Das fehlende Herz des Doms

Der Hochaltar von St. Johannes ist wegen Holzwurmbefalls zerlegt worden

130 Jahre lang wurde an ihm gebetet. Die Kirdorfer feierten hier ihre Hochzeiten, Beerdigungen und die Kommunion. Doch jetzt müssen die Holzteile des Hochaltars im Taunusdom saniert werden. Das hat Folgen auch für die Messen, die hier stattfinden.

Von Alexander Wächtershäuser

Kirdorf. Nicht wiederzuerkennen: Die Holzteile des Johannes-Altars sind abgebaut (kl. Bild). Satko Krivcic von der Kirdorfer Firma Fliesen Müller bessert den Steinblock des Altars aus (großes Foto). Fotos: Jens PriedemuthDer Zahn der Zeit hat am Hochaltar von St. Johannes, dem Taunusdom, genagt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn in dem 130 Jahre alten kunstvollen Altar haben sich unliebsame Tierchen breit gemacht, die ihn durchlöchern: Holzwürmer. Die Kirchengemeinde hat reagiert und eine Spezialfirma damit beauftragt, den Tierchen den Garaus zu machen. Seit dieser Woche ist daher der Altar abgebaut, zu sehen ist lediglich noch der Steinblock.

Eine Spezialfirma aus Fulda hat den Johannes-Altar fachmännisch zerlegt. "Er bestand aus rund 100 Teilen", sagt Pfarrer Werner Meuer. Sie wurden alle zuvor genau fotografiert und kartiert, so dass eine exakter Zusammenbau wieder möglich wird.

Was nun kommt, ist eine Wärmebehandlung, die den Holzwurm abtöten soll. "Es ist keine Sanierung, die jetzt erfolgt", sagt Meuer, "es geht vielmehr darum, den weiteren Verfall des Altars zu stoppen. Ob eine Sanierung in Angriff genommen werden solle, müsse dann der noch zu wählende Verwaltungsrat der Gemeinde beschließen. "Das wird dann aber sicherlich auch eine Kostenfrage sein", so der Seelsorger.

Die Kosten waren kurzzeitig sogar zu einem Politikum geworden, als die Kirdorfer CDU den Antrag gestellt hatte, in den städtischen Haushalt für 2012 eine Summe für diesen Zweck bereitzustellen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Für Meuer war das Ganze eine "unsägliche Diskussion". Die Finanzierung sei Sache des Verwaltungsrates, der müsse dafür einstehen.

Teile komplett erneuern

Die jetzige Konservierung des Altars wird dazu genutzt, sich einen genauen Überblick zu verschaffen, was alles gemacht werden müsse. "Einige Teile müssen wohl nachgearbeitet werden", so Meuer. Wie lange die Kirdorfer auf ihren Altar verzichten müssen, ist ungewiss. Es könne auch sein, dass man sich dann entschließe, wenn der Altar schon mal zerlegt sei, gleich mit der Sanierung weiterzumachen.

In St. Johannes wird derzeit auch der verputzte mächtige Altarsteinblock (1,50 Meter breit, 4 Meter lang und 1,50 Meter hoch) ausgebessert. Dabei wird auch zum ersten Mal nach 130 Jahren sichtbar, dass der Block auf gewachsenem Erdreich steht. Auf diese Weise soll die Verbindung des Himmlischen mit dem Irdischen symbolisiert werden.

Ort der Eucharistie

Oben deckt eine aus Sandstein gearbeitete Altarmensa den Steinaltar ab, auf der die fünf Weihekreuze zu erkennen sind. Der Tabernakel ist fest mit dem Steinaltar verbunden und steht nun schmucklos auf der Altarplatte. Das ist zwar nicht unbedingt schön, ist aber notwendig, um auch weiterhin Messen feiern zu können. Denn der Hochaltar ist der Ort der Aufbewahrung der Eucharistie. Im Tabernakel kann nun die Eucharistie aufbewahrt werden.

Dennoch ist das Fehlen des Hochaltars für Meuer schmerzlich. "Es fehlt das Herz von St. Johannes." Denn er weiß, dass gerade die Kirdorfer eine besondere emotionale Bindung zu "ihrem" Altar haben. Sie haben hier Hochzeiten und Beerdigungen, Taufen und Kommunion gefeiert, haben in schwierigen Situationen um Beistand gebetet und für bewältigte Lebenskrisen dank gesagt. Doch der Seelsorger kann sogar dieser Situation noch etwas abgewinnen. "Es führt uns vor Augen, dass selbst das Himmlische auf Erden vergänglich ist."

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