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Schwarzes Band wird zur Marke
Was „Wider den tierischen Ernst“ für Aachen, soll das Katerfrühstück für Bad Homburg werden
Das Kater-Frühstück mit Verleihung des Schwarzen Bandes in Samt und Seide wird es auch künftig geben. Und nicht nur das. Künftig will man nach weisen Narren auch außerhalb der Stadtgrenzen suchen.
Bad Homburg. ![]()
Alle mit Band – ein Anblick, der Hellmuth Bernecker bei seinem Katerfrühstück gefallen hätte. Johannes Hüber (rechts) moderierte die Reminiszenz-Veranstaltung. Im Vordergrund sitzen Jörg Hölzer und Marliese Bernecker. Foto: PriedemuthDie Verleihung des Schwarzen Bandes am Aschermittwoch beim TK-Katerfrühstück ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Hellmuth Bernecker. Der Herausgeber des Taunus-Kuriers hatte die Homburger Version des politischen Katerfrühstücks 1982 aus der Taufe gehoben und bis 2009 Jahr für Jahr einen weisen Narren ausgezeichnet, der "die Narrheit im Ernst der Zeit erkannt, und ihr im Tun und Lassen Rechnung getragen hat". Doch in den vergangenen beiden Jahren musste die traditionsreiche Veranstaltung ausfallen. 2010 war Bernecker erkrankt, ein Jahr später starb der unermüdliche Karnevalist.
Und so stand die Aktionsgemeinschaft, die seit 1995 Ausrichter des Katerfrühstücks ist, jetzt am Scheideweg: Eine karnevalistische Tradition beenden oder sie weiterführen, "obwohl nicht klar ist, wem die Bernecker‘sche Schuhgröße 49 passt", so Hölzer.
Wunsch der Witwe
Doch seit gestern ist es offiziell. Auf ausdrücklichen Wunsch von Marliese Bernecker, der Witwe des Initiators, wird die Veranstaltung fortgesetzt. Und nicht nur das: Künftig will sich die Aktionsgemeinschaft bei der Suche nach weisen Narren nicht mehr auf das Stadtgebiet Bad Homburgs beschränken. "Es soll überregional werden", bestätigte Hölzer. Er könne sich vorstellen, dass diese ganz besondere Version des politischen Bad Homburger Aschermittwochs einmal auf das ganze Rhein-Main-Gebiet ausstrahle. Nicht zuletzt deswegen ist jetzt auch die Stadt als Unterstützer der Veranstaltung mit im Boot, die künftig die überregionale Pressearbeit übernimmt und bei der Organisation helfen wird. "Und wenn wir irgendwann die Bundeskanzlerin auszeichnen können, wenn sie etwas besonders Närrisches getan hat und sie den Preis auch will, werden wir bestimmt nichts dagegen haben", meinte er lachend. Doch überstürzen werde man nichts. Man werde sich jetzt zusammensetzen und über den Feinschliff nachdenken. "Aachen hat ja auch mal klein angefangen", so Hölzer augenzwinkernd.
Um die einzigartige Veranstaltung – "etwas Vergleichbares gibt es in ganz Deutschland nicht", so Marliese Bernecker – besser vor unliebsamen Nachahmern zu schützen, sollen das "TK-Katerfrühstück" und das "Schwarze Band in Samt und Seide" namens- und patentrechtlich geschützt werden.
Und so bildete die gestrige Veranstaltung eine Zäsur – ganz so, wie es sich Marliese Bernecker gewünscht hatte, eine Zäsur. Man schaute zurück auf eine fast 40-jährige Tradition und richtete dennoch den Blick in die Zukunft.
Johannes Hübner, Sprecher des AvD und langjähriger Freund Berneckers, hatte die schwierige Aufgabe übernommen, an dessen Stelle die Veranstaltung zu moderieren. Dabei erwiesen vier Träger des Schwarzen Bandes dem Verstorbenen ihre Reminiszenz: Ex-Landrat Henning von Storch (CDU), OB Michael Korwisi (Grüne), Dr. Alfred Etzrodt (CDU) und Prof. Egon Schallmayer. Der frühere Landrat, 1981 wurde er von Bernecker als "weiser Narr" geoutet, weil er als Storch zwar den Fröschen nachjagte, dabei aber manche Kröte schlucken musste.
Karnevalistische Ader
Korwisi, 2002 gewürdigt, räumte ein, dass sein ganzes politisches Engagement eigentlich darauf abgezielt hatte, auch einmal mit dem Schwarzen Band in Samt und Seide ausgezeichnet zu werden. Der letzte von Bernecker gewürdigte "Narr", war Dr. Alfred Etzrodt. Offenbar habe Bernecker noch früher als er selbst erkannt, dass der Gynäkologe nur deshalb in die Politik gegangen sei, da er hier als Rheinländer seine karnevalistische Ader ausleben könne.
Grandios die Rede von Egon Schallmayer, in der er den programmatischen Bogen in die Zukunft schlug. Die Veranstaltung habe ihren Platz in der Region und darüber hinaus, sagte er, denn "das Narrentum in der Welt hört niemals auf", sagte er und lieferte gleich Beispiele. Närrische Profitgier treibe die Welt an den Abgrund, jeder wolle in den Urlaub fliegen und vergesse, dass dafür Landebahnen notwendig sind, in Parlamenten werden stundenlange Reden gehalten, obwohl den Worten keine Taten folgen. Dass alles sei im Grunde zutiefst närrisch. "Hellmuth Bernecker hat diese Narrheit im Ernst der Zeit als Erstes erkannt und dies institutionalisiert", sagte Schallmayer. Schon allein deswegen hat das Schwarze Band eine Fortsetzung verdient.aw



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