Ämter. Was passiert mit den Kursen, wenn sie mal krank wird? Die Sprachlehrerin, die früher VHS-Kurse gab, entgegnet: «Das war ich bis jetzt gottseidank nicht!»
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