"Jetzt hilft nur noch Beten"

Landwirte bangen um Kälber und Zicklein – Tiere von Schmallenberg-Virus befallen – Für Menschen ungefährlich

Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche und nun das Schmallenberg-Virus. Auch im Hochtaunus ist diese neue Krankheit angekommen, erste Tiere sind bereits verendet.

Hochtaunus. Die Tiere, die erkranken, zeigen nur schwache Symptome, zum Teil ist die Krankheit gar nicht zu bemerken. Doch schlägt sie ein paar Monate später richtig heftig zu: Der Nachwuchs kommt mit schweren Missbildungen zur Welt, zum Teil kommt es zu Früh- oder Totgeburten. Wasserköpfe und Hirnschäden kommen ebenso vor wie steife oder verrenkte Gelenke. Die Rede ist vom Schmallenberg-Virus, mit dem Rinder, Schafe und Ziegen in vielen Ländern Europas infiziert sind und das Kälber, Lämmer und Zicklein dahinrafft.

Auch im Taunus ist die Krankheit angekommen. Wie Kreissprecherin Pamela Ruppert mitteilt, habe sich in zwei Fällen der Verdacht bestätigt. "Bei zwei weiteren Fällen wird geprüft, und bei einem hat sich der Verdacht nicht bestätigt." Der Kreis hat die Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter über das Virus informiert. Verdachtsfälle sollten, auch wenn es noch keine allgemeine Meldepflicht gebe, dem Kreisveterinäramt mitgeteilt werden. "Wir geben das dann an die Tierseuchendatenbank weiter."

Die Fallzahl ist allerdings nur bedingt aussagekräftig. Wie der Kreis mitteilt, wird immer nur ein Tier pro Hof getestet. Gibt es einen positiven Befund, wird der gesamte Hof als bestätigter Fall registriert. Wie viele Tiere tatsächlich als Folge des Schmallenberg-Virus verendet sind, geht aus der Statistik also nicht hervor.

Landwirt Volker Schuhmacher aus Eschbach geht davon aus, dass bei ihm schon sechs Lämmer an der Krankheit gestorben sind. "Das ist schon vor drei bis vier Wochen passiert", sagt er. Das Veterinäramt habe die Tiere abgeholt und überprüft. Rund 900 Tiere, darunter auch einige Ziegen, gehören zu seinem Bestand. "Jetzt hilft nur noch Beten", kommentiert Schuhmacher. Es gibt noch keinen Impfstoff (siehe auch "INFO"), und im Frühjahr könnten noch mehr Muttertiere infiziert werden, da das Virus von Mücken übertragen wird.

Gewissheit im Frühjahr

Die Usinger Landwirtin Miriam Preiß hofft, dass ihre Tiere nicht betroffen sind. "Wir haben zwischen 100 und 110 Milchkühe", sagt sie. Bis zu 60 Kälber kommen jedes Jahr auf die Welt. Ob ihr Bestand von der Krankheit verschont wurde, kann man wahrscheinlich erst im Frühjahr sagen, weil sich die Muttertiere im Spätsommer oder Herbst infiziert haben dürften.

Missbildungen bei Kälbern sind übrigens – außerhalb des Schmallenberg-Virus – nicht sehr häufig. Preiß kann sich nur an ein verkrüppeltes Kalb in den vergangenen Jahrzehnten erinnern. "Behinderungen wie beim Menschen gibt es eigentlich nicht. Vieles wächst sich bei den Tieren auch aus." Preiß hofft, dass die Krankheit als Tierseuche eingestuft wird, denn dann können die Tierhalter auf eine Entschädigung hoffen. Bei Rindern können laut Tierseuchengesetz bis zu 3068 Euro pro Tier gezahlt werden. Bei Schafen sind es 767 Euro, bei Ziegen 307 Euro. Der Bundesrat wird voraussichtlich im März über die Einführung einer Meldepflicht abstimmen. Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich. Deshalb gibt‘s auch keine Restriktionen beim Verkauf von Muttertieren, die das Virus überstanden haben, oder von deren Fleisch.gst

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