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Krug packt’s in Runde zwei
Bad Homburg hat nach 8 Jahren wieder einen Bürgermeister – Dieter Kraft hauptamtlicher Stadtrat
"Neue Männer braucht das Land", hatte BLB-Fraktionschef Armin Johnert vor den Bürgermeister- und Stadtratswahlen am Donnerstagabend gefordert. Die Kurstadt hat jetzt mit Karl Heinz Krug (SPD) als Bürgermeister und Dieter Kraft (Grüne) als Stadtrat zwei neue Männer im Rathaus. Aber es gab noch einen dritten Gewinner.
Von Marc Kolbe
Bad Homburg. ![]()
Ein Küsschen für den Sieger: SPD-Chefin Elke Barth gratuliert ihrem Lebensgefährten Karl Heinz Krug im Blitzlichtgewitter zur Wahl zum Bürgermeister. Jürgen Stamm (SPD) gibt dem Paar seinen Segen. Fotos: Priedemuth Die Erleichterung war förmlich mit Händen zu greifen: Im zweiten Wahlgang erreichte Karl Heinz Krug (SPD) bei den Bürgermeisterwahlen die erforderliche Mehrheit von 25 Stimmen. Damit hat Bad Homburg nach acht Jahren und drei gescheiterten Anläufen wieder einen Bürgermeister.
Dabei hatte kurz zuvor noch Ratlosigkeit geherrscht. Nach dem ersten Urnengang hatten nur 24 Abgeordnete für Krug gestimmt und 21 für den CDU-Kandidaten, den Leiter des städtischen Fachbereichs Finanzen Meinhard Matern. Zudem gab es vier Nein-Stimmen. Das war insofern interessant, als dass Dieter Kraft (Grünen) zuvor bei seiner Wahl zum Stadtrat gleich auf Anhieb die erforderlichen 25 Stimmen erhalten hatte.
Nach der ersten Runde der Bürgermeisterwahl beantragte die CDU eine Sitzungspause. Man wollte noch mal an der FDP herum schrauben, die ihre Ankündigung, bei beiden Wahlen mit Nein zu stimmen, wahr gemacht hatte. Plötzlich wurde überall getuschelt, wurde Kaffeesatz gelesen und spekuliert. Ist einer vom Bündnis ausgeschert? Oder wollte der Linken-Abgeordnete Steffen Etzel die Muskeln spielen lassen? Letzteres war zumindest einhellige Meinung – auch wenn die Wahlen natürlich geheim abgehalten wurden.
Bündnis gerettet
Nach dem zweiten Wahlgang dann die Erlösung für Krug und das Bündnis: Der SPD-Kandidat hatte die 25 Stimmen in der Tasche. Eine Zentnerlast schien dem 40-jährigen Unternehmensberater, der zurzeit noch Prokurist und Leiter der Finanzkommunikation bei der Axa ist, von den Schultern zu fallen. Aber nicht nur ihm. Wäre Krug durchgefallen, wäre auch das Bündnis ins Wanken geraten, obwohl es keine Abweichler aus den eignen Reihen gegeben hatte. "Ich glaube dennoch das wäre das Ende vom Bündnis gewesen", sagte Krugs ebenfalls erschöpft, aber erleichtert wirkende Lebensgefährtin, die SPD-Vorsitzende Elke Barth. Denn nur mit einem Bürgermeister Krug, so Barth, hätte die SPD ihre Themen wirkungsvoll umsetzen können.
Für den zweiten Gewinner des Tages, Dieter Kraft, endete der Marsch durch die Institutionen auf einem hauptamtlichen Stadtratsposten. Nach Oberbürgermeister Michael Korwisi ist der 59-Jährige also der zweite Grüne im Rathaus. Eine Entwicklung, die die beiden Busenfreunde noch vor wenigen Jahren so wohl nicht für möglich gehalten hätten.
Gleich nachdem die Stimmen der Stadtratswahl ausgezählt waren, ballte SPD-Fraktionschef Jürgen Stamm kurz die Faust. Das Signal, das Kraft es geschafft hatte. In einem wahren Blitzlichtgewitter fielen sich der Gewählte und Korwisi in die Arme, bevor Kraft – in Anzug und festem Schuhwerk – in sein Amt eingeführt wurde. Nur einer mochte sich, zumindest öffentlich, darüber nicht so recht freuen. FDP-Schlachtross Wolfgang Hof grantelte: "Es gibt keinen Grund sich zu freuen, wenn die Heimat in Feindeshand fällt." Meinhard Matern bleibt die Erkenntnis, dass es ihm immerhin gelungen ist, die CDU bei einer Wahl zu einem einheitlichen Abstimmungsergebnis zu führen – und das ist schon mal ein (kleiner) Erfolg.
Der dritte Gewinner
Übrigens – heimlich, still und leise hatte der Wahlabend noch einen dritten Gewinner: den amtierenden Stadtrat Peter Vollrath-Kühne. Das Bündnis hatte dem FDP-Politiker in der Parlamentssitzung im April noch die Verlängerung im Amt verweigert. Diese Wahl war nach Beamtenrecht notwendig geworden, da Vollrath-Kühne im Amt die magische Altersschwelle von 63 Jahren überschritten hatte. Eigentlich eine Formsache, doch aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse im Parlament plötzlich ein Politikum. Da die FDP damals jedoch nicht die Wahl von Axel Dierolf (NHU) zum Stadtverordnetenvorsteher unterstützt hatte, kegelte das Bündnis Vollrath-Kühne unsanft aus dem Amt.
Nach der Bürgermeisterwahl waren die Karten plötzlich neu gemischt. Da Krug das Amt des Bürgermeisters aufgrund beruflicher Verpflichtungen erst im Februar oder März kommenden Jahres antreten kann, dienstverpflichtete OB Korwisi noch gestern Abend seinen Stellvertreter kurzerhand – nach § 41 der Hessischen Gemeindeordnung eine legitime Volte. Und so beendete auch der ansonsten eher verschlossene Vollrath-Kühne den Wahlabend mit einem Lächeln.



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