Auf Tuchfühlung mit der Monte

Hans-Joachim Thomas nimmt an der Rallye Monte Carlo im Begleitfahrzeug teil

Wenn in dieser Woche das Oberurseler Team Tuchel/Vielgut bei der Rallye Monte Carlo herumkurvt, ist auch Hans-Joachim Thomas ständig mit dabei. Und dabei spielt er eine wichtige Rolle.

Von Klaus Späne

Steinbach/Oberursel. Das ist ein Anblick, der die Rallye-Fahrer Tuchel/Vielgut freuen dürfte: Markus Schreier, Hans-Joachim und Patrick Thomas mit Wohnmobil. Foto: ksNein, eine Urlaubsfahrt ist es nicht, die Hans-Joachim Thomas in diesen Tagen unternimmt. Auch wenn schon allein bei der Nennung des Schauplatzes seiner Reise automatisch die Gedanken in Richtung Sonne und Meer gehen. Wenn Thomas im Wohnmobil zusammen mit Sohn Patrick und Freund Markus Schreier in dieser Woche durch Südfrankreich tourt, geht es also weniger darum, die landschaftliche Schönheit und die angenehmeren mediterranen Temperaturen zu genießen.

Thomas und Co. wollen in erster Linie Straßenverhältnisse und Witterungsverhältnisse auskundschaften. Sozusagen als Vorhut für Alfred Tuchel und Andreas Vielgut, die in diesen Tagen zum zweiten Mal nach 2011 an der Rallye Monte Carlo Historique teilnehmen.

Am Sonntagnachmittag herrschte in der Steinbacher Industriestraße große Aufbruchstimmung. Ein "Silverdream", ein 7,20 Meter langes und 3,50 Meter hohes Wohnmobil-Ungetüm mit 150 PS, füllt einen großen Teil der Werkstatt von Hans-Joachim Thomas aus. An Bord des 3,5 Tonners befinden sich Spikes-Reifen, Schneeketten, Benzinkanister, Schaufel, Abschleppseil und ein Schild, auf dem dick und rot die Zahlen 220 zu lesen sind.

Es ist die Startnummer, mit der Tuchel/Vielgut auf den serpentinenreichen Etappen der Rallye unterwegs sind, und mit Hilfe derer man den beiden Piloten während des Rennens zum eigenen Standort irgendwo am Straßenrand lotst. An dem mobilen PIT-Stopp versorgt man die Fahrer dann je nach Bedarf mit Benzin, Kaffee und Essen, mit dem einen oder anderen Ersatzteil und natürlich mit Tipps oder auch nur einem entspannenden Schwätzchen. Die typischen Aufgaben eines Begleitfahrzeugs eben, wie es auch bei den meisten anderen Teams üblich ist. "Wir werden sie sicher zwei, drei Mal pro Tag haben", kalkulierte Thomas vor der Abfahrt. Und wenn man sich nicht sieht, geben die Wohnmobil-Jungs via Handy ihre Infos zur jeweiligen Strecke durch.

Ehrgeiziges Ziel

Bei all dem kann Thomas von seinem reichen Motorsport-Erfahrungsschatz profitieren. Schließlich fährt der über 60Jährige selbst seit Jahren Bergslaloms-Rennen mit aufgemotzten NSU-Fahrzeugen und ist Vorsitzender der FG Rhein-Main, einem Zusammenschluss von Rallye-Fans innerhalb des Neuen Automobil- und Verkehrsclubs (NAVC). Dazu kommt, dass Thomas ein alter Monte-Hase ist. Ende der 60er-Jahre reiste er zum ersten Mal als Zuschauer zum ältesten und berühmtesten Autorennen der Welt. Seither lässt ihn dieses nicht mehr los. Regelmäßig fuhr er in den vergangenen Jahren nach Frankreich, bevor er 2011 sein Debüt im Begleitfahrzeug gab. Bei dieser Gelegenheit studierte er die Besonderheiten von Strecke und Prüfungen und stellte Excel-Tabellen für die optimalen Durchschnittsgeschwindigkeiten zusammen. Hinzu kommt, dass der versierte Schrauber den BMW von Tuchel/Vielgut auf dem Leistungsprüfstand seiner Werkstatt checkte und für die kommenden Strapazen fit machte.

Was ihn an dem Rennen so begeistert? "Es ist eine Winterrallye, die auch ohne extremen Anfahrtsweg erreichbar ist", sagt Thomas pragmatisch. Und klar, der landschaftliche Reiz der Seealpen sowie die enge Verbindung der Rallye Monte Carlo mit dem Taunus. Schließlich sei Bad Homburg früher Startpunkt und heute noch eine Durchgangsstation der Traditionsveranstaltung.

Mittlerweile sind Thomas und seine Kollegen seit drei Tagen auf der "Monte" unterwegs, wo am Samstag die 15. Auflage des historischen Rennens endet. Und für dieses hat man sich Ehrgeiziges vorgenommen. "Ich wünsche mir, dass wir unter den ersten Hundert landen", setzt er die Messlatte nach dem 163. Platz von Tuchel/Vielgut im vorigen Jahr etwas höher. "Wenn es keine gravierenden Probleme gibt, ist das vorstellbar."

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