Die Weichen werden gestellt

Stadt will Planungen für den Bahnhof weiter vorantreiben – Ehrgeiziges Konzept wird im Ausschuss diskutiert

Wenn sich der Bauausschuss am Dienstag um im Rathaus um 20 Uhr zu seiner nächsten Sitzung trifft, soll er auch über eine Magistratsvorlage entscheiden, die nach 10 Jahren intensiver Planung die Verhältnisse am Bahnhof bis 2016 grundlegend verändern könnte.

Von Harald Konopatzki

Friedrichsdorf. Derzeit wirkt das Bahnhofsumfeld trist und unansehnlich. Geht es nach den Plänen der Stadt, soll sich das in den kommenden Jahren ändern.Lange war die Stadt nicht gut auf "die Bahn" zu sprechen. Selten gab es ein Thema, bei dem sich Bürger, Parteien und Verwaltung mal offen, mal hinter vorgehaltener Hand so einig waren: Der Bahnhof mit deinem direkten Umfeld liegt als Entree der Hugenottenstadt nicht im Schönheitsschlaf sondern im Koma – mit düsteren Aussichten.

Jetzt könnte der gordische Knoten endlich geplatzt sein – nach vielen Verhandlungsrunden wird die Verwaltung am Dienstag im Bauausschuss ein Konzept zur "Neustrukturierung Bahnhof Friedrichsdorf und Umfeld" beraten. Dabei handelt es sich um die Weiterentwicklung des Entwurfs, der sich im Rahmen der Stadtwerkstatt 2008 durchsetzen konnte.

Jetzt sind die Wünsche konkretisiert, die Rechnung erstellt. 5 Millionen Euro würde das Komplettpaket einer groben Schätzung nach kosten, wobei die Stadt bei einem ersten, vier Millionen Euro teuren Schritt von einem Eigenanteil von rund 800 000 Euro ausgeht.

Barrierefreier Zugang

2013 sehen die Verantwortlichen als möglich Baubeginn – vorrangig Maßnahmen, die vor allem das Ziel haben, den barrierefreien Zugang zu den Zügen zu ermöglichen: Die Bahnsteige könnten in dieser Phase komplett neu gebaut und ein zusätzlicher geschaffen werden. Geht es nach den Planern, könnten an dem neuen Bahnsteig in der Verlängerung des bisherigen Mittelbahnsteigs die Züge in Richtung Friedberg abfahren. Dafür soll das Gleis, das zwischen Mittelbahnsteig und der mittlerweile abgerissenen Güterhalle verläuft, auf Höhe des alten Bahnsteigs mit einem Prellbock versehen und Richtung Friedberg rückgebaut werden. Außerdem sind im Maßnahmenkatalog noch ein neues Wegeleitsystem, eine neue Beleuchtung des Areals, eine "Bike and Ride"-Anlage für Fahrräder und die Begrünung der Flächen aufgeführt. Die Kosten für das alles schätzen die Planer auf rund 4 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer, Planungs- und Baunebenkosten. Bei den Vorstellungen spielt auch der Viadukt eine große Rolle. Fotos: jp

In einem zweiten Schritt (avisiert für die Zeit von 2014 bis 2016) könnte sich dann die Umgebungs-Infrastruktur verändern – Kostenpunkt rund eine Million Euro. Das jetzige Stumpfgleis, das direkt am Bahnhofsgebäude endet, soll bis jenseits des Viadukts verschwinden. Zu den bestehenden Zugängen am Bahnhofsgebäude und am Park-and-Ride-Parkplatz tun sich durch die Verkürzung des einen und Rückbau eines zweiten Gleises ganz neue Möglichkeiten auf. Über das Viadukt, das nach dem Bau des Taunus-Carré auf dem Milupa-Areal und der damit zu bauenden Erschließungsstraße zur Einbahnstraße werden soll, würden dann nur noch zwei bis drei Gleise führen. Es könnte deutlich verschmälert werden. So wäre auf beiden Seiten Platz für Rampen zu den Bahnsteigen. Optional, sprich in den 5 Millionen Euro nicht enthalten, sind zwei Aufzüge angedacht – hier wären jedoch noch einmal 500 000 Euro für Bau und Material fällig. Ebenfalls nicht in der Kostenschätzung aufgeführt ist ein neuer Fuß- und Radweg der hinter dem ehemaligen Güterbahnhof dem Verlauf des jetzt noch dort befindlichen Gleises in Richtung Professor-Wagner-Straße folgen könnte. An der Ecke Viadukt/Cheshamer Straße sieht der Entwurf einen neuen zentralen Busbahnhof vor.

Förderung entscheidend

Die Umsetzbarkeit macht die Verwaltung stark von möglichen Fördermitteln abhängig. "Die Stadt will unter der Voraussetzung, dass rund 80 Prozent der Gesamtkosten (...) förderfähig sind, den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs umsetzen", heißt es in der Beschlussvorlage.

Von den 4 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt müsste die Stadt 800 000 Euro selbst aufbringen. Ziel sei es, heißt es in dem Antrag, die Planungen bis zum kommenden Jahr so weit zu konkretisieren, dass eine Projektanmeldung bei der Verkehrsinfrastrukturförderung in Hessen erfolgen kann. Dafür kalkuliert die Stadt mit Planungskosten in Höhe von 80 000 Euro. Sollte es eine Zusage geben, könnte das Projekt von 2014 an umgesetzt werden.

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