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Sensibel interpretierte Songs
Der Sänger und Gitarrist Joubin Jian und die Singer-Songwriterin Vanessa Novak brachten Schwung in Garniers Keller.
Von Olivera Gligoric-Fürer
Friedrichsdorf. Sie war sozusagen das Vorprogramm, er das Hauptprogramm. Aber bestens unterhalten haben sie beide mit ihrer aussagekräftigen und teilweise zum Nachdenken anregenden Musik. Vanessa Novak spielte eigene Songs, die Züge der Country- und Americana Folk-Music aufwiesen, während Joubin Jian ausgewählte Stücke unter anderem von The Beatles, Sting, Ray Charles und Duffy wunderbar wiedergab. Die beiden gastierten am vergangenen Freitagabend in Garniers Keller.
Der 56-jährige Frankfurter verstand sich dabei als Botschafter der Stimmung, die jedem Stück zugrunde lag. Dabei gewannen die Songs an Individualität – wobei die Gitarre sein einzige Begleitinstrument war.
Jedes Lied muss für den leidenschaftlichen Musiker plausibel umsetzbar sein, deswegen scheut er nicht davor zurück, jedem Stück seinen persönlichen Stempel aufzudrücken: "Wenn ich das Gefühl habe, zu einem Song passen Reggae-Rhythmen, dann spiele ich die ein", erklärte Jian.
Mit 16 Jahren hat der Frankfurter angefangen Gitarre zu spielen, öffentliche Auftritte hat er seit etwa zehn Jahren. Neben seinen Solo-Auftritten singt Jian noch in einem Chor mit, der unter anderem Musicals der Burgfestspiele in Bad Vilbel begleitet. Für den gelernten Architekten, der seinem Beruf noch nachgeht, lässt sich die tägliche Arbeit mit der Musik gut vereinbaren: "Ich brauche die Musik als Ausgleich", erklärte er. Es sei wie die Erfüllung eines Traums. Daher lässt er seit gut einem Jahr seine Stimme professionell trainieren. Eine lohnende Investition, meisterte er doch jedes Stück stimmlich ganz hervorragend.
Guru als Antiheld
Schön war auch, dass Jian insbesondere bei den Beatles- und Sting-Stücken den Text zuvor übersetzte oder etwas über die Entstehung des Titels erzählte. So erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass der Antiheld aus dem Song "Sexy Sadie" (The Beatles) eigentlich ein Guru war, den die "Pilzköpfe" in einem Ashram in Indien aufgesucht hatten, weil sie spirituelle Erfahrungen sammeln wollten. Doch leider habe sich der Guru mehr an den jungen weiblichen Teilnehmerinnen interessiert gezeigt als an der Bewusstseinserweiterung.
Ferner erfuhr das Publikum, dass der Song "Fragile" (Sting) eine Hommage an Stings Freund, den Ingenieur Ben Linder, war, der beim Brunnenbau in Nicaragua von Rebellen getötet worden war. Die bunte Mischung aus Pop, Blues und Jazz, gepaart mit Jians Musikalität, gefiel dem Publikum.
Aber auch die Darmstädterin Novak, die ihre eigenen Songs auf der neunsaitigen Morris-Gitarre präsentierte, hatte ihren Teil zum Gelingen des Abends beigetragen. Mit ihrer satten Stimme und ihrem griffigen und überzeugenden Gitarrenspiel eroberte sie schnell das Publikum. Die englischen Songtexte der Halb-Amerikanerin waren ebenso aussagestark wie lyrisch: Sie behandelte große Themen wie Liebe und Trennung, sie besang den Sinn des Lebens ebenso wie die kleinen Stolpersteine, die einen Menschen leicht ins Wanken bringen.
Ihre musikalische Professionalität bestätigte sie bravourös, nur ihren Ansprachen und ihrem Auftreten fehlten ein bisschen Eleganz und Souveränität. Daran könnte Novak, die bereits eine CD herausgebracht hat, noch ein bisschen feilen.



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