Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.
Gemüselose Tage
Wochenmarkt-Angebot ist derzeit ziemlich dezimiert
Marktleute sind zumeist harte Burschen und Mädels. Ihren Salatköpfe und Blumen aber können sie nicht mit Mützen schützen.
Bad Homburg. "Wo ist denn heute der Markt?", entfuhr es gestern auf dem Waisenhausplatz einer Passantin. Wo es sonst ein meterlanges Angebot an Salat, Orangen und Gemüse gibt, klaffte eine Lücke; lediglich der Verkaufswagen vom Dottenfelder Hof und der kleine Blumenstand von Peter Braun behaupteten sich im eisigen Wind – Letzterer mit Plastikummantelung und Radiator.
Wie aus dem Rathaus zu hören war, hatten sämtliche Marktbeschicker, die auf dem Homburger Wochenmarkt Obst und Gemüse verkaufen, für gestern abgesagt. "Das akzeptieren wir, ist ja bei den Temperaturen nicht zu ändern", erklärt Rathaussprecher Andreas Möring. Wer in diesen Tagen mal seine Blümchen auf dem Balkon gelassen hat, weiß, warum: Sie sind tot, Gefrierbrand.
Jene Marktbeschicker, die ausharren, sind indes kaum wiederzuerkennen. Die Käseverkäuferin mit Trapperkappe, der Bäcker mit Nepalmütze und fingerlosen Handschuhen: So harren sie in ihren Ständen und Verkaufswagen aus und trotzen den bis zu minus zehn Grad. Viele haben eine kleine Heizung laufen. Die Geschäfte laufen wie gewohnt.
Die Winterkälte ist sicherlich eine Ausnahmesituation. In anderen Fällen ist die Stadtverwaltung nicht so entgegenkommend. Etwa wenn der Marktmeister feststelle, dass Verkäufer unregelmäßig kämen, und ein Stand länger nicht besetzt sei, erläutert Möring.
Mona Bender, die seit vier Jahren vor dem Kurhaus Artikel aus der Provence anbietet, ist aus diesem Grund jetzt raus. "Ich brauche eine spezielle Krankengymnastik, die dienstags stattfindet", erklärt sie. Dienstags aber ist sie für den Markt gebucht. Ihr Vorschlag, eine Zeitlang nur freitags zu kommen, stieß im Homburger Rathaus auf Ablehnung. "Die haben mir gesagt, ich könne mir nicht die Rosinen rauspicken", erzählt die Oberurselerin.
"Wir wollen den Homburgern mit dem Wochenmarkt ein attraktives Angebot machen", nimmt Möring seine Kollegen in Schutz. "Und zwar an beiden Markttagen, dem Dienstag und dem Freitag."
Mona Bender ärgert sich dennoch, nicht nur, weil ihr Mann die Dienstagslücke gern gefüllt hätte und für sie eingesprungen wäre, was ihm im Februar aber noch nicht möglich sei. Die Oberurselerin fragt sich, warum dann ein Käsehändler nur ab und zu auf dem Markt vorbeischauen dürfe, sie aber regelmäßig kommen müsse.
Der Allgäuer Käsemann komme in der Tat nur einmal im Quartal. Seinen Standplatz teile er sich mit einem Räucherfisch-, einem Honighändler und einem Verkäufer von seltenen Olivenölen, erklärt Möring die Logik der Marktverwaltung.
Mona Bender trauert der Kurstadt nicht hinterher – auch wenn sie hier eine Reihe Stammkunden habe. Man findet sie weiterhin mittwochs und samstags auf dem Oberurseler Wochenmarkt. Und demnächst auch in einem Laden in der Brunnenstadt. Und die Gemüsehändler? Kommen wieder, wenn Homburg aus dem Frost erwacht.ahi



Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.
Folge uns unter